Radpanzer - Steyr gibt tschechischen Großauftrag noch nicht verloren

Der in Wien-Simmering ansässige Panzer-Produzent Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge (SSF) will sich mit dem Verlust des Großauftrags der tschechischen Armee im Wert von 800 Mio. Euro nicht einfach so abfinden.

Morgen, Donnerstag, um 14 Uhr werde es dazu ein Gespräch im Verteidigungsministerium in Prag geben, erklärte ein Steyr-Sprecher auf APA-Anfrage. Ob es bei dem Gespräch auch Schützenhilfe von der österreichischen Regierung geben wird, wollte der Sprecher nicht kommentieren.

Die tschechische Verteidigungsministerin Vlasta Parkanova hatte gestern in einer Pressekonferenz die Kündigung der Radpanzer-Bestellung bei der österreichischen Firma bekanntgegeben. Steyr SSF habe die vereinbarten Liefertermine nicht eingehalten, darüber hinaus habe ein Teil der bereits gelieferten gepanzerten Truppentransporter die vorgesehenen Tests nicht bestanden, so die Begründung der Ministerin.

Die Entscheidung kommt nicht ganz überraschend – bereits Anfang August 2006 hatte die tschechische Armee urgiert, weil zwei Prototypen des Steyr-Radpanzers “Pandur II 8×8”, die bereits im Juni für Tests geliefert werden sollten, noch nicht in Tschechien eingetroffen waren. Für November war bereits die Lieferung der ersten 17 Radpanzer vorgesehen. Steyr versuchte im August zu beruhigen: Man müsse nur noch ein paar Tests abschließen, dies sei nur noch eine “Frage von Tagen”, hieß es.

Zwei Wochen später gab es dann neue Unstimmigkeiten. Der tschechische Kunde forderte modernere Funkgeräte für den Pandur, wollte den Mehrpreis von knapp 6,5 Mio. Euro nicht bezahlen. Die Geschütze, mit denen die Panzer bewaffnet werden sollten, entsprachen außerdem nach Ansicht des tschechischen Verteidigungsministeriums nicht der vertraglichen Vereinbarung. Darüber hinaus wurde vom Käufer beanstandet, dass Steyr nicht in der Lage sei, ein Navigationssystem zu liefern, das präziser funktioniert als ein ziviles System.

Anfang November deutete man in Prag schließlich an, dass man an einen Rückzug aus dem Geschäft denke. Der Steyr-Pressesprecher in Tschechien, Jan Piskacek, versicherte jedoch gegenüber tschechischen Medien, dass es sich bei den Beanstandungen um unwesentliche Mängel handle, die leicht zu beheben seien.

Steyr SSF hatte sich gegen seinen finnischen Erzrivalen Patria durchgesetzt und den Auftrag zur Lieferung von insgesamt 234 Radpanzern erkämpft, von denen 35 auf Abruf, also optional, geliefert werden sollten. Falls Steyr den Auftrag nun verliert, könnten die Finnen doch noch zum Zug kommen, nachdem sie zuletzt auch bei Großaufträgen in Slowenien und Kroatien die Österreicher aus dem Rennen geworfen hatten.

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