Mitteleuropapreis 2008 an Dragan Velikic

Der serbische Botschafter in Österreich, der auch als facettenreicher Autor tätig ist, bekam Montagabend den Mitteleuropapreis verliehen.

“Mitteleuropa ist eine Ansammlung von Unterschieden auf relativ kleinem Raum.” Das erklärte Dragan Velikic, Schriftsteller und serbischer Botschafter in Österreich, am Montagabend in Klosterneuburg in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Mitteleuropapreises 2008. Die vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung mit 7.200 Euro dotierte Auszeichnung wird jährlich vom “Institut für den Donauraum und Mitteleuropa” (IDM) vergeben.

In seiner in der Sammlung Essl gehaltenen Laudatio hob der ehemalige Vizekanzler Erhard Busek (V) als IDM-Vorstandsvorsitzender die “mitteleuropäische Topographie der Schauplätze” im literarischen Werk von Velikic hervor. “Wir reden von Serbien immer nur rund um die Kriege und Milosevic”, beklagte Busek. Davor habe es jedoch “ein unendlich vitales Leben” in Serbien gegeben, das einen “schmerzlichen Unterbruch” erfahren habe.

Velikic, meistübersetzter serbischer Autor im deutschen Sprachraum, zeigte sich erfreut über “den ersten Preis, der mir außerhalb meines Landes Serbien verliehen wurde”. Seine Geburtsstadt Belgrad bezeichnete er als seinen Heimathafen, doch seien auch Städte wie Pula, wo er seine Jugend verbracht hat, Wien, Budapest, Bremen und Berlin wichtig für ihn gewesen. Besonderen Stellenwert maß Velikic der Literatur zu, die, “auf Sicht gesehen, mächtiger als jede Tagespolitik” sei. Deshalb gebe es “nur wenige Gegenden auf der Erde, deren Mythos so lange dauert” wie Mitteleuropa.

Jeder Künstler, so Velikic, besitze durch die Lektüre auch einen inneren Kontinent. Literatur ahme nicht die Wirklichkeit nach, sondern bedeute “reinste Veränderung und Instabilität”. Das habe sie mit den Grenzen gemeinsam, die er mit “vorläufigen Tattoos” verglich: “All meine Räume passen nicht unter eine Fahne”, formulierte der Preisträger, der in seinen facettenreichen Romanen und Erzählungen immer wieder das Schicksal von Emigranten und Flüchtlingen darstellt.

Dragan Velikic wurde 1953 in Belgrad geboren, wuchs in Pula auf und studierte Literaturwissenschaft in Belgrad, wo er als Redakteur der unabhängigen Wochenzeitschrift “Vreme” und bis 1999 als Chefredakteur von “Radio B92” tätig war. Vor der Bombardierung Belgrads verließ er Serbien, hielt sich in Deutschland, Österreich und Ungarn auf, kehrte 2002 nach Belgrad zurück und ist seit 2005 serbischer Botschafter in Wien. In dieser Funktion will er vor allem “Stereotype auf beiden Seiten abbauen”.

  • VIENNA.AT
  • Moj Bec News
  • Mitteleuropapreis 2008 an Dragan Velikic
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen