AA

Nächster Erfolg bei Corona-Impfstoff: Vakzin von AstraZeneca zu 90 Prozent wirksam

Laut bisherigen Studien erreicht der Corona-Impfstoff von AstraZeneca eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent.
Laut bisherigen Studien erreicht der Corona-Impfstoff von AstraZeneca eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent. ©APA/AFP/JUSTIN TALLIS
Auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus hat mit AstraZeneca ein weiteres Pharmaunternehmen einen Studienerfolg gemeldet.
Corona-Impfstoff: Diese Fragen sind offen
94,5 Prozent Wirksamkeit bei Moderna-Impfstoff
Biontech veröffentlicht positive Daten

Nach den Partnern BioNTech und Pfizer sowie dem US-Konzern Moderna legte auch der britische Pharmariese zusammen mit der Universität Oxford positive Daten vor: Das Vakzin könne eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent gegen Covid-19 erreichen, es seien keine ernsten Nebenwirkungen aufgetreten, teilte AstraZeneca am Montag mit.

Impfstoff von AstraZeneca kann im Kühlschrank gelagert werden

"Wir haben einen Impfstoff für die Welt", sagte der Leiter der Impfstoffgruppe der Uni Oxford, Andrew Pollard. Er verhindere nicht nur schwere Verläufe und Krankenhausaufenthalte, sondern könne auch zu Kühlschranktemperaturen gelagert werden. Das Vakzin könne daher rund um die Welt über die üblichen Vertriebswege für Impfstoffe ausgeliefert werden.

Der Impfstoff von Biontech benötigt dagegen eine ultrakalte Lagerung von minus 70 Grad und ist bei normalen Kühlschranktemperaturen fünf Tage lang haltbar. Moderna erwartet, dass sein Impfstoff bei Kühlschranktemperaturen 30 Tage lang stabil ist und bis zu sechs Monate bei minus 20 Grad Celsius gelagert werden kann.

Biontech und Pfizer beantragten Notfallgenehmigung in USA

Die Mainzer Biotechfirma Biontech und ihr US-Partner Pfizer sowie Moderna hatten in den zulassungsrelevanten Studien mit ihren Impfstoffen eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent nach zwei Impfdosen erzielt. Am Freitag hatten Biontech und Pfizer in den USA eine Notfallgenehmigung beantragt und erwarten diese bis Mitte Dezember. AstraZeneca will noch in dieser Woche Gespräche mit der US-Gesundheitsbehörde FDA beginnen und Daten weltweit bei den Behörden einreichen, bei denen Schnellverfahren möglich sind.

Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs von Dosierung abhängig

Die Wirksamkeit des Impfstoffs von AstraZeneca hängt von der Dosierung ab. So wurde eine Wirksamkeit von 90 Prozent erzielt, wenn das Vakzin zunächst mit einer halben Dosis verabreicht wurde, gefolgt von einer vollen Dosis im Abstand von mindestens einem Monat. Wenn zwei volle Dosen im Abstand von mindestens einem Monat geimpft wurden, wurde laut der Zwischenanalyse nur eine Wirksamkeit von 62 Prozent erreicht. Wissenschafter warnten jedoch, das als Beweis zu werten, dass der Impfstoff weniger bringe als die der Konkurrenz.

Es mache wenig Sinn, die Vakzine auf Grundlage von Ausschnitten aus den Phase-3-Daten voneinander abzugrenzen, sagte Danny Altman, Professor für Immunologie vom Imperial College London. "Ich glaube, dass wir in einem Jahr alle drei Impfstoffe mit einem Schutz von etwa 90 Prozent verwenden werden und viel glücklicher sein werden."

"Die Daten zeigen, dass der Impfstoff bei der Prävention der Covid-19-Infektion, dem primären Endpunkt, hochwirksam war, wobei bei den Teilnehmern, die den Impfstoff erhielten, keine Krankenhausaufenthalte oder schwere Fälle der Krankheit gemeldet wurden", sagte Botond Ponner, Medical Director AstraZeneca Österreich. Darüber hinaus hätten die Zwischenergebnisse eine besonders gute Verträglichkeit bei älteren Erwachsenen ergeben.

200 Millionen Dosen bis Ende des Jahres geplant

Bis Ende des Jahres will AstraZeneca 200 Millionen Dosen fertiggestellt haben, bis Ende des ersten Quartals 2021 weltweit 700 Millionen Dosen. Biontech und Pfizer erwarten, 2020 weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoffdosen herzustellen und 2021 bis zu 1,3 Milliarden. Zahlreiche Regierungen haben sich Millionen Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca bereits im Voraus gesichert, auch die Europäische Kommission hat einen Kaufvertrag über bis zu 400 Millionen Dosen unterschrieben. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sprach von "fantastischen Nachrichten". "Wir haben 100 Millionen Dosen bestellt, und wenn alles gut geht, wird der Großteil der Auslieferung im neuen Jahr sein", sagte er dem Sender Sky News. Das Vereinigte Königreich ist in Europa mit am stärksten von der Pandemie betroffen, dort haben sich bisher mehr als 1,5 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Die britische Regierung hofft auf eine allmähliche Rückkehr zur Normalität nach Ostern.

