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Michael Ludwig: Erste Wien-Wahl lief erfolgreich

Bürgermeister Michael Ludwig ist zufrieden mit seiner ersten Wien-Wahl.
Bürgermeister Michael Ludwig ist zufrieden mit seiner ersten Wien-Wahl. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Die erste Wien-Wahl unter Bürgermeister Michael Ludwig ist geschlagen, die SPÖ Wien konnte auf etwa 42 Prozent zulegen. Ihr Parteichef trat erst 2018 die Nachfolge von Michael Häupl als Partei- und Stadtchef an.

Die Traditionspartei SPÖ ist bei der Wien-Wahl am 11. Oktober unter der etwas sperrigen Bezeichnung "SPÖ - Bürgermeister Dr. Michael Ludwig" angetreten. Und der Wahlkampf-Fokus auf den Stadtchef und SPÖ-Spitzenkandidaten hat sich ausgezahlt. Man wird wohl deutlich über der 40-Prozent-Marke zu liegen kommen.

Dabei trat Ludwig erst vor gut zwei Jahren in große Fußstapfen. Er folgte Langzeit-Bürgermeister Michael Häupl nach und ist folglich zum ersten Mal bei der Wien-Wahl als Parteichef und Listenerster in den Ring gestiegen. Dass Michael Ludwig ganz oben auf der kommunalen Karriereleiter steht, hat vor allem mit der Entscheidung der Delegierten am SPÖ-Sonderparteitag 2018 zu tun. Der damalige Wohnbaustadtrat wurde zum Häupl-Nachfolger gekürt. Er konnte sich relativ klar gegen seinen Kontrahenten Andreas Schieder durchsetzen. Ambitionen auf den Chefposten waren ihm schon länger nachgesagt worden. Und er war auch der erste, der seine Kandidatur öffentlich kundtat.

Start als Stadtrat für Wohnen und Stadterneuerung

In die Stadtregierung kam er im Jänner 2007. Der am 3. April 1961 geborene Wiener übernahm damals den Stadtratsposten für Wohnen und Stadterneuerung vom späteren Kanzler Werner Faymann, der als Infrastrukturminister in den Bund ging. Im März 2009 stieg er zudem zum Vizebürgermeister auf. Die Freude darüber währte jedoch nicht lange: Ludwig musste den Titel bei der Erstauflage von Rot-Grün im Jahr 2010 an Neo-Stadträtin Maria Vassilakou (Grüne) abgeben.

Der stets freundlich und konziliant wirkende Ressortchef propagierte Smart-Wohnungen - die kleiner und anders aufgeteilt sind als "normale" Wohnungen - und setzte unter anderem auf Law-and-Order: Die Hausordnung wurde in den städtischen Wohneinheiten flächendeckend affichiert. 2015 wurde auch der Zugang zum städtisch subventionierten Wohnbau von ihm verschärft. Seither gilt: Je länger man in Wien hauptgemeldet ist, desto weiter rückt man auf der Warteliste nach vorne.

Ludwig als rechter SPÖler?

Diese Regelung war ein weiterer Mosaikstein in jenem Ludwig-Bild, das Kritiker - auch aus der eigenen Partei - gerne verbreiteten. Welches da lautet: Der Stadtrat wolle jenes Klientel bedienen, das sich auch für Parolen der FPÖ erwärmen könne. Dementsprechend galt er zumindest lange Zeit als Proponent des eher rechten Flügels in der Partei.

Dass die Gesprächsbasis mit den Blauen gut war, zeigte sich auch an der großen Zustimmung bei der Stadtrats-Wahl nach dem Urnengang 2015. Er erhielt bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats deutlich mehr als alle anderen Ressortchefs. Konkret waren es 81 von 98 gültigen Stimmen. Ludwig wurde also auch von FPÖ-Mandataren unterstützt. Die Zuneigung, so sie jemals bestanden hat, ist aber längst Geschichte: Die türkis-blaue Koalition im Bund mutierte zum Lieblingsfeind der Stadtregierung, beide Seiten schenkten sich wenig. Zudem hat Ludwig eine Regierungszusammenarbeit mit den Freiheitlichen wiederholt ausgeschlossen.

In Porträts des Ressortchefs, der auch Bezirksparteiobmann in Floridsdorf ist, fehlt ein Begriff quasi nie: Flächenbezirke. Dort, so heißt es, sitzen seine wichtigsten Unterstützer. Beim Auseinanderdriften der Lager in der Wiener SPÖ galt Ludwig als Schlüsselfigur. Er mutierte zum Gegenspieler und Kontrahenten von Bürgermeister Häupl, ohne diesen je direkt zum Abdanken aufzufordern. Dafür waren andere zuständig: Der ehemalige Wiener SPÖ-Landesparteisekretär und nunmehrige SP-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch - ein enger Vertrauter nicht nur von Ludwig, sondern auch von Ex-Kanzler Faymann - war einer der ersten, der Häupl nahelegte, doch beizeiten seine Nachfolge zu regeln.

