Neue Saison: brut Wien eröffnet Spielstätte in Wien-Neubau

An mehreren Spielstätten zeigt das brut Wien wieder ein tolles Programm.
An mehreren Spielstätten zeigt das brut Wien wieder ein tolles Programm. ©Florian Rainer
Das brut Wien geht aufgrund der noch laufenden Künstlerhaus-Sanierung auch in der kommenden Saison auf Wanderschaft in Wien. In der Zieglergasse wird aber eine kleine Spielstätte, das "studio brut", eröffnet.

Auch in seinem zweiten Jahr auf Wanderschaft will das brut Wien ein “Ort der Vielfalt bleiben und gesellschaftspolitische Signale senden”, wie die frisch verlängerte brut-Leiterin Kira Kirsch am Donnerstag im Rahmen der Spielzeitpressekonferenz sagte. Nach einer “komplett nomadischen Saison” öffnet man heuer in Wien-Neubau eine kleine Spielstätte, das Künstlerhaus soll im Herbst 2019 fertig sein.

brut Wien: Mit “Spiel- und Standbein” in die nächste Saison

Mit dem “studio brut” in der Zieglergasse 25 habe man neben dem “Spielbein nun auch ein Standbein”, so Kirsch. Der bisherige Proberaum wurde vom Hauseigentümer saniert und vom brut adaptiert, sodass im Keller im Innenhof ein Bühnenraum mit Platz für bis zu 99 Zuschauer entstanden ist. Bereits die Saisoneröffnung am 11. Oktober wird im “studio” stattfinden, wenn Gin Müller sein “the que_ing drama project” unter dem Titel “Ghost Times” auf eine “Queer Journey Trough Theatre” schickt: In der Uraufführung moderieren “erzählende Geisterfiguren eine episodenhafte Zeitreise in die Untiefen der Theatergeschichte”, wie Gin Müller ausführte. Beginnend in der Antike hangelt man sich bis in die Gegenwart und eignet sich “ikonische Momente des klassischen Theaterkanons durch queere und dekoloniale Sicht an”.

Wiener Theater bleibt weiterhin “nomadisch” unterwegs

Ein “immersives Theaterabenteuer” verspricht man mit der neuen Produktion des Performancekollektivs Nesterval in der Buschenschank Stift St. Peter: Gezeigt wird von 25. Oktober bis 27. November die Uraufführung von “Das Dorf”, in der das Publikum in 20 Vorstellungen in eine “dramatische Hochzeitsgeschichte” verstrickt werden soll. Basis ist feministische Literatur des 19. Jahrhunderts, die mit österreichischen Heimatfilmen und “trostlosem Bergbauern-Realismus” remixt werden soll. “Welcome to the Fisch-Haus” nennt die französische Choreografin Claire Lefevre ihr neues Stück im “studio brut”, in dem sie in Form einer “schillernden Show” Doppeldeutigkeiten erforscht: “Am Grund des Meeres changieren ihre Meerjungfrauen als Symbole ambivalenter Körperlichkeit in der ganzen Vielfalt der Geschlechter und Kreatürlichkeiten”, heißt es dazu in der Ankündigung. Die Uraufführung findet am 8. November statt.

In der Nordbahnhalle in Wien-Leopoldstadt schlägt Fanni Futterknecht am 21., 23. und 24. November ihre Zelte auf und realisiert unter dem Titel “We will not let you go” “tableauartige Situationen und performative Bildmomente”. Im Zentrum stehen dabei “abstrahierte mediale Bilder von ideologischen Momenten wie etwa Demonstrationen und Manifestationen”. Zwei Projekte sind in Kooperation mit Wien Modern entstanden: Die Regisseurin Julie Pfleiderer entwirft gemeinsam mit der Komponistin Oxana Omelchuk, dem Autor Pieter Delfosse, der Performerin Caroline Daish und dem Ictus Ensemble “ein Bild zeitgenössischer Überempfindlichkeit”. Als Basis dient ihr dabei Todd Haynes’ Film “Safe”. Die “immersive Reise” findet von 27. bis 29. November im “studio brut” statt”. Das zweite Projekt im Rahmen von Wien Modern wird im Volkskundemuseum realisiert und ist als “poetisch-musikalische Schreibwerkstatt” mit dem Titel “Noa + Snow” angekündigt.

brut macht auch im Wiener Odeon Halt

Der Wiener Choreograf Simon Mayer macht mit seinem neuen Stück “Requiem” am 5., 7. und 8. Dezember im Wiener Odeon halt, eine experimentelle Konferenz mit dem Titel “Applied Microperformativity: Live Arts for a Radical Socio-Economic Turn” kuratieren Klaus Spiess und Lucie Strecker vom 12. bis 19. Dezember im AIL – Angewandte Innovation Lab. Im “studio brut” gastieren unterdessen die Rabtaldirndln (12. bis 18. Dezember) mit der Uraufführung von “Böse Frauen”, in der sie sich mit “unbequemen Wahrheiten des Pflegealltags” auseinandersetzen.

Sehr zufrieden über die vergangene Spielzeit, in der man sich auf das “Kerngeschäft” konzentriert und von Partys und Konzerten abgesehen hat, zeigte sich der kaufmännische Leiter Richard Schweitzer. 2017/18 wurden 56 Projekte und 147 Veranstaltungen an 27 Spielorten in 15 Wiener Bezirken realisiert. Angezogen wurden dabei 10.000 Besucher, die Auslastung betrug 90 Prozent. Besonders glücklich sei man über eine langfristige Förderzusage der Stadt Wien, die eine gleichbleibende Subvention für die kommenden vier Jahre vorsieht.

(APA/Red)

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