Mord wegen einer Dose Bier: Prozess

Mord beim Wiener Westbahnhof
Mord beim Wiener Westbahnhof ©vienna.at
Nach einem Streit um eine Dose Bier hatte sich am Mittwoch ein Brüderpaar im Wiener Straflandesgericht zu verantworten. Der 24-jährige Emil H. soll einen Obdachlosen am Westbahnhof erstochen haben.

Dem 24-jährigen Emil H. legte Staatsanwalt Ewald Stani Mord zur Last, dessen um ein Jahr älteren Bruder Beitrag zum Mord. Der 25-Jährige hatte ihm ein sogenanntes Agentenmesser zum Westbahnhof gebracht, nachdem dieser in eine Auseinandersetzung mit dem 50 Jahre alten Obdachlosen Helmut O. geraten war.

Mit der Waffe ging Emil H. der Anklage zufolge zunächst auf einen 31-jährigen Rumänen los, der zuvor versucht hatte, den Streit zu schlichten. Dieser lief davon, so dass es bei einem Stich in die Schulter blieb. Sodann wandte sich Emil H. dem 50-Jährigen zu, der mittlerweile auf einer Parkbank am Europaplatz, wo sich mit den Worten des Staatsanwalts “Obdachlose und Alkoholiker treffen und exzessiv trinken”, eingeschlafen war.

Dreimal stach der 24-Jährige dem Mann in die Brust, der noch aufschreckend “Hey, spinnst?” fragen konnte, ehe er starb. Zwei Stiche hatten das Herz getroffen. Der Ankläger nannte das “Blutrache”. Der vorangegangene Streit, in dem der Jüngere dem kräftigen, 22 Mal vorbestraften Mann nicht gewachsen war und Prügel bezogen hatte, habe diesen “in seiner Ehre zutiefst gekränkt”, sagte der Ankläger. Daher habe er seinen Bruder angerufen, “Bring mir das Messer!” verlangt und angekündigt “Den bring i um!”.

Emil H., der nach seiner Matura ins Suchtgiftmilieu abgeglitten und statt auf der Universität in der Drogenszene um den Karlsplatz gelandet war, sprach von einer Notwehrsituation. Als er sich Helmut O. näherte, habe dieser keineswegs geschlafen, sondern ein Messer geschwungen. Da habe er reagiert: “Ich wollt’ ihn sicher nicht umbringen!” Er habe vielmehr “Angst gehabt”.

Der ältere Bruder beteuerte seine völlige Schuldlosigkeit. Er habe nicht ahnen können, was Emil mit dem Messer vorhabe. Er habe diesen nur helfen wollen.

Der Prozess wird nicht – wie ursprünglich vorgesehen – am kommenden Freitag fortgesetzt. Der vorsitzende Richter Wolfgang Fahrner hat das Verfahren auf Ende Juni vertagt.

 

Eine entscheidende Zeugin, die die tödliche Messerstecherei mitbekommen hatte, ist hochschwanger. Geburtstermin: Anfang Mai. Ihr kann daher derzeit nicht zugemutet werden, bei Gericht auszusagen.

 

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