Nobody - Kritik und Trailer zum Film

Es sind vor allem Männer, meist weiße Kerle, die durchdrehen im US-Kino. Denen es irgendwann mal reicht: Gespielt werden sie gern von etablierten Namen wie Bruce Willis, Michael Douglas oder Keanu Reeves. Auch Bob Odenkirk, Hauptdarsteller des neuen Rachespektakels von Ilya Naishuller, passt irgendwie in diese Kategorie. Seine Figur in diesem 90-Minüter hat schon viel schlucken müssen, das zeigen die ersten Szenen. Ein nächtlicher Einbruch aber, der bringt das schon längst volle Fass zum Überlaufen: Nobody dreht durch, hinterlässt eine blutige Spur.

Das amerikanische Kino liebt Nobodys. Dutzendmenschen und Nullen. Die allerdings irgendwann freilich über sich hinauswachsen. Man denke an Forrest Gump! Nun trägt ein neuer Film den "Niemand" gleich ganz im Titel: Doch auch dieser Nobody hat es in sich - selbst wenn die ersten Minuten überhaupt nicht darauf hindeuten. Gespielt wird "Nobody" von Bob Odenkirk - einem Darsteller, den vor allem Fans der Serie "Breaking Bad" in ihr Herz geschlossen haben. Ab Donnerstag im Kino.

Nobody - Kurzinhalt zum Film

Die ersten Szenen also zeigen unseren Nobody unter anderem dabei, wie er zum wiederholten Male von seiner Frau niedergemacht wird. Wie ihm zum zigsten Mal die höhnisch hupende Müllabfuhr vor der Nase wegbrummt. Wie Nobody ein jämmerliches Bild dabei abgibt, als er ausgerechnet am Buswartehäuschen Klimmzüge macht. Nein, so rufen uns diese ersten, durchaus mit Selbstironie behauchten Bilder zu: Dieser mittelalte Mann, der hat es nicht leicht. So eine Midlife-Crisis (Odenkirk passt mit seinen bald 60 Jahren noch gerade so in diese Symptomschublade), die will erst mal geschultert sein.

Und wir wären hier nicht im amerikanischen Mainstream, wenn nicht alles noch viel schlimmer käme: Die nächste Demütigung, die wartet nämlich schon am folgenden Abend auf Mr. Nobody (eigentlich: Hutch Mansell). Zwei Einbrecher dringen in Nobodys Haus ein; nicht sonderlich gefährlich aussehend. Dem weiblichen Teil des Diebesduos, dem könnte Hutch mit seinem Golfschläger eins überbraten. Nobody aber versagt.

"Die hättest du packen können, Dad", muss sich Hutch nach dem Einbruch denn auch von seinem Sohn vorhalten lassen. Vom Spott, der ihn am nächsten Morgen an seinem Arbeitsplatz erwartet, ganz zu schweigen. Nobody aber, das kommt jetzt sukzessive raus, der hat mal zwölf Jahre lang "für sehr gefährliche Leute" gearbeitet. Und er wird sich nun, nach all den Demütigungen, doch noch dementsprechend (also sehr blutig und gewaltvoll) rächen.

Nobody - Die Kritik

Politisch korrekt ist dieser Film von Regisseur Ilya Naishuller nicht. "In mir schlummert schon lange etwas, das unbedingt raus will", heißt es an einer Stelle. Unterdrückte Männlichkeit, Kerle, die es nicht mehr aushalten: Das ist nicht neu, man kennt diverse Filmmänner, bei denen unerwartet alle Sicherungen rausfliegen. Aus David Cronenbergs "A History of Violence", aus dem kultigen, fast in Vergessenheit geratenen "Falling Down" (mit Michael Douglas). Auch an Keanu Reeves "John Wick" (dessen Produzent David Leitch auch an "Nobody" beteiligt war) kann man denken. Genauso wie an Walter White, den ach so durchschnittlichen Chemielehrer aus "Breaking Bad", der schließlich als Drogen-Gangster über sich hinauswächst. So comichaft wie bei Quentin Tarantino ist die Gewalt hier nicht. Und: Nobody kein Unsympathler. Er hat mehr Stil und Feingefühl, als dies sein doch ziemlich überzogener Gewaltausbruch suggeriert.

Besonders schön: die finalen Momente des 90-Minüters. Da spielt plötzlich Nobodys beachtliche Vinylschallplattensammlung eine Rolle. Ein Film, der Pat Benatar, Tschaikowsky und Nina Simone im Kinosaal versammelt, kann nicht ganz schlecht sein. Regisseur Naishuller ist selbst Mitglied einer Rockcombo. Den Vorwurf aber, hier werde einer unreflektierten, veralteten Form von Männlichkeit gehuldigt - während ernst zu nehmende Frauenfiguren kaum eine Rolle spielen -, diesen Vorwurf muss sich ein Film derartigen Zuschnitts im Sommer 2021 durchaus gefallen lassen.

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(APA/Red)

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