Neues Guns N' Roses-Album

Das Platten-Comeback von Guns N' Roses, "Chinese Democracy" (Universal), erscheint am 23. November.

Zuletzt waren 1991 zeitgleich zwei Doppelalben, “Use Your Illusion I & II”, mit neuen Songs herausgekommen. Lange hat Sänger Axl Rose, der Letzte aus der Originalbesetzung, mit wechselnden Musikern an den Liedern gefeilt, in 14 Studios aufgenommen und kolportierte 13 Millionen Dollar (10,38 Mio. Euro) verbraucht. Angesichts dieses Aufwandes kann man von “Chinese Democracy” eigentlich nur enttäuscht sein: Es ist ein mitunter sehr starkes Rockepos, aber trotzdem kein Meisterwerk.

Manche Stücke erinnern an Guns N’ Roses Anfang der Neunziger. “There Was A Time” – mit einem ewig langen Solo vom mittlerweile wieder ausgestiegenen Gitarristen Buckethead – oder “Better” hätten durchaus auf die beiden “Illusion”-Scheiben gepasst, die übrigens soeben im Rahmen der “Back To Black”-Serie frisch auf 180-Gramm-Vinyl aufgelegt wurden. Mehr noch, diese Tracks sind sogar besser als so manches von 1991.

Der Titelsong als Opener und zugleich erste Auskopplung erweckt die Hoffnung, dass es Axl und seine vielen Handwerker zwischendurch ordentlich krachenlassen. Aber mit “Shackler’s Revenge” folgt bereits einer von mehreren belanglosen, verstaubt wirkenden Beiträgen. Ganz schlimm ist das getragene “Sorry”, eine stumpfsinnige Abrechnung mit der Ex-Geliebten.

“Chinese Democracy” hat jedoch auch Höhepunkte, selbst die radiotaugliche Breitwand-Ballade “Street Of Dreams” mag gefallen, zumal sie Assoziationen zu früheren Hits weckt. Die rotzige Phase von “Appetite For Destruction” wird im aktuellen Werk so gut wie gar nicht zitiert, Gassenheuler wie “Welcome To The Jungle” oder “Paradise City” sucht man vergebenes. Dafür findet man viel Größenwahn, opulent instrumentierte und mit Streichern zugekleisterte Bombast-Stücke, die gegen Ende der Scheibe Musicalflair verbreiten.

Sechs Produzenten haben mit Axl Rose an dem lange angekündigten und immer wieder verschobenen Album gefeilt. In den vergangenen acht Jahren müssen unzählige Versionen der Songs entstanden sein. Vielleicht klingt “Chinese Democracy” deshalb so uneinheitlich, eher wie eine Ansammlung von Liedern als nach einem geschlossenen Ganzen. Nostalgie trifft auf das Bemühen um Aktualität. Und nach mehrmaligem Anhören beginnen gerade jene Elemente, die man zunächst für Fremdkörper hält, zu gefallen – die Zugeständnisse an die Gegenwart durch Verwendung von modernen Mitteln wie des Studio-Computerprogramms Pro Tools.

Wo Guns N’ Roses früher mit zwei Gitarristen auskamen, Slash und Izzy Stradlin, baut diesmal eine Armada an Saiten-Virtuosen, manchmal bis zu fünf Mann, Riff-Wände auf. Das hört sich druckvoll an, die Handschrift der einzelnen Gitarristen bleibt dabei auf der Strecke. Die Stimme? Rose kann noch immer Nerven töten oder Herzen erfreuen – je nachdem, ob man auf sein Quietschen steht oder eben nicht. “Chinese Democracy” ist ein solides Rockalbum, dem allerdings zu viel Bedeutung zukommt, weil es sich eben um das Comeback der einst größten Band handelt – wenn auch nur mit einem Originalmitglied…

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