Möglicher Wegfall russischer Gasimporte bereitet Österreich Sorgen

Ein Wegfall der russischen Gasimporte würde Österreich stark treffen.
Ein Wegfall der russischen Gasimporte würde Österreich stark treffen. ©AP Photo/Rogelio V. Solis
Dreht Russland den Gashahn zu, wären 19 Prozent der Energieversorgung in Österreich gefährdet. Kreditversicherer sehen drei Möglichkeiten, einen Ausfall der russischen Gasimporte zu kompensieren.
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Die EU und Österreich sind in hohem Ausmaß von russischem Gas abhängig. Der russische Einmarsch in der Ukraine hat die Energiepolitiker in der EU wachgerüttelt, die sich jetzt um andere Energiequellen bemühen wollen.

Wegfall der russischen Gasimporte würde Österreich stark treffen

Bei einem Wegfall der Russlandimporte wären rund 10 Prozent des gesamten Energiebedarfs in Europa gefährdet, in Österreich wären es sogar 19 Prozent, ergab eine Studie des österreichischen Kreditversicherers Acredia in Zusammenarbeit mit Euler Hermes.

Auch Ungarn, Slowenien, Tschechien, Lettland und Deutschland wären stark betroffen, da mehr als 20 Prozent des Energiebedarfs dieser Länder von russischem Erdgas abhängen.

Höhere Strompreise lassen Gas-Nachfrage sinken

Die Kreditversicherer sehen drei Möglichkeiten, einen Ausfall zu kompensieren: Mehr Erdgas aus anderen Ländern importieren, mehr Energie aus anderen Quellen erzeugen und die Erdgas-Nachfrage durch erhöhte Preise drosseln. Ein Anstieg des Strompreises um 40 Prozent und ein Verdoppeln des Gaspreises könnten die Nachfrage um 8 bis 10 Prozent sinken lassen, so Acredia und Euler Hermes am Montag laut einer Aussendung. "Stoppt Russland die Gaslieferungen, dann ist ein Preis von 200 Euro/MWh möglich", so Acredia-Vorständin Gudrun Meierschitz. In Österreich würde das die Stromnachfrage um 8 Prozent reduzieren.

Gasreserven in Europa reichen vorerst bis Ende März

Europas Gasspeicher seien derzeit zu 29 Prozent gefüllt, das reiche bei diesem milden Winter bis Ende März. Im Sommer müssten die Reserven wieder aufgefüllt werden. Es gebe zwar erste Bestrebungen der EU, mehr Erdgas aus Ländern wie Algerien und Katar zu beziehen, die begrenzten Kapazitäten würden allerdings nur einen Zeitpuffer von drei Tagen schaffen, räumen die Kreditversicherer ein. Ein Umstieg auf andere Lieferländer setze einen Zugang zum Pipeline-Netzwerk voraus, was nicht bei allen potenziellen Partnern der Fall sei.

Österreich will auf Grünen Wasserstoff aus Emiraten setzen

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP), die für Rohstoffe zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) und Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) sind gerade in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), um grünen Wasserstoff von dort zu bekommen. Eine entsprechende Absichtserklärung mit dem Industrieminister der VAE, Sultan Bin Ahmad Sultan Al Jaber, wurde am Wochenende unterzeichnet.

Um die Gasimporte aus Russland zu ersetzen, müsste die Produktion aus erneuerbarer Energie um 1 Exajoule (278 TWh) pro Jahr gesteigert werden, berechneten Acredia und Euler Hermes. Dazu seien jährliche Investitionen von 170 Mrd. Euro notwendig, das entspreche 1,3 Prozent des europäischen BIP. Für Österreich würde das bedeuten, dass die Produktion aus Solar- und Windenergie um je 38 Prozent und aus Bio-Gas um 20 Prozent gesteigert werden müssten.

(APA/Red)

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