"No Country for Old Men": Oscar-Abräumer kommt am Freitag ins Kino

Wenn das Geld auf der Straße liegt - warum sollte man sich dann nicht danach bücken? Ganz so einfach sind die Dinge dann aber doch nicht, die ein in den kargen Hügeln an der Grenze zwischen Mexiko und Texas jagender biederer Bürger vorfindet.

Die zwei Millionen Dollar, die er nach einer wilden Schießerei zwischen Drogendealern, bei der es keinen Überlebenden gibt, einfach mitnimmt, werden anderswo vermisst. Und der Killer, der sich aufmacht, nach dem Geld zu suchen, sieht nur etwas beschränkt aus, ist aber von einer Sorte Mensch, der man lieber nicht begegnen möchte. Über weite Strecken ist “No Country for Old Men” eine Verfolgungsjagd, doch der Film der Brüder Brüder Joel und Ethan Coen hat versteckte Qualitäten. Nicht zu Unrecht war der Streifen der Abräumer der heutigen Oscar-Nacht. Am Freitag (29.2.) kommt er in die österreichischen Kinos.

Der zwölfte Film der Coen-Brüder ist trotz seiner leichten Überlänge (122 Minuten) einer ihrer massentauglichsten, von den Kasseneinnahmen (bisher 64 Mio. Dollar US-Einspielergebnis, 30 Mio. Dollar im Ausland) jedenfalls der erfolgreichste. Die Vielzahl an Auszeichnungen der vergangenen Wochen wurde heute bei den 80. Academy Awards mit Oscars als Bester Film, für die Beste Regie, das Beste adaptierte Drehbuch (als Vorlage diente der 2005 erschienene gleichnamigen Roman des Schriftstellers Cormac McCarthy) sowie für die Beste männliche Nebenrolle (Killer-Darsteller Javier Bardem gewann den Preis hoch verdient) gekrönt.

Es ist ein brillant verfilmtes, archaisches Epos, in dem gut (Josh Brolin als Geld-Finder Moss, der seine Chance ergreifen möchte) und böse (Bardem mit einem grotesken Mordgerät, seltsamen Vorlieben und stoischer, beunruhigender Miene) aufeinander prallen, beobachtet vom alternden Sheriff Bell (ebenfalls hinreißend: Tommy Lee Jones), der mit vielen Kummerfalten und Nachdenkpausen den Sittenverfall im Land registriert. Die Werte des Wilden Westens zählen nicht mehr, es regiert das Faustrecht, und das macht nicht halt, ehe die Sache ausgefochten ist.

Im Fall der beiden zähen Burschen dauert das allerdings ziemlich lange, und ein Showdown folgt dem anderen, bis endlich der letzte Blutstropfen vergossen ist. Wer über entsprechend schwarzen Humor verfügt, hat bis dahin allerdings auch reichlich Gelegenheit zum Lachen – über ebenso skurrile wie fiese Morde mit dem Bolzenschussgerät, über Münzwürfe, die über Tod und Leben entscheiden, oder über Dialoge wie jenem, mit dem sich der von bösen Vorahnungen geplagte Moss von seiner Freundin verabschiedet: “Sag meiner Mutter, ich liebe sie” – “Aber deine Mutter ist doch tot” – “Na, dann sag ich’s ihr selbst.”

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