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Ende der Mundschutz-Pflicht in vielen Bereichen

Vizekanzler Werner Kogler (l.) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (r.) im Rahmen einer Sitzung des Nationalrates am 29. Mai.
Vizekanzler Werner Kogler (l.) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (r.) im Rahmen einer Sitzung des Nationalrates am 29. Mai. ©APA
Österreichs Bundesregierung hat am Freitag weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen bekannt gegeben.

Ab 15. Juni fällt die Pflicht zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit großteils, gab Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in einer Pressekonferenz bekannt. Die Sperrstunde in der Gastronomie wird von 23.00 auf 1.00 Uhr ausgeweitet, das Vier-Personen-Limit fällt.

Einkaufen ohne Masken

Masken sollen dann nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Gesundheitsbereich inklusive der Apotheken sowie bei Dienstleistungen getragen werden, wo der Mindestabstand von einem Meter nicht eingehalten werden kann. Kurz nannte hier als Beispiele Friseure oder Mitarbeiter der Gastronomie. Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz etwa in Schulen und im Handel ist damit dann nicht mehr verpflichtend. Weitere Erleichterungen im Schulbereich werde am Samstag Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) verkünden.

Darüber hinaus endet per 15. Juni bei Einreise nach Österreich aus Ländern mit entsprechender Vereinbarung die Quarantäne-Pflicht.

"Wir sind auf einem guten Weg"

Hintergrund der weiteren Lockerungen sind die weiter sinkenden Zahlen der Neuinfektionen. "Wir sind auf einem guten Weg", konstatierte Kurz. "Die Menschen in Österreich haben viele Opfer erbracht" und hätten ermöglicht, "dass wir heute so gut dastehen". Der Bundeskanzler kündigte "weniger Regeln, mehr Eigenverantwortung" an.

"Mund-Nasenschutz runter und Ärmel rauf"

"Für viele wird gelten, Mund-Nasenschutz runter und Ärmel rauf", sagte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). Denn mit dem "wiedergewonnenen Freiheit" und dem "Freiraum können wir uns umso stärker um Wirtschaft und Beschäftigung kümmern", kündigte Kogler an. Die Regierung empfehle dringend, weiterhin Masken "dort zu verwenden, wo es Menschenansammlungen gibt, wo es eng ist", sagte Kurz.

Die Maske ist laut Kurz jedenfalls noch genauso wirksam wie bisher. Allerdings ist durch die geringen Infektionszahlen die Gefahr, sich anzustecken, kleiner geworden, erläuterte er. Er sprach aber davon, dass es "noch ein langer Kampf" werde. "Wir wissen, dass uns das Virus beschäftigen wird, bis es eine Impfung oder ein Medikament gibt", sagte der Bundeskanzler. Das sei "hoffentlich in ein paar Monaten", könne aber möglicherweise "auch Jahre" dauern. Deshalb werde nunmehr der Hausverstand immer wichtiger.

In der Gastronomie gilt ab Mitte Juni eine Sperrstunde von 1.00 Uhr. Auch die Regel von maximal vier erwachsenen Personen an einem Tisch fällt. Zwischen den einzelnen Gruppen muss aber weiterhin der Abstand von einem Meter eingehalten werden. Wie groß einzelne Gruppen sein dürfen, "können die Wirte gemeinsam mit den Gästen entscheiden", sagte Kurz.

Noch keine Lockerungen in der Nachtgastronomie

In puncto Nachtgastronomie konnte der Bundeskanzler noch keine Lockerungen ankündigen. Die Regierung wolle "in den nächsten Wochen mit Branchen mit längerer Betroffenheit" arbeiten, um diesen zu helfen. Es sei nicht die Absicht, die Nachtgastronomie auszuhungern, ergänzte Kogler. Man werde diesen Unternehmen helfen, auch wenn das bis zum Winter dauere. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) kündigte in zwei Wochen eine nächste Gesprächsrunde mit Vertretern der Nachtgastronomie an. Diese Situation werde nicht kurzfristig gelöst werden können. Das gute dabei sei aber, "dass diese Branche sehr sehr kreativ ist" und eigene Vorschläge erarbeite. Für kleineren Bars könne er sich frühere Lösungsansätze vorstellen.

