Nach Räumung: Stadt Wien führt Gespräche mit Hausbesetzern

Die Stadt führt nun Gespräche mit jenen Aktivisten, die bis heute früh ein Haus in Favoriten besetzt hatten. Ein selbstverwaltetes Sozial- und Kulturzentrum sollte dort entstehen. Kommt Wien der "Gruppe Hausprojekt" entgegen?
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Nach der heutigen polizeilichen Räumung eines Anfang des Monats in Favoriten besetzten Hauses auf Betreiben des Eigentümers, der Stadt Wien, hat es am Montagvormittag bereits ein Gespräch zwischen Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (S) und Vertretern der Aktivisten gegeben. In diesem rund einstündigen Treffen stellten die Aktivisten noch einmal ihr Konzept für ein selbstverwaltetes soziales und kulturelles Zentrum vor. Die Stadt habe sich grundsätzlich offen gegenüber einem solchen Projekt gezeigt, eine Realisierung im Favoritner Bau sei jedoch keinesfalls möglich, sagte ein Ludwig-Sprecher der APA.

Wie und ob das Projekt realisiert werden kann, stehe noch nicht fest. Das von den Besetzern angestrebte Zentrum inklusive offener Werkstätten, Ateliers, Kindergarten, Bibliothek und einem “Kostnixladen” sei jedenfalls nicht an einen fixen Standort, also an das Haus in der Triesterstraße, gebunden. Diese im Besitz der Stadt befindliche Liegenschaft, die derzeit noch leer steht, sei bereits einer künftigen Nutzung zugeführt. Sie soll in eine Magistratsdienststelle umgebaut werden.

Über mögliche alternative Bauten sei aber noch nicht gesprochen worden. Die Besetzer hätten in diesem Punkt keine Vorschläge eingebracht. Die Stadt wird laut Sprecher auch künftig für Gespräche bereit sein. “Verhandlungen” werde es aber nicht geben, betonte er. Vertreter der “Gruppe Hausprojekt” hatten zuvor versucht, als Protest gegen die erfolgte Räumung das Büro des Stadtrats zu besetzen, teilte der Sprecher mit.

Die ÖVP, die sich bereits vor Tagen für eine Räumung ausgesprochen hatte, reagierte erfreut auf den Einsatz der Exekutive: Die Stadtregierung habe damit dem Rechtsstaat zum Sieg verholfen, so ÖVP-Mandatar Alfred Hoch in einer Aussendung. Die Stadt sei nun aufgefordert, jenen “Mitläufern”, die ohne Hab und Gut dastehen, rasch die Möglichkeit zu geben, in ein ordentliches Leben zurückkehren zu können.

Die Wiener Grünen kritisierten den Polizeieinsatz und appellierten an die SPÖ, mit den ehemaligen Besetzern “ernste Gespräche” zu führen. Ein selbstverwaltetes, alternatives Kultur- und Wohnprojekt sei eine Bereicherung für die Stadt. In der Bundeshauptstadt seien mehr als 8.000 Wohnungen unbenützt und dienten nur der Spekulation, kritisierte der nicht amtsführende Stadtrat David Ellensohn.triester straße 114, 1100, austria

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