Nationalratswahl 2019: Die wichtigsten Wahlmotive

Die wichtigsten Wahlmotive der Nationalratswahl 2019.
Die wichtigsten Wahlmotive der Nationalratswahl 2019. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Spitzenkandidaten, Inhalte und Skandale: Das waren die wichtigsten Wahlmotive bei der Nationalratswahl 2019.

Sebastian Kurz war wie schon bei der Nationalratswahl 2017 erneut das wichtigste Wahlmotiv für ÖVP-Wähler. Pamela Rendi-Wagner spielte - im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Christian Kern - bei der Wahlentscheidung der SPÖ-Wähler hingegen nur eine sehr geringe Rolle. Das geht aus einer Wahltagsbefragung des Meinungsforschers Peter Hajek für ATV hervor. Die Ibiza-Affäre hatte laut Umfrage kaum Einfluss auf das Wahlergebnis.

Hajek hat zwischen 24. und 28. September 1.200 Personen telefonisch und online zu ihren Wahlmotiven befragt, die Schwankungsbreite beträgt maximal 2,8 Prozent. Sebastian Kurz war demnach für 31 Prozent der ÖVP-Wähler ein wichtiger Grund für ihre Wahlentscheidung. Bei der Nationalratswahl 2017 hatte noch jeder zweite ÖVP-Wähler (54 Prozent) Kurz als Hauptmotiv genannt. Im Gegensatz zu 2017 stand dieses Mal nicht die "Zeit für Veränderung" im Vordergrund, sondern Stabilität. Hinter dem Wahlprogramm (22 Prozent) war die "Performance der letzten Regierung" das drittwichtigste Wahlmotiv bei der ÖVP (19).

Stammwähler setzten auf SPÖ

Das stärkste Motiv für SPÖ-Wähler war laut der Umfrage hingegen "Stammwähler" (25 Prozent). "Die Höchststrafe in einem Wahlkampf. Die SPÖ hatte keine Geschichte zu erzählen", betont Hajek. Knapp dahinter landeten soziale Themen (24). Rendi-Wagner spielte für die Wahlentscheidung eine geringe Rolle. Während Christian Kern 2017 immerhin das zweitwichtigste Motiv für SPÖ-Wähler war, schaffte sie es nicht unter die Top 5-Wahlmotive.

FPÖ als "beste Partei für Österreich"

Bei der FPÖ nahm Norbert Hofer eine ähnliche Rolle ein wie Heinz-Christian Strache 2017. Er landete auf dem vierten Platz und war immerhin für 13 Prozent ein wichtiger Grund, FPÖ zu wählen. Hauptmotiv für FPÖ-Wähler war, dass die Freiheitlichen die "beste Partei für Österreich" seien (27). Während 2017 noch die Asylpolitik an der ersten Stelle lag (26), war diesmal das ähnlich gelagerte Thema Migrationspolitik für 14 Prozent ausschlaggebend.

Grüne wurden wegen Klimaschutz-Schwerpunkt gewählt

Das Kernthema der Grünen, der Umwelt- und Klimaschutz, war auch für ihre Wähler das zentrale Thema. 62 Prozent wählten die Partei aufgrund ihrer umweltpolitischen Positionen. Dahinter folgen das Wahlprogramm (21) und soziale Themen (6). Werner Kogler spielte eine untergeordnete Rolle. Die NEOS punkteten wie schon 2017 mit ihrem Wahlprogramm (34 Prozent). Beate Meinl-Reisinger war das zweitwichtigste Wahlmotiv (11) und damit ähnlich bedeutend wie ihr Vorgänger Matthias Strolz (9).

Ibiza-Affäre beeinflusste Wähler kaum

Die Ibiza-Affäre beeinflusste die Wähler laut der Umfrage kaum. 70 Prozent gaben an, die Affäre habe ihre Wahlentscheidung "gar nicht beeinflusst". Lediglich bei acht Prozent war sie zentral für die Wahlentscheidung.

Inhaltliche Standpunkte für Wahlentscheidung ausschlaggebend

Die inhaltlichen Standpunkte waren bei den Wählern aller Parteien der Hauptgrund für die Wahlentscheidung, lediglich bei den NEOS waren Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger und ihre Auftritte im Fernsehen wichtiger. Das ergab eine Wahltagsbefragung des SORA-Instituts für den ORF. Nur die FPÖ- und ÖVP-Wähler waren laut der Umfrage mit der türkis-schwarzen Regierung mehrheitlich zufrieden.

Das SORA-Institut hat von 25. bis 29. September rund 1.200 Personen telefonisch befragt. Hinter den inhaltlichen Standpunkten zeigt sich in der SORA-Umfrage ein ähnliches Bild wie bei der Wahltagsbefragung von Peter Hajek für ATV. Bei der ÖVP war demnach Sebastian Kurz für 18 Prozent der Wähler der Hauptgrund für die Wahlentscheidung und damit das zweitwichtigste Motiv. Dahinter folgt die bisherige Arbeit der Partei (13).

Bei der SPÖ war "Stammwähler" (14) an der zweiten Stelle vor Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner (9). Bei der FPÖ wollten die Wähler abseits der Inhalte vor allem die "ÖVP-FPÖ-Koalition wieder ermöglichen" (14) und waren der Meinung, der FPÖ "wurde Unrecht getan" (12). Bei den Grünen war der Wiedereinzug in den Nationalrat das zweitwichtigste Wahlmotiv (16) vor der Glaubwürdigkeit der Partei (12).

FPÖ-Wähler waren mit Regierung zufrieden

Mit der Arbeit der türkis-blauen Regierung waren insbesondere die FPÖ-Wähler zufrieden. Von ihnen gaben 92 Prozent an, zumindest "ziemlich zufrieden" zu sein. Bei der ÖVP waren immerhin 89 Prozent damit zufrieden. Die Wähler der Oppositionsparteien waren wenig überraschend nicht glücklich mit der Arbeit der Regierung. Besonders unzufrieden zeigten sich die Grün-Wähler (97 Prozent), aber auch bei SPÖ (93) und NEOS (63) war man wenig zufrieden.

Wenig überraschend waren laut SORA auch die Themen, die die Wähler im Wahlkampf am meisten diskutiert haben: Klima- und Umweltschutz war demnach bei den Grün-Wählern (81 Prozent) das Top-Thema. Aber auch bei den NEOS stand es gleichauf mit der Bildung (44) an der Spitze. Die FPÖ-Wähler diskutieren überwiegend über Zuwanderung (69) und Sicherheit (54), bei der SPÖ standen Käuflichkeit der Politik (43) und ebenfalls Umwelt- und Klimaschutz (42) im Vordergrund. Bei der ÖVP sprach man hingegen vor allem über Pflege und Gesundheit (28) sowie Wirtschaft (26).

(APA/Red)

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