Schwerpunkte lagen zunächst in der Kultur

Vor seinem Stadtratsamt setzte Ludwig seine Schwerpunkte vorrangig im Kulturbereich, wobei seine politische Laufbahn relativ spät begann. 1994 wurde er zum Bezirksrat in Floridsdorf gewählt, 1996 zog er in den Bundesrat ein, wo er drei Jahre blieb. Im Gemeinderat übernahm Ludwig den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden des Kulturausschusses.

Für diese Aufgabe hatte er in seinem Hauptberuf Erfahrung sammeln können. Der studierte Politologe und Historiker ist Vorsitzender des Verbandes Wiener Volksbildung und damit Chef der traditionsreichen Volkshochschulen im Roten Wien. Ludwig war als Kurs- und Projektleiter in der Erwachsenenbildung tätig, bevor er 1986 zum pädagogischen Leiter einer Volkshochschule avancierte. Daneben war er von 1991 bis 2007 Landesstellenleiter in der politischen Akademie der SPÖ, dem Dr. Karl-Renner-Institut.

Alkoholverbot am Praterstern

Nach seiner Kür zum Parteichef setzte er noch vor seiner Wahl zum Bürgermeister im Mai 2018 Akzente: Aufsehen erregte die Einführung eines Alkoholverbots am Praterstern. Die Verbannung der Trinker-Szene am "Stern" sorgte für einige Debatten und für Kritik von den Grünen. Aber auch ein Teil der eigenen Genossen fühlte sich ordentlich überrumpelt.

Inzwischen haben sich die Wogen aber geglättet. Sein großteils neues Stadtregierungs-Team wurde auch in der Partei mit Wohlwollen aufgenommen. Kritik am Chef ist so gut wie nicht zu vernehmen. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen: Als Ludwig im Herbst 2018 der damals designierten Bundesparteichefin der SPÖ, Pamela Rendi-Wagner, nahelegte, zum Parteivorsitz nicht auch noch den Klubsitz zu übernehmen, da dies eine "starke persönliche Belastung" darstelle, war er mit teils erbosten Reaktionen konfrontiert.

Michael Ludwig ist relativ rasch aus dem Schatten seines Vorgänger getreten - auch weil dieser sich mit Kommentaren zur Tagespolitik zurückhält. Dass der neue Mann an der Spitze trotzdem gelegentlich als "Bürgermeister Michael Häupl" begrüßt wird, liegt wohl auch am gemeinsamen Vornamen.

Nicht immer in Harmonie mit den Grünen

Zurückhaltung übte zuletzt auch Ludwig, nämlich als es um die rot-weiß-roten Coronamaßnahmen ging, die er mittrage, wie er stets betont. Überhaupt gab der Floridsdorfer stets den konzilianten Krisenmanager - meistens zumindest: Denn als etwa die Bundesgärten während des Lockdowns ihre Pforten schlossen, zeigte sich Ludwig erbost und urgierte, die Tore doch umgehend wieder zu öffnen. Dass ausgerechnet Grünen-Chefin Birgit Hebein dann das Wiederaufsperren in einer gemeinsamen Aussendung mit Bundesministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) verkündete, sorgte nicht unbedingt für einen Harmonieschub in der Rathauskoalition.

Es folgte eine Art Normalisierung im politischen Betrieb. Der Bund nahm die Hauptstadt wegen Ludwigs Gastro-Gutscheinen und zumindest vorübergehend wegen der Infektionszahlen ins Visier, die SPÖ wiederum äußerte Unmut über grüne Verkehrsmaßnahmen wie temporäre Begegnungszonen oder das geplante Fahrverbot in der Innenstadt.

Gekommen, um zu bleiben

Große Sorgen, dass er den Bürgermeistersessel bald wieder räumen würde müssen, musste sich Ludwig im Vorfeld der Wahl ohnehin nicht machen. Umfragen prophezeiten recht konstant Zugewinne. Freudvolle Erlebnisse hatte Ludwig im Rathaus aber auch bereits zuletzt: Vor zwei Jahren heiratete er im Roten Salon des Rathauses seine langjährige Lebensgefährtin Irmtraud Rossgatterer.

Als politisches Vorbild nennt er Bruno Kreisky, musikalisch ist er Fan vom Ostbahn-Kurti und den Wiener Symphonikern. Auch beim Lieblingsgetränk zeigt er sich lokalpatriotisch: Wiener Wasser.

(APA/red)

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