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Moscheenanschlag in Wien gab jahrelang Rätsel auf

Der mysteriöse Sprengstoffanschlag gab der Polizei Rätsel auf: Am 16. November 2005 hatte sich vor einem Wohnhaus in Wien-Hernals eine Explosion ereignet, die sich offenbar gegen die in dem Haus befindliche Moschee richtete.

Bis zu dem überraschenden Geständnis eines Ebergassinger Arztes tappten die Kriminalisten im Dunkeln – 2007 stand das Verfahren schon vor der Einstellung.

Brisant waren die Erkenntnisse über den verwendeten Sprengstoff HMTD: Dieser war mehrfach vom islamischen Terrorismus eingesetzt worden.

Verletzt wurde bei dem Anschlag mitten in der Nacht niemand, bei der Explosion um 2.30 Uhr gingen nur Fenster- und Autoscheiben zu Bruch. Auch die hölzerne Eingangstür des Hauses wurde schwer beschädigt. Umso mehr sorgte die Vermutung für Unruhe, die Bombe habe sich gegen die Moschee und die ausländischen Bewohner des Hauses gerichtet. Dies wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen. Es handle sich um eine Explosion mit Sprengstoff, die Ermittlungen seien in alle Richtungen im Gange, hieß es zu Beginn.

Von einer gegen einen Einzelnen gerichteten Eifersuchtstat über einen terroristisch oder rassistisch motivierten Anschlag seien alle Möglichkeiten denkbar, hatte Polizeisprecher Walter Hladik erklärt.

Im Jänner 2007 wurde bekannt, dass bei dem Attentat die Substanz Hexamethylentriperoxiddiamin (HMTD) verwendet wurde, wie der Leiter des kriminalistischen Institutes des BKA Wiesbaden, Gottfried Vordermaier, bei einem Vortrag im Wiener Bundeskriminalamt erläuterte. Die Substanz sei “mehrfach vom islamistischen Terrorismus eingesetzt worden”, so seine alarmierende Einschätzung.

Der Sprengstoff hatte tatsächlich schon bei weit gefährlicheren Terrorplänen für Aufsehen gesorgt: Ein Zusammenhang mit dem Sprengstoff HMTD war unter anderem bei dem im August 2006 von der britischen Polizei vereitelten Anschlag untersucht worden. Islamisten hatten damals geplant, mit Hilfe von an Bord geschmuggelten Flüssigkeiten in mehreren Flugzeugen zeitgleich Explosionen herbeizuführen, was ein Inferno bedeutet hätte.

Damals gab die Staatsanwaltschaft auch bekannt, dass die Ermittlungen in Wien offiziell als abgebrochen gelten. Grund: Trotz größter Bemühungen ließen sich bisher keine möglichen Tatverdächtigen eruieren. “Wir sind ganz einfach an Ermittlungsgrenzen gestoßen”, hieß es dazu seitens der Anklagebehörde. Umfassende Recherchen, Telefonüberwachungen und Standortpeilungen hätten keine Ergebnisse erbracht.

Eine überraschende Wende brachte nun das Geständnis eines 44-Jährigen Arztes aus Ebergassing, der seit wenigen Wochen wegen Mordes in Haft sitzt. Der Mann wollte im Gefängnis Selbstmord begehen und hinterließ ein Schreiben, in dem er eine Art “Lebensbeichte” ablegte, darunter fand sich auch der Anschlag auf das Gebetshaus in Hernals.

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