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Neues Leben für das Geisterhaus am Wiener Börseplatz

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Alte, mächtige, finstere, verlassene Gebäude üben trotz (oder gerade wegen) ihrer abweisenden Verschlossenheit eine gewisse Anziehung aus.
Scheinbar für die Ewigkeit verriegelte Eingänge, dazu hohe, verstaubte Fenster, die nichts vom Innenleben preisgeben, Verbotschilder, Ketten. Am Börseplatz in Wien steht so ein Geisterhaus. Die ehemalige Telegrafenzentralstation, vor einigen Jahren aufgelassen, trutzt einsam und verlassen am unteren Ende der Wipplingerstraße. Doch das könnte sich schon bald grundlegend ändern.

„Die Nutzung als Hotel bietet sich an“, formuliert Friedrich Dahm vom Bundesdenkmalamt (BDA) vorsichtig. „Es kann viel verändert werden, ohne die historische Bausubstanz anzugreifen.“ Ein Hotel also. Warum eigentlich nicht? Beste Lage. Enorme räumliche Ressourcen. Dahm verrät noch mehr: „Es gab bereits konkrete Verhandlungen zwischen dem jetzigen Eigentümer und großen, internationalen Hotelbetreibern.“ Wobei, sagt Dahm, in der Innenstadt 100 alte Gebäude stehen, die schon irgendwann einmal zum Hotel umgewidmet werden sollten.

„Aus unserer Sicht wäre es kein Problem“, meint der denkmalschützende Hofrat im APA-Gespräch. Die Hotelbetreiber hätten halt ein „sehr starres, wenig bewegliches Konzept“. Passt irgendeine Kleinigkeit nicht, ist das ganze Projekt schon nicht mehr interessant. Und so kleine Tücken hat die 1870 bis 1873 erbaute Telegrafenzentralstation schon. Zum Beispiel das oberste Geschoss. Dort, wo einst hunderte Vermittlungs-Damen unermüdlich „gestöpselt“ haben, gibt es einen riesigen Raum, der sich als Restaurant oder Ballsaal eignen würde. Wenn da nicht das Problem mit den inadäquaten Fluchtwegen wäre.

Bis vor zehn Jahren herrschte am Börseplatz 1 geschäftiges postalisches Treiben. Die guten Zeiten waren aber schon damals längst vorbei. Früher war die „TZSt“ der Knotenpunkt der Wiener Rohrpost. In Spitzenzeiten flitzten bis zu 20.000 Zylinder täglich in dem 80 Kilometer langen, pneumatischen Leitungssystem unter der Erde quer durch die Stadt. Später waren es dann die Eilboten-Fahrer mit ihren knatternden Motorrädern, die von der Telegrafenzentralstation ausschwärmten, um Millionen Telegramme auf ganz Wien zu verteilen.

Am 31. März 1996, um 24.00 Uhr, war dann Schluss, der historische Koloss mit der gigantischen Senderanlage aus den sechziger Jahren am Dach hatte endgültig ausgedient. Heute wirkt der ehemalige „Ameisenhaufen“ wie eine uneinnehmbare Festung, deren Mauern nur noch leere, staubige Hallen und schier endlos lange Gänge gegen Eindringlinge verteidigen. Schwer vorstellbar, dass in den düsteren Betonwürfel schon bald zahlungskräftige Touristen strömen. Schwer vorstellbar, aber nicht unmöglich.

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