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Neue Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen

2021 wurden bereits vier Frauen ermordet.
2021 wurden bereits vier Frauen ermordet. ©APA/HANS KLAUS TECHT (Sujet)
Die AÖF hat eine neue Kampagne gegen Gewalt an Frauen ins Leben gerufen. Sie steht unter dem Motto "Schluss mit den Ausreden".
52-Jähriger erstach Ehefrau

Das Ausmaß der Gewalt an Frauen und Mädchen in Österreich ist alarmierend hoch. Erst am Mittwoch wurde eine 45-Jährige von ihrem Ehemann in Wien-Favoriten getötet. Das ist die vierte Bluttat im noch jungen Jahr 2021. Laut den Autonomen Österreichischen Frauenhäusern (AÖF) wendet jeder fünfte Mann Gewalt gegen eine Frau an, täglich gibt es rund 20 Wegweisungen in Österreich. Aus diesem Grund haben die AÖF eine neue Kampagne ins Leben gerufen: "Schluss mit den Ausreden".

Neuer Spot online gegangen

Der Spot, der im Auftrag des Vereins AÖF produziert und vom Hekate Film Collective umgesetzt wurde, wird zunächst über die Upload-Plattform YouTube verbreitet. AÖF-Geschäftsführerin Maria Rösslhumer wäre es aber ein Anliegen, dass der Film auch kostenfrei auf TV-Stationen laufen würde. In mehr als einer Minute werden die Männer in den Mittelpunkt gestellt, indem die Protagonisten Gewalt an Frauen deutlich als Männerproblem bezeichnen und sich für eine gewaltfreie Männlichkeit stark machen.

Vier Frauen heuer bereits getötet

Vier Frauen sind in diesem Jahr bereits durch Fremdeinwirkung gestorben. Drei von ihnen überlebten den brutalen Übergriff ihrer Ehemänner nicht. Gewalt an Frauen beginne nicht erst bei körperlichen Übergriffen, machte die AÖF am Donnerstag bei einer Online-Pressekonferenz aufmerksam. Sie beginnt mit Einschüchterungen, Bloßstellungen, Manipulation und Verboten. "Die Morde sind nur die Spitze des Eisberges. Dahinter stecken jahrelange Leidens- und Gewaltgeschichten, das macht uns sehr, sehr große Sorgen", sagte Rösslhumer. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Problem noch verstärkt. Männer mit tiefsitzenden patriarchalen Denkmustern und somit frauenverachtenden Einstellungen neigen dazu, Gewalt an Frauen und Kindern anzuwenden - unabhängig von Nationalität, Herkunft oder Hautfarbe, so die AÖF-Geschäftsführerin.

"Solange es kein Umdenken oder ein verändertes Bewusstsein bei Männern gibt, solange es auch keine klare Konsequenzen gegen Gewalttaten gibt, wird sich nichts am Ausmaß ändern", sagte Rösslhumer. "Solang sich Männer nicht an diesem Problem beteiligen, wird sich auch an der Gleichstellung zwischen Männern und Frauen nichts ändern." Die Verantwortung liege aber auch bei den Behörden und den Regierenden. Wenn diese die Gewalt verharmlosen, Opfern die Verantwortung zuschieben und sie nicht ernst nehmen, verstärken und zementieren sie diese patriarchalen Strukturen.

Seit 2014 besteht Auftrag zum Theam Opferschutz

Österreich habe seit 2014 einen Auftrag zum Thema Opferschutz. Da wurde die Istanbul-Konvention ratifiziert. Österreich habe sich damit verpflichtet, Gewalt an Frauen auf allen Ebenen zu reduzieren. Umsetzung von Bewusstseinskampagnen sei dabei ein Teil der staatlichen Verpflichtungen, so Rösslhumer. "Dafür werden leider kaum finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt." Die dazu erforderlichen, geforderten 210 Millionen Euro pro Jahr, "wären hier gut investiert". Die vom AÖF jährlich veröffentlichten Bewusstseinskampagnen werden allerdings meist durch private Sponsoren gestemmt.

Verhalten der Männer als Wurzel des Problems

Romeo Bissuti vom MännerGesundheitsZentrum MEN zeigte sich erfreut, dass in dem Spot der Fokus auf die Wurzel des Problems gelegt wird, nämlich das Verhalten der Männer. "Es sind die Männer, die in 95 bis 98 Prozent der Fälle als Gefährder auftreten." In der Medienberichterstattung würde oft über eine psychische Erkrankung der Täter geschrieben, aber es seien "leider tatsächlich ganz normale Männer". Sie hätten in ihren toxischen Männlichkeitsleitbildern gelernt, dass Frauen nicht ernst genommen werden. Das Selbstbestimmungsrecht der Frauen werde dabei beschnitten. Ihnen werde eine Legitimation zur Gewaltanwendung beigebracht. "Als richtiger Kerl punktet man, wenn man sich gewaltbereit zeigt", sagte Bissuti.

Diese Männer haben laut AÖF nicht gelernt, Konflikte, Probleme oder Streit gewaltfrei zu lösen. Sie haben nicht gelernt, mit ihren Gefühlen gut umzugehen bzw. diese zu zeigen. Bedürfnisse, Wünsche und Probleme werden mit sich selbst ausgemacht, alle persönlichen Verletzungen und Kränkungen hinuntergeschluckt, sie können und wollen keine Fehler zugeben. Darüber hinaus haben diese Männer meist kein Schuldbewusstsein bzw. keine Schuldeinsicht sowie starkes Besitzdenken und Eifersuchtsempfinden. Für gewalttätige Männer spielen Macht und Kontrolle eine zentrale Rolle, erläuterten die AÖF. Wenn sich Frauen von ihren gewalttätigen Partnern trennen oder scheiden lassen wollen, wenn sie Anzeige erstatten, oder die Polizei rufen, dann komme es zu den gefährlichsten Situationen. "Männer morden nicht, weil sie eifersüchtig sind, sondern weil sie mit Eifersucht nicht umgehen können", betonte die Soziologin Laura Wiesböck.

"Notwendig ist ein verändertes Männerbild, das in erster Linie geprägt ist von der Sorge um sich, um andere und um die Umwelt", sagte Erich Lehner vom Dachverband der Männerarbeit in Österreich (DMÖ). "Sorgende Männlichkeiten können allerdings Gewalt vermindern."

(APA/Red)

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