"Das ist noch nicht das Ende"

Der Bundeskanzler betonte einmal mehr, dass das Virus nicht ausgelöscht ist. Genauso schnell wie die Infektionszahlen gesunken sind, könnten sie auch wieder ansteigen. Die Maßnahmen werden jedenfalls ständig angepasst werden. "Das ist noch nicht das Ende", betonte auch Anschober, Österreich sei noch mittendrin in der Pandemie. Man könne aber "mit großem Glück sagen, ja, wir haben bis zum heutigen Tag keinerlei negative Auswirkungen der Öffnungsschritte verzeichnet".

Bisher habe es in Phase zwei - laut Anschober "ein bissl ein Experiment" - vier größere Öffnungsschritte gegeben, etwa bei den Ausgangsbeschränkungen und bei den Schulöffnungen. Die weitere Strategie laute "drei Mal 24 Stunden". So soll binnen 24 Stunden getestet werden, binnen der nächsten 24 Stunden soll das Testergebnis vorliegen und innerhalb der darauffolgenden 24 Stunden das Kontaktpersonenmanagement durchgeführt werden. Vorschläge der Landeshauptleute, Maßnahmen regional unterschiedlich zu gestalten, habe man aufgegriffen und vieles davon in die jetzigen bundesweiten Öffnungsschritte aufgenommen, sagte Anschober.

47.000 Quarantänemaßnahmen kontrolliert

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) kündigte an, dass sich nunmehr auch der Dienstalltag der Polizisten ändern werde. Auch für sie fällt die Pflicht des Tragens des Mund-Nasenschutzes "im Gleichklang" mit den anderen Bereichen. Die Polizei werde jedenfalls die Gesundheitsbehörden weiterhin unterstützten. Nehammer dankte den Beamten und Soldaten für ihren Einsatz in der Coronavirus-Pandemie. Österreichweit 47.000 Mal hat die Polizei Quarantänemaßnahmen der Gesundheitsbehörden kontrolliert, über 2.800 Mal habe die Polizei versucht, gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden "Infektionsketten zu durchbrechen". "Das Angebot steht nach wie vor", sagte Nehammer.

Lösungen für Reisen in Nachbarländer angekündigt

Lösungen für Reisen in Nachbarländer sollen laut Kurz am Mittwoch verkündet werden. In Absprache mit den Ländern sollen Gesundheits-, Europa- und Außenministerium bestimmen, wie ab 15. Juni die noch nicht beschlossenen Grenzöffnungen vonstattengehen können. Mit Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz gibt es bereits Vereinbarungen. Hier soll es eine vollständige Grenzöffnung ohne Kontrollen ab Mitte Juni geben. Man sei in guten Gesprächen mit den anderen Nachbarstaaten, sagte Kurz. Mit fast allen gebe es bereits akkordierte Lösungen. Er betonte, dass die Situation in Italien am schwierigsten sei. Man sei aber bestrebt, zeitnah Lösungen zu finden. "Details werden wir nicht vor Mittwoch bekanntgeben können", sagte Kurz. Die 14-Tätige Quarantäne-Pflicht oder verpflichtende Vorlage eines negativen Testergebnisses soll jedenfalls "mit 15. Juni ein Ende haben mit all den Ländern, wo wir eine Vereinbarung zustande bringen", sagte der Bundeskanzler.

Start in die Freibad-Saison

Ein weiterer großer Lockerungsschritt ist am heutigen Freitag erfolgt. Hotels, Pensionen, Campingplätze und Schutzhütten, Seilbahnen, Lifte und die Ausflugsschifffahrt durften öffnen. Die wieder offenen Fitnessstudios zeigten sich zumindest in Wien gut ausgelastet.

Der Start in die Freibad-Saison fiel wegen kühler Temperaturen verhalten aus, aber auch Thermen hatten den ersten Öffnungstag nach dem Lockdown.

Erste Kultur-Events dürfen stattfinden, und der Wiener Prater hat wieder geöffnet. Überall sind die Hygienevorschriften einzuhalten.

Viele Hotels noch zu

Die Hotel-Öffnung erfolgt bis Ende Juni in Wellen, zum Auftakt hat etwa die Hälfte der rund 16.000 Betriebe aufgesperrt.

Doch planen die Österreicher heuer verstärkt mit einem Heimat-Urlaub. Nach einer noch laufenden Online-Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) und der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) würden bei uneingeschränkten Reisemöglichkeiten in Europa 40 Prozent ihren Urlaub in Österreich buchen, knapp 22 Prozent einen in Österreich und im europäischen Ausland, nur 16 Prozent ausschließlich im Ausland.