Die bisher im Rennen führenden Impfstoffe unterscheiden sich vor allem durch ihre Herstellungsweise. Während die Vakzine von Biontech und Moderna auf einer völlig neuen Technologie basieren, beruht das von AstraZeneca auf einer herkömmlichen Herstellungsweise. Der Impfstoff, der mit der Universität Oxford entwickelt wird, ist ein sogenannter Vektorimpfstoff, der auf Adenoviren von Affen basiert. Er soll Erbmaterial des Virus in menschliche Zellen einschleusen, das Immunsystem darauf mit der Bildung von Antikörpern reagieren.

Die Impfstoffe von Biontech und Moderna basieren dagegen auf der sogenannten Boten-RNA (mRNA), die den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln soll. Ein solcher Impfstoff soll schneller in großem Maßstab hergestellt werden können als herkömmliche. Er benötigt aber eben auch eine höhere Kühlung, was die Logistik erschwert. Auch fehlen Langzeiterfahrungen, da es bislang noch kein mRNA-Medikament oder -Impfstoff auf den Markt geschafft hat.

Forscher schätzt RNA-Impfstoff-Dosis auf 100 bis 150 Dollar

Der austro-amerikanische Virenforscher Peter Palese ist begeistert vom Fortschritt bei den Covid-19-Impfstoffen. Gerade die Kandidaten von Biontech und von Moderna seien "wunderbar". Er schätzt allerdings, dass eine Dosis 100 bis 150 Dollar kosten werde. Die EU-Kommission hatte sich dazu bisher bedeckt gehalten. Angst, dass ein RNA-Impfstoff das Erbgut verändert, brauche man nicht haben: Messenger-RNA könne nicht in Chromosomen eingebaut werden. "Es gibt diese Enzyme nicht."

Der aus Linz stammende Palese ist Direktor des Departments für Microbiology an der Mount Sinai School of Medicine in New York und auf Influenzaviren spezialisiert. Beim JKU-Corona-Update am Montag schilderte er im Gespräch mit dem Rektor der Linzer Uni Meinhard Lukas seine Erfahrungen mit Covid-19: Ende März seien am Mount Sinai 2.200 Betten mit Corona-Fällen belegt gewesen "und davon sind 80 pro Tag gestorben, so etwas haben wir noch nie gesehen". Umso wichtiger sei es, bald einen Impfstoff zu haben, das wäre "ein ganz großer Durchbruch".

Schnelle Entwicklung wegen großer Geldspritzen möglich

Die Corona-Impfstoffe seien so schnell entwickelt worden, weil sehr viel Geld geflossen sei, so Palese. "Es gibt keinen anderen Impfstoff, wo so viel Geld da war." Er vergleicht die Entwicklung mit dem "Manhattan-Projekt" (Tarnbezeichnung für die Entwicklung der amerikanischen Atombombe in den 1940er-Jahren, Anm.): "Wir haben in Amerika mehr als 100.000 Leute, die an Covid-19 arbeiten", auch die Technologie sei neu und es gebe wohl nur wenige, "die infrage stellen, dass wir uns beeilen sollen".

Prinzipiell könne man Impfstoffe auf drei Arten herstellen, erklärte Palese: Man könne ein Virus schwächer machen, wie etwa bei der Pockenimpfung, oder ein inaktives Virus nehmen. Beides sei aber mit einem hohen Infektionsrisiko bei der Produktion verbunden. Der dritte und neue Ansatz seien RNA-Vakzine. Dabei wird nur ein Teil des Virus, nämlich die Messenger-RNA, verwendet. Das Protein dazu werde nicht im Labor hergestellt, "sondern im eigenen Körper".

Die beiden RNA-Impfstoffe sollen eine Wirksamkeit von 95 Prozent haben, der Rest der Menschen bekomme "eine ganz milde Form von Covid-19", er habe die Daten selbst gesehen, so Palese. Dass jeder, der einen Impfstoff erhalte, Antikörper produziert, "das gibt es auch fast nirgends". Unter den bisherigen Top-ten-Kandidaten sei kein einziger, vor dem man Angst haben müsse, ist er überzeugt. "Auch wenn der Impfstoff nicht 100-prozentig ist, ein 75-Jähriger aber nur die Symptome eines 25-Jährigen bekommt, ist schon viel gewonnen."

(APA/Red)

  • VIENNA.AT
  • Österreich
  • Nächster Erfolg bei Corona-Impfstoff: Vakzin von AstraZeneca zu 90 Prozent wirksam
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen