Neues Behandlungszentrum für Diabetes-Kranke in Wien-Favoriten geplant

Diabetiker werden künftig eine neue medizinische Anlaufstelle in Wien-Favoriten haben
Diabetiker werden künftig eine neue medizinische Anlaufstelle in Wien-Favoriten haben ©Pixabay (Sujet)
Neues Projekt des Gesundheitsverbundes und der Krankenkassen: In Wien-Favoriten soll ein neues Behandlungszentrum für Diabetes-Patienten entstehen.
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Mindestens rund 800.000 Menschen sind in Österreich Diabetiker. Hausärzte und Spitalsambulanzen bzw. Krankenhausabteilungen stemmen den größten Teil der medizinischen Versorgung. Niedergelassene Diabetologen mit Kassenvertrag gibt es kaum. Einen Weg zur Abhilfe auf dieser notwendigen zweiten Versorgungsebene könnte ein Projekt des Gesundheitsverbundes und der Krankenkassen mit einem neuen Behandlungszentrum in Wien-Favoriten zeigen.

Brennpunkt für Diabetes: Favoriten

"Man hat sich angesehen, wo es in Wien einen Brennpunkt für Diabetes gibt. Und dabei sind wir auf Favoriten mit einer hohen Amputationsrate (Fuß-, Unterschenkel; Anm.) als Diabetes-Komplikation gekommen", sagte Bernhard Ludvik, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung mit Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie an der Klinik Landstraße. Durch Atherosklerose bedingte Durchblutungsstörungen der Beine infolge jahre- bis jahrzehntelanger schlechter Blutzuckereinstellung gehören - wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- und Netzhautschäden - zu den gefürchteten Diabetes-Komplikationen.

Zuckerkranke brauchen ihr Leben lang medizinische Betreuung

Zuckerkranke benötigen mit ihrem chronischen Leiden eine lebenslange medizinische Betreuung. In Österreich erfolgt das zunächst beim Hausarzt. Das Problem dabei: In der Kassen-Allgemeinmedizin fehlen oft Zeit und Ressourcen, wie Ludvik gegenüber der APA betonte.

Die OECD hat in ihren "Health at a Glance"-Gesundheitsberichten immer wieder die hohe Hospitalisierungsrate und den hohen Anteil der Versorgung von Zuckerkranken in österreichischen Krankenhäusern dokumentiert. So kam die Organisation in ihrem Report für 2020 für Österreich auf eine Diabetes-Hospitalisierungshäufigkeit von 162 Fällen pro 100.000 Erwachsene (2019). Im Durchschnitt von 21 EU-Ländern betrug sie 131 je 100.000, in Italien war sie mit 43 je 100.000 Erwachsenen am geringsten, in der Slowakei mit 219 je 100.000 Einwohner am höchsten.

Medizinische Rundum-Versorgung von Diabetikern fehlte bisher

Was laut dem Wiener Experten fehlt, ist offenbar eine medizinische Rundum-Versorgung von Diabetikern, wenn die Betreuung beim Hausarzt nicht ausreicht - aber eine Aufnahme in eine spezialisierte Klinik bzw. eine Spitalsambulanz nicht notwendig ist. Das wäre die in Österreich weitgehend fehlende zweite Versorgungsebene (Primärversorgung: Allgemeinmediziner; tertiäre Ebene im Krankenhaus).

Hier setzt das neue Projekt in Wien an. "Mitte September könnte diese auf Diabetes spezialisierte Einrichtung in Wien-Favoriten in der Sahulkastraße eröffnen. Das Personal haben wir schon. Es handelt sich um eine Art Expositur unserer Abteilung der Klinik Landstraße, die wir 'bespielen'. Dort sollen vier ausgebildete Endokrinologen bzw. Endokrinologinnen mit Diabeteserfahrung arbeiten, sechs Diabetes-Berater bzw. -Beraterinnen, drei Diätologen bzw. Diätologinnen." Halbzeitstellen soll es für Psychologie und Sportwissenschaften geben. Es handelt sich um zusätzliches Personal, das in enger Koordination mit dem Krankenhaus arbeitet.

Netzwerkbildung mit den niedergelassenen Ärzten angestrebt

"Das Ziel ist eine Netzwerkbildung mit den niedergelassenen Ärzten. Wir wollen die Patienten aus den Spitalsambulanzen dorthin bringen", sagte Ludvik. Die Finanzierung sei für fünf Jahre unter Einbindung des Wiener Gesundheitsverbundes und der Krankenkassen gesichert.

Der Experte meint, dass für eine Großstadt wie Wien solche Einrichtungen diese zweite Ebene in einer möglichst optimalen Versorgung von Diabetikern bilden könnten. So könnten - neben der Einrichtung in Favoriten - in Zukunft eventuell auch die Ambulatorien der Krankenkassen auf diesem Gebiet aktiv werden. Auf dem Land sei die Sache anders. Da würde man wahrscheinlich mobile Teams benötigen, die beispielsweise einmal pro Woche beim jeweiligen Landarzt die Diabetiker noch zusätzlich betreuen.

(APA/Red)

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