Zur Entscheidung der Österreicher für einen Urlaub in heimischen Gefilden könnten auch die am Freitag gestarteten regelmäßigen und präventiven Mitarbeiter-Corona-Tests im Tourismusbereich beitragen. Den Anfang haben als zwei von fünf Pilotregionen die Wachau in Niederösterreich und der Wilde Kaiser in Tirol gemacht. Bis Juli werden österreichweit 65.000 Untersuchungen pro Woche angepeilt. Die Pilotareale Montafon (Vorarlberg), Spielberg (Steiermark) sowie die Wörthersee-Gegend (Kärnten) starten in den kommenden Tagen.

Nur noch 25 Intensivpatienten

Am Freitag (Stand 9.30 Uhr) waren laut Innenministerium noch knapp mehr als 100 Corona-Erkrankte in Spitalsbehandlung. Von den 103 Betroffenen befanden sich 25 auf Intensivstationen.

Auch die Zahl der aktiv Erkrankten sank. 668 Personen sind bisher an oder mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben.

Bezüglich der Corona-Cluster in Wien und Niederösterreich wurde bekannt, dass durch die infizierten Bediensteten der Post-Zentren Hagenbrunn und Inzersdorf in rund 50 Familien Ansteckungen erfolgten.

Virologen befürchten keine zweite Welle

In der Diskussion um eine mögliche zweite Corona-Welle hält es in Deutschland der bekannte Virologe Christian Drosten für möglich, dass das Land eine solche erspart bleibt. Die Wissenschaft habe nun ein besseres Verständnis des Infektionsgeschehens. "Jetzt kennen wir das Virus genauer, wir wissen besser, wie es sich verbreitet." Dies geschehe über wenige Superspreader, also Infizierte, die für viele Ansteckungen verantwortlich sind. Ein solches Infektionsgeschehen könne man besser kontrollieren als eine gleichförmige Ausbreitung.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck sieht die Lage ähnlich. Er vermutet, dass es immer wieder lokale Ausbrüche geben werde. "Aber ich glaube nicht, dass wir eine zweite Welle sehen werden, die uns regelrecht überschwemmt und überfordert." Für Streeck habe das Verbot von Großveranstaltungen am ehesten etwas gebracht. In der Impfstoff-Suche zweifelt er an einem baldigen Erfolg. Man müsse sich auf die Möglichkeit einstellen, dass keiner gefunden werde.

Diskussion über Norditalien

In Italien sorgt das wissenschaftliche Institut GIMBE für Aufsehen, indem es der Region Lombardei die nicht korrekte Veröffentlichung von Covid-19-Infektionszahlen vorgeworfen hat. Es sei zu erheblichen Verspätungen bei der Mitteilung der Zahlen der Todesopfer und Neuinfizierten gekommen. Das Institut bemängelte eine immer noch hohe Infizierten-Zahl in den drei norditalienischen Regionen Lombardei, Ligurien und Piemont und warnte vor einer Wiedereinführung der Reisefreiheit ab kommender Woche, wie sie die Regierung in Rom plant.

Dramatische Situation in Brasilien

Einen traurigen Landesrekord an Neuansteckungen innerhalb von 24 Stunden vermeldete Brasilien. 26.417 Fälle kamen dazu, um knapp 4.000 mehr als in den USA. Mit den Zahlen der neu an oder mit Covid-19 Verstorbenen stand Brasilien mit 1.156 für ein 24-Stunden-Fenster den Vereinigten Staaten nur um 42 nach.

In Südamerika ist es besonders schwierig, das Virus im Zaum zu halten. Es trifft auf unterfinanzierte Gesundheitssysteme, Millionen Arme ohne soziale Absicherung und eine generelle Skepsis gegenüber staatlichen Anordnungen.

Viele Todesopfer in Russland

Einen neuen Höchstwert gab es auch in Russland, und zwar an Todesopfern. 232 Corona-Tote vermeldeten die Behörden in Moskau, davor war diese Zahl immer deutlich unter der Marke von 200 gelegen. Erstmals veröffentlichte Sterbestatistik-Details besagen, dass in der Hauptstadt Moskau im April 1.561 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus gestanden sind. Einen kräftigen Anstieg der Zahlen gibt es auch in Indien. Hier sind mittlerweile mehr als 4.700 Menschen mit einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben.

(APA)

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