Monika Hauser mit Alternativ-Nobelpreis geehrt

Seit 15 Jahren engagiert sich die Ärztin Monika Hauser für vergewaltigte Frauen in Kriegs- und Krisengebieten. Zuerst wurde sie in Bosnien mit der von ihr gegründeten Organisation medico mondiale, tätig.

Sie engagierte sich auch in Ländern wie Afghanistan, dem Kongo, Liberia und Israel. Am Montag wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis der “Right Livelihood”-Stiftung ausgezeichnet.

Die in der Schweiz geborene Südtirolerin mit italienischem Pass hatte 1984 in Innsbruck promoviert. 1992 las sie von gezielten Massenvergewaltigungen in Bosnien, die dort als Kriegsstrategie bewusst eingesetzt worden ist. Ein Jahr später hat sie in der bosnischen Stadt Zenica mit dem Aufbau eines Therapiezentrums begonnen. “Mich haben damals die Medienberichte mit ihren teils genauen Details über die Art der Vergewaltigungen sehr wütend gemacht. Ich wollte diesen Frauen ganz konkret helfen”, sagte die Mutter eines zwölfjährigen Sohnes später über den Start zu ihrer Arbeit.

Hauser wurde schnell bekannt und erhielt viele Preise. 1993 kürten sie etwa die ARD-Tagesthemen zur “Frau des Jahres”, später auch zur “Frau des Jahres in Europa”. Als der damalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog ihr 1996 das Bundesverdienstkreuz verleihen wollte, lehnte die Ärztin ab. Sie protestiere damit gegen den Beschluss der deutschen Innenminister, bosnische Flüchtlinge notfalls mit Gewalt in ihre Heimat zurückzuführen.

Auch zehn Jahre später hat die Medizinerin nichts von ihrer streitbaren Grundhaltung verloren. Deutsche und EU-Politiker zeigten “nicht unbedingt gesteigertes Interesse”, wenn es um Frauen als Kriegsopfer gehe. Hauser prangert deutsche Soldaten im Auslandseinsatz an, wenn sie in den jeweiligen Ländern Zwangsprostituierte aufsuchen. “Man muss mitunter schon eine hohe Frustrationstoleranz haben, wenn man mit einem feministischen Ansatz arbeitet”, meinte sie über die Reaktionen.

Als sie die Nachricht von der Verleihung des Alternativen Nobelpreises erhielt, hat Hauser wieder einmal nicht nur gejubelt: “Ich sage ganz ehrlich, der Preis hat auch zwiespältige Gefühle ausgelöst.” Zu groß ist nach Ansicht der 49-jährigen der Abstand zwischen Lob und Sonntagsreden bei Preisverleihungen auf der einen Seite – und dem Desinteresse von Politikern und Öffentlichkeit gegenüber dem Alltagselend vergewaltigter Frauen in Kriegsländern auf der anderen.

Hausers Eltern hatten Italien in der Zeit des Faschismus verlassen. Ihre 1959 geborene Tochter wuchs in der Schweiz als “Gastarbeiterkind” auf und lebt seit 25 Jahren in Deutschland. Sie hat ihre italienische Staatsbürgerschaft bis heute behalten.

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