Mid90s - Kritik und Trailer zum Film

Stevie ist 13 Jahre alt und lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter und seinem älteren Bruder in Los Angeles. Er ist ein kleiner, schmächtiger Bub, der von seinem Bruder regelmäßig verprügelt wird. Doch dann entdeckt Stevie eine Clique junger Skater und nähert sich ihnen an - die Gruppe von Außenseitern wird zu seiner Ersatzfamilie, bei der er Anerkennung und Geborgenheit findet.

Als Schauspieler gehört Jonah Hill (“Hail, Caear!”) zu den Lieblingen der indieaffinen Zuschauer. Mit dem Burschenfilm “Mid90s” legt der 35-Jährige nun sein Debüt als Regisseur vor. Das ebenso kleine wie sympathische Werk ist ein nostalgischer Rückblick auf das letzte Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends, eine wahrhaftige, ebenso kleine wie berührende Jugendgeschichte. Ab Donnerstag im Kino.

Mid90s: Kurzinhalt zum Film

Hill porträtiert in “Mid90s”, für das er auch das Drehbuch schrieb, den 13-jährigen Stevie, der im sommerlichen LA bei seiner alleinerziehenden Mutter (Katherine Waterston) und seinem brutalen Bruder Ian (Nachwuchsstar Lucas Hedges als ungewohnt grobschlächtiger Charakter) lebt und nach Anschluss und Respekt sucht. Im nahe gelegenen Skateboard-Laden trifft er schließlich auf eine coole Skatertruppe, die Stevie alsbald in ihre Reihen aufnimmt.

So werden die Ninja-Turtles-Poster daheim bald ersetzt, und es dauert nicht lange, bis der 13-Jährige seine erste Zigarette raucht, zum ersten Mal betrunken ist und seine ersten sexuellen Erfahrungen macht. Stevie droht ein wenig zu schnell erwachsen zu werden.

Mid90s: Die Kritik

Hills Burschenfilm lebt voll und ganz von seinen wahrhaftigen Charakteren, denen sich der Regisseur mit Integrität nähert, sie in aller Differenziertheit zeigt. “Die 90er waren eine Zeit, in der die Vorstellung von Männlichkeit hieß, keine Gefühle zu zeigen, weil das als weibisch oder um Gottes Willen schwul galt. Ich wollte zeigen, dass das problematisch ist”, unterstrich Hill am Rande der Präsentation seines Films auf der heurigen Berlinale: “Mir ging es um das wahrhaftige Gefühl von Hoffnung, auch in hässlichen Momenten.”

Eine schier unfassbare Schauspielleistung erbringt dabei der zum Zeitpunkt des Drehs elfjährige Sunny Suljic, der bereits in Yorgos Lanthimos’ “Killing of a Sacred Deer” überzeugt hatte und nun zwischen unglaublich süßem Buben und heranwachsendem Pubertierenden eine ganze Legion an Emotionen in seiner Mimik spiegelt. Die Rolle des Stevie wolle er dabei nicht als autobiografisch missverstanden wissen, machte Neoregisseur Hill deutlich: “Ich bin nicht Stevie.” Aber natürlich schreibe er über Charaktere, in denen er sich wiederfinde. “Ich habe einen guten Teil meiner 20er damit verbracht das zu tun, von dem ich dachte, dass das die anderen von mir erwarten”, so Hill.

Die Schwachstelle des im grobkörnigen 16mm-Format gedrehten Werk ist dann auch nicht die Charakterzeichnung, sondern seine ostentative Nostalgie. Hill bemüht sich mit teils überbordender Liebe zum Detail inklusive des Soundtracks, die 1990er-Jahre wiederaufleben zu lassen, rückt die Staffage der Erzählung dadurch bisweilen zu sehr in den Vordergrund. Alles in allem ist “Mid90s” jedoch ein vielversprechendes Regiedebüt, das auf mehr hoffen lässt.+

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(APA/Red)

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