Montafoner Gemeinde Schruns stimmt am Sonntag über Museumsneubau ab

Sorgt in Schruns für Debatten: die geplante „Ansicht“ des MuseumsNEU im Ortszentrum
Sorgt in Schruns für Debatten: die geplante „Ansicht“ des MuseumsNEU im Ortszentrum © MARTE-MARTE.COM
Schruns - Die Bürger der Vorarlberger Gemeinde Schruns werden am Sonntag per Volksabstimmung über die Neugestaltung des Heimatmuseums Schruns entscheiden.
Museum kostet 3,5 Millionen

Das Talschaftsprojekt “MuseumNEU”, vor allem der moderne Architektenentwurf, hatte eine kontroversiell geführte Debatte ausgelöst. “Soll die Marktgemeinde Schruns durch eine Änderung des Bebauungsplans die Voraussetzungen für einen Museumsneubau nach dem vorliegenden Siegerprojekt im Ortszentrum von Schruns schaffen?”, so lautet die Frage, die die Bürger am Sonntag von 8.00 bis 13.00 Uhr beantworten sollen.Die rund 6.000 Exponate des traditionsreichen Museums sind seit 1978 in einem spätmittelalterlichen Haus am Schrunser Kirchplatz zu sehen. Die Regionalvertretung Stand Montafon kaufte als Projektbetreiber das nebenstehende Gebäudefragment des ehemaligen “Konsum” an, um ein Museums- und Kulturzentrum schaffen zu können. Im Architekturwettbewerb siegte ein schlichter, moderner Entwurf des Vorarlberger Architekturbüros marte.marte. Die historische Bausubstanz soll erhalten werden, ein neuer Zubau entstehen. Doch schon bei der ersten Präsentation polarisierte der Vorschlag stark.

“Betonklotz” sorgt für Diskussionen

Nicht alle Bürger konnten sich mit dem als Fremdkörper empfundenen “Betonklotz” im historischen Ortskern anfreunden, es folgten Leserbriefe, Infoveranstaltungen und Diskussionen. Eine Bürgerinitiative “Rettet Schruns” entstand, die sich gegen einen Abriss des ihrer Ansicht nach ortsbildgebenden “Konsum”-Gebäudes im Zentrum aussprach. Sie forderte unter anderem die grundsätzliche Beibehaltung der Gebäudehöhen, der Dachlandschaft und der Gebäudeansichten. Andere architektonische Vorschläge würden ohne den Abriss auskommen, hieß es. Befürworter kritisierten, dass sich die Gegner nur auf die Fassadengestaltung konzentrierten, über das räumliche Konzept und die dringend nötige Erweiterung und Modernisierung werde kaum gesprochen.

Stand Montafon gegen Gemeinde Schruns

Während sich der Stand Montafon als Bauherr hinter das Projekt stellte, war die Gemeindevertretung Schruns mehrheitlich dagegen. Der Entwurf wurde überarbeitet und im November 2010 erneut vorgestellt. Im September 2011 beschloss die Gemeindevertretung, über das Projekt das Volk entscheiden zu lassen. Am vergangenen Sonntag konnten sich die Bürger bei einem Info-Nachmittag im Museum selbst ein Bild von den in die Jahre gekommenen Räumen machen und einen Blick ins Depot werfen.

Michael Kasper, Leiter der Montafoner Museen, befürwortete das Projekt vor allem aus praktischen Gründen: Die Objekte lagerten derzeit auf dem überfüllten, klimatisch ungeeigneten Dachboden. “Das ist gerade für die Holzobjekte höchst problematisch. Das muss gelöst werden”, sprach sich Kasper für ein modernes Depot aus. Derzeit könnten etwa kürzlich gemachte archäologische Metallfunde aus der Bronzezeit aus klimatischen Gründen nicht dauerhaft gezeigt werden. Auch die Ausstellung wertvoller Objekte sei wegen Sicherheitsbedenken momentan nicht möglich, beklagte Kasper. Als Lösung sah er die Umsetzung des vorliegenden Gesamtkonzeptes, auch wenn er Verständnis habe für die emotionale Bindung der Schrunser zu ihrem bekannten Ortsbild.

“Das Thema spaltet die Bevölkerung”, so der Schrunser Bürgermeister Karl Hueber (V), der hoffte, dass nach der Abstimmung Frieden einkehren wird. Wie die Abstimmung ausgehe, sei schwer zu beurteilen. Er rechne jedenfalls mit einer regen Beteiligung. Die Bedingungen für die Museumsarbeit müssten besser werden. Ein zeitgemäßes Museum mit wechselnden Ausstellungen, wofür neue Räumlichkeiten nötig seien, brächte zusätzliche Frequenz für die Geschäfte im Ortskern, so Hueber, der sich zu den Befürwortern zählt. Der Stand Montafon versuchte im Vorfeld, der Bevölkerung die Folgen eines “Nein” bei der Abstimmung klarzumachen. Das Gesamtprojekt wäre vom Tisch, man müsste sich gänzlich neu orientieren und von vorne anfangen, mit drastischen Folgen für Museumsbetrieb und gefährdete Kulturgüter, hieß es.

(APA)

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