Mezzosopranistin Jelena Obraszowa gestorben

Als russischer Weltstar hat sich Jelena Obraszowa noch im Oktober in Moskau zu ihrem 75. Geburtstag mit einem "Opernball" feiern lassen. Das legendäre Bolschoi Theater inszenierte eine Gala für Obraszowa - in einem schwarzen Kleid sang sie noch einmal die Gräfin aus "Pique Dame". Nun ist die Operndiva wenige Monate nach dem Spektakel, bei dem sie Weltstars wie Anna Netrebko ehrten, gestorben.


Obraszowa habe seit langem schwere gesundheitliche Probleme gehabt, sagte die Direktorin der Obraszowa-Stiftung, Natalia Ignatenko. Auf Anraten der Ärzte habe sie den rauen russischen Winter gegen das mildere Klima in Deutschland getauscht und sich in einer deutschen Klinik behandeln lassen.

“Ihr Herz hat aufgehört zu schlagen”, sagte Ignatenko. “Wir alle trauern um sie.” Obraszowa galt als erste russische Sängerin von Weltruf seit den Erfolgen von Fjodor Schaljapin (1873-1938). Moskaus Staatsfernsehen nannte die an internationalen Bühnen gefeierte Mezzosopranistin die “beste Carmen” aller Zeiten.

Noch am 28. Oktober hatte das Fernsehen live die bewegende Gala zu Ehren der Diva übertragen. Es war ein Abend, der ein ungewöhnliches Leben nachzeichnete. Obraszowa wurde am 7. Juli 1939 in Leningrad (St. Petersburg) geboren. Sie erlebte als Kind zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges die Leningrader Blockade mit, bei der die deutsche Wehrmacht die Millionenstadt gezielt aushungern wollte.

Nach ihrer Ausbildung in den 1960er-Jahren am Leningrader Konservatorium begann sie eine vielversprechende Karriere in der Sowjetunion – am bedeutendsten Theater des Landes, dem Bolschoi in Moskau. Ihre Erfolge im Westen machten sie letztlich auch zu einem kulturellen Exportschlager der Sowjetunion.

Das größte Staatstheater Russlands erinnerte in Videoeinspielungen zur Obraszowa-Gala an die Auftritte des Stars an vielen Bühnen der Welt, darunter die Metropolitan Opera in New York und Covent Garden in London. Weltstar Placido Domingo gratulierte in einer Videobotschaft. Er erinnerte an ihren Auftritt in dem Opernfilm “Cavalleria Rusticana” (1985) von Franco Zeffirelli nach einer Inszenierung an der Mailänder Scala.

Die Operndiva feierte ihre größten Erfolge zu Zeiten, als in Moskau die Kommunisten das Sagen hatten. Der damalige Außenminister Andrej Gromyko meinte einst, die Sängerin habe mehr für die Sowjetunion getan als alle Botschafter des kommunistischen Imperiums zusammen. Obraszowa stand mit Mirella Freni, Luciano Pavarotti, Joan Sutherland und vielen anderen auf der Bühne. Ihre Stiftung erinnerte auch daran, dass sie mit Stardirigenten wie Herbert von Karajan, Claudio Abbado und Riccardo Muti arbeitete.

An der Wiener Staatsoper debütierte Obraszowa im Rahmen eines Bolschoi-Gastspiels 1971 als Polina in “Pique Dame” und war in den folgenden Tagen auch als Gräfin Besuchowa in “Krieg und Frieden” sowie als Marina Mnischek in “Boris Godunow” zu erleben. 1975 folgte schließlich ihr Rollendebüt am Haus als Carmen und im gleichen Jahr die Amneris (“Aida”). 1980 war Obraszowa als Santuzza (“Cavalleria rusticana”) zu hören, die sie auch in der Premiere von Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung unter Dirigent Adam Fischer 1985 verkörperte. 1986 schließlich war sie die Azucena im “Trovatore”, bevor sie im Jahr darauf nochmals als Amneris ihren letzten Auftritt im Haus am Ring hatte – nach insgesamt 31 Vorstellungen.

Nun wird dem Weltstar eine große Ehre zuteil: Obraszowas Sarg soll von Mittwoch an im Bolschoi Theater aufgebahrt werden, damit sich Musikfreunde verabschieden können. Die Totenmesse sei in der Erlöserkathedrale, dem russisch-orthodoxen Heiligtum, geplant, wie Patriarch Kirill mitteilte. Der Leichnam der Diva werde dann auf dem Neujungfrauenfriedhof in Moskau zur letzten Ruhe gebettet.

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