Morrissey: 20 Songs reichten um zu zeigen wer der Britpop-Gott ist

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Am Samstag war ein 50-jähriger Brite im Wiener Gasometer zu Gast. Ein Mann den die Allgemeinheit der Indiekultur als Gott bezeichnen würde - die Rede ist natürlich von Morrissey!
Morrissey live im Gasometer

In einem relativ kurzen, zwanzig Songs umfassenden Auftritt versuchte der 50-jährige Brite mit den irischen Wurzeln die drei Dekaden seines Schaffens zu vereinen. Die Reaktion des Publikums zeigte, dass ihm dieses Unterfangen auch gelang. Doch eines war von Anfang an klar: Morrissey muss sich nicht erst die Gunst seiner Zuhörer erspielen, diese wurde ihm allein durch sein Erscheinen bedingungslos gewährt.

Der Held der Mauerblümchen, Unverstandenen und Ungeliebten war sich auch seiner Rolle als Nachlassverwalter seiner 1987 aufgelösten Band, The Smiths, bewusst und startete den Abend nostalgisch mit einer ihrer ersten Singles, “This Charming Man”. Interpretiert wurde dieser Song mit einiger Härte, für die seine in weiße Kurzarmhemden gewandete Band sorgte. Früh am Programm stand das ebenfalls aus Smiths-Zeiten herrührende “How Soon Is Now?”, ein Klagelied über unerfüllte Sehnsucht, das live noch einmal unterstrich, warum eine Biografie über diese einflussreiche Band den Titel “The Songs That Saved My Life” trägt.

In der ersten Phase seines Auftritts gelang es dem Mann aus Manchester dabei problemlos, diese alten Songs mit den neuen zu kombinieren und so gab er neben “Ask” oder “Girlfriend in a Coma” auch “Black Cloud” von seinem aktuellen Soloalbum “Years Of Refusal” (Universal) zum Besten – einen Song, den er gemeinsam mit seinem Gitarristen Boz Boorer schrieb. Dass es Morrissey schaffte, Pop aus einer Zeitspanne, die ein Vierteljahrhundert umfasst, zu vereinen, gehörte sicher zu den großen Leistungen dieses Abends, der nach dem härteren ersten Teil dann Platz für die sanfteren Balladen bot. Gerade hier offenbarte sich ein weiteres großes Plus von Morrissey, nämlich seine Stimme, die trotz der Jahre nichts von ihren berührenden und unverkennbaren Eigenschaften verloren hat und fast noch immer so klingt wie in den 80-Jahren.

Natürlich sparte er dabei auch nicht mit Theatralik und ging bei “Life is a Pigsty” und “Please, Please, Please, Let Me Get What I Want” auch zweimal leidend in die Knie. Doch ebenso begegnete er gerade manchem älteren Song mit einer wohl aufgrund der Lebensjahre erworbenen Distanz und bewahrte so seine Glaubwürdigkeit. Und dass ihm sein Alter nicht viel anhaben kann, zeigte der radikale Vegetarier durch einen Hemdwechsel, der ihn in einer bewundernswerten körperlichen Verfassung zeigte.

Und so war die Kürze des Auftritts der einzige kleine Wermutstropfen des gestrigen Abends, denn auch wenn Morrissey nach dem letzten Song noch einmal auf die Bühne kam, mehr als ein “First Of The Gang To Die” mit ausuferndem Gitarrenkrach am Ende gab es nicht als Zugabe. Obwohl es “nur” zwanzig Songs waren, lieferten diese aber zumindest Beweis genug dafür, warum Morrissey als einer der wichtigsten, weil stilprägendsten Exponenten der britischen Popkultur gilt. “Some Girls are Bigger than Others” heißt es in einem Smith-Song und in Anlehnung darauf kann man sagen, dass das auch für manche Musiker gilt.

Morrissey live im Gasometer:  ”I’m Throwing My Arms Around Paris”:

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