Mirko Kovats - Abgesang auf Industriestandort Österreich

Mirko Kovats ist ein Mann, der Jahrzehnte damit verbracht hat, in Österreich produzierte Maschinen zu verkaufen - er hat damit den Realsozialismus in Osteuropa besser gekannt als 99,9 Prozent seiner Leser. Wer das nicht weiß, könnte durch den Titel seines aktuellen Buches auf die falsche Fährte gelockt werden.

“Die Sowjets hatten recht – 62 Thesen eines Querdenkers” ist keine nostalgische Würdigung der Verdienste des Staatssozialismus, sondern das genaue Gegenteil – ein Hohelied auf Kapitalismus und Kapitalisten im Jahr 2010, auf ihre enorme Schöpferkraft und ihre ebensolche Brutalität.

Vor allem aber beinhaltet das 200-Seiten-Buch des des Industriellen (“A-Tec”) mehrere hundert Provokationen gegen so ziemlich alles, was (außerhalb der IV) als gesellschaftlicher Mainstream gilt und akzeptiert ist: zum Beispiel gegen “selbstherrliche Weltverbesserer”, “Staatsanwälte auf Prominentenhatz”, Freunde des Verschwender-Förderalismus und Liebhaber des “asozialen Sozialstaats”.

Kovats sieht sich selbst nicht als “Querulant”, sondern als Mann des “common sense”. Er hat am dicken Ende, auf das das alles hinausläuft, keinen Zweifel: Staatsbankrott, Deindustrialisierung und schleichende Verarmung sind für Kovats kaum vermeidbar. Hauptschuld daran hätten die Politiker, die nach extrem kurzfristig ausgerichteten Regeln ticken würden.

Obwohl Kovats in seinem Buch nicht mit Rundumschlägen geizt, bleibt ein Bereich auf seltsame Weise ausgespart: Gegen die Medien, die ihm grosso modo nicht gerade freundlich gesinnt sind, ist kaum ein böses Wort zu finden.

“Als Unternehmen wäre Österreich ein eindeutiger Insolvenzfall”, diagnostiziert er. “Würde ich wie unsere Politiker handeln, würde mir das vermutlich zehn Jahre Gefängnis einbringen.” Um aus der Malaise herauszukommen seien sogar zeitlich beschränkte höhere Steuern zu akzeptieren – wenn auch nur, um die “Sanierung zu finanzieren”, ein Thema, von dem er etwas versteht. Mit “Flat Tax”, Flexibilisierung der Arbeit und anderen Dr.-Eisenbart-Rezepten kann seiner Meinung nach in vier Jahren “eine ungeheure Wirtschaftsdynamik” in Gang gesetzt werden.

Dass die Chancen, dass dies passiert, minimal sind, weiß der “härteste Industrielle” des Landes natürlich. Schließlich sind seine Landsleute für ihn “die perfekten Kommunisten des alten Systems oder zumindest die perfekten Sozialstaats-Beansprucher”. Letztlich werde den Österreichern selbst das unvermeidliche Ärmerwerden nicht allzu viel ausmachen, mutmaßt er: “Wenn es uns selbst schlecht geht, aber den anderen auch, ist im Grunde alles fein.”

Der eine Punkt, bei dem Kovats den Sowjets recht gibt, bezieht sich übrigens auch die Nicht-Konvertibilität des Rubels. Gäbe es keine freien Wechselkurse, gebe es auch keine Spekulation gegen den Euro, was ein Vorteil für die europäische Industrie wäre.

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