Neuer Antisemitismus in Wien: Was steckt dahinter?

Auch die Volkshilfe Wien wurde Opfer einer Sprayattacke.
Auch die Volkshilfe Wien wurde Opfer einer Sprayattacke. ©CR VOLKSHILFE WIEN
Der Antisemitismus ist im letzten Jahr wieder erstarkt: Besonders bei Anti-Corona-Demos und Nah-Ost-Demos wurden mehrere Vorfälle gezählt. Insgesamt lässt sich jedoch nicht nur ein Anstieg des Antisemitismus wahrnehmen, die Gesellschaft scheint insgesamt rauer geworden zu sein.


Die Zahl der gemeldeten antisemitischen Übergriffe hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, sagt Benjamin Nägele von der Israelitischen Religionsgemeinschaft. Demnach wurden von Jänner bis Juni 562 Vorfälle jeglicher Art registriert, im Vergleichszeitraum 2020 waren es 257.

244 Taten von Rechtsextremen

Besonders im Rahmen der Anti-Corona-Demos gab es einige Fälle der Shoah-Verharmlosung. Mehr als die Hälfte der gemeldeten antisemitischen Vorfälle, konkret 331, bezogen sich auf "verletzendes Verhalten", also etwa Beleidigungen. 154 Mal wurden sogenannte Massenzuschriften registriert, worunter etwa Postings im Internet mit antisemitischen Inhalten zu rechnen sind. Von der Meldestelle aufgenommen wurden auch 58 Fälle von Sachbeschädigung, wie etwa antisemitische Schmierereien und Graffitis. Dazu kommen elf Bedrohungen und acht tatsächliche physische Angriffe.

Die größte Anzahl der Vorfälle (244) kam im ersten Halbjahr von politisch rechts motivierten Tätern, dem gegenüber stehen 71 Vorfälle, die von muslimischer Seite ausgingen. Dennoch zeigt sich, dass von der zweiten Gruppe die intensiveren Übergriffe ausgingen. Bei 100 Fällen wird davon ausgegangen, dass diese politisch links motiviert waren. 147 Übergriffe waren nicht eindeutig zuordenbar.

Schuldige für eigene schlechte Lage suchen

Für Leo Kuhn, Sohn eines Holocaust-Überlebenden aus Wien, stellt sich die Frage nicht nach dem immer stärker werdenden Antisemitismus, sondern generell nach der immer stärker werdenden Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft. Besonders Menschen in prekären Lebenssituationen sind laut Kuhn besonders für Antisemitismus empfänglich, um einen Schuldigen für ihre Lage anzuklagen.

(APA/Red)

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