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Mutter und Töchter in Wien-Floridsdorf verhungert: Experten äußern sich zu rätselhafen Umständen

Experten vermuten, dass die Frauen eine verzerrte Wahrnehmung hatten.
Experten vermuten, dass die Frauen eine verzerrte Wahrnehmung hatten. ©APA/Hans Klaus Techt
Zu dem Fall rund um eine Mutter und ihre beiden Töchter, die in einer Wohnung in Wien-Floridsdorf tot aufgefunden wurden, äußern sich nun auch Experten. Diese vermuten, dass die Freuen eine verzerrte Wahrnehmung hatte.

Im Fall des rätselhaften Hungertodes einer Mutter und ihrer beiden Zwillingstöchter in einer Wohnung in Wien-Floridsdorf vermutet der Psychologe Cornel Binder-Krieglstein eine verzerrte Wahrnehmung der 45-jährigen Frau durch eine psychiatrische Erkrankung. Eine Schizophrenie etwa würde erklären, dass die Mutter den Hungertod in Kauf genommen hat, etwa wenn ihr Stimmen dies befohlen hätten.

Es bestünde laut Binder-Krieglstein die Möglichkeit, dass ihr Stimmen gesagt hätten, sie müsste fasten oder etwa nur etwas Bestimmtes essen, um jemandem zu helfen oder Schlimmes abzuwenden. “Dann tut sie das und aus ihrer Sicht macht sie etwas Gutes, etwas Wichtiges”, sagte der Experte.

Frau lebte mit Töchtern in Wien stark zurückgezogen

Diese Störungsbild hätte die Frau vermutlich auf ihre Kinder übertragen. “Es ist auch nachvollziehbar, dass sie für ihre Kinder auch so fühlt und interpretiert hinein, auch sie vor Schlechtem zu schützen.” Aufgrund einer Entwicklungsstörung der Kinder und der “sehr starken Observanz, der Einengung und der Bindung” zwischen Mutter und Töchtern könnte dies noch verstärkt worden sein.

Das passiert allerdings nicht von heute auf morgen. “Das ist ein langer Prozess”, wo auch das Umfeld eine Rolle spielt, erklärte Binder-Krieglstein. Die Frau lebte mit ihren Kindern zurückgezogen, hatte scheinbar wenig Kontakt zu anderen und hat die Mädchen nach der Schulpflicht aus der Schule genommen. Sie habe sich damit eine Struktur – eine eigene Welt – geschaffen, um die Situation weiterhin so beizubehalten. Die drei gingen laut Nachbarn offenbar meist nur zu dritt außer Haus.

In der Wohnung der Wienerin gab es laut Ermittlern keine Lebensmittel

“Sie machte aus ihrer Sicht etwas Überlebenswichtiges, etwas Gutes”, so Binder-Krieglstein. Diese Abschottung hätte die Frau vermutlich perfektioniert, denn wenn die Kinder älter werden, wäre die Gefahr, von Fremden angesprochen zu werden oder mit anderen Menschen Kontakt zu haben, größer. Es würde in so einem Fall auch zur vermuteten Persönlichkeitsstruktur der Frau passen, dass sie autoaggressives Verhalten an den Tag legte und in ihren Wahnvorstellungen nicht andere Menschen attackiert hatte.

Einen vergleichbaren Fall hat Binder-Krieglstein nicht nennen können, außer jene von Sekten, die kollektiv in den Hungertod gegangen sind. Da es sein kann, dass nicht alle drei zur gleichen Zeit verhungert sind, stellt sich die Frage, warum nicht eine der Frauen Hilfe holte. Das konnte der Psychologe nicht beantworten. Er wusste allerdings von einem Fall, wo ein Fünfjähriger tagelang neben seiner toten Mutter lebte und sich das Kind instinktiv Essen aus dem Kühlschrank holte. In der Wohnung der 45-jährigen Wienerin habe es laut Ermittlern keine Lebensmittel gegeben.

Service und Beratungsstellen:

Informationen und Beratung unter: www.bundesstelle-sektenfragen.at; Tel.: 01/5130460; Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich auch Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.

(APA/Red)

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