Men - Kritik und Trailer zum Film

Nach dem Suizid ihres Mannes nimmt sich Harper (Jessie Buckley) eine Auszeit in einem Cottage. Anstelle von Ruhe am Land findet sie sich jedoch alsbald in einer Atmosphäre latenter Bedrohung wieder. Das reicht von ihrem schrulligen Vermieter Geoffrey (Rory Kinnear) über einen nackten Mann, der sie im Wald verfolgt, bis zum örtlichen Kaplan, der sie in ein unangenehmes Gespräch verwickelt. Harpers Situation entwickelt sich zum Albtraum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint und in dem sich alte Traumata mit neuen Gefahren zu mischen scheinen.

an kann vieles über den neuen Film "Men" von Alex Garland sagen, aber so schnell vergessen wird man ihn nicht. Die Freak-Filmorgie des Filmemachers hinter den Sci-Fi-Schönheiten "Ex Machina" und "Annihilation", ist ein Affront gegen das titelgebende Geschlecht. Aber am Ende ist sein Film, eine Mischung aus Body-Horror und Fieberalbtraum, mehr Provokation als feministische Kulturkritik. Ab Donnerstag im Kino.

Men - Kurzinhalt zum Film

Die gerade erst für "Frau im Dunkeln" oscarnominierte, irische Schauspielerin Jessie Buckley spielt Harper, die ein idyllisches Landhaus mitten im englischen Nirgendwo gemietet hat, um sich vom Verlust ihres Mannes (Paapa Essiedu) zu erholen, der bei einem grausigen Sturz ums Leben gekommen ist. Ob es ein Unfall war, oder ob er von selber gesprungen ist, ist zunächst unklar, jedenfalls hat er seine Frau noch kurz vor seinem Tod damit gedroht, sich das Leben zu nehmen, wenn sie ihn verlässt.

Sie braucht Ruhe, und das Erste, was sie tut, als sie im Ferienhaus ankommt, ist, einen Apfel von einem Baum zu essen, eine Tat, für die sie halb im Scherz vom schrulligen Besitzer des Anwesens (Rory Kinnear) über "verbotene Früchte" bekrittelt wird. Garland könnte kaum offensichtlicher sein mit der Eva-im-Paradies-Sünde, und es ist nur eine Anspielung von vielen, die der englische Filmemacher in seinen symbolschwangeren Albtraum einstreuen wird.

Die Männer, denen Harper im Laufe ihres "Urlaubs" begegnet, haben alle eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem Besitzer ihres Ferienhauses, und das ist wörtlich zu verstehen, denn alle werden von dem britischen Shakespeare-Schauspieler Rory Kinnear (seit 2008 M's Stabchef Bill Tanner in den "James Bond"-Filmen) gespielt, dessen englischer Jedermann nicht gruseliger sein könnte. Er spielt einen nackten Stalker, dem Blätter aus dem Kopf wachsen; einen bösen Neunjährigen; den Dorfpolizisten, der Harper nicht ernst nimmt oder den Dorfpfarrer, der zwar verständnisvoll tut, dann aber seine Hand grapschend auf Harpers Schenkel legt, bevor er ihr weiszumachen versucht, dass der Tod ihres Mannes ja wohl ihre Schuld gewesen sei.

Men - Die Kritik

Kinnear ist großartig. Es ist eine schauspielerische Tour de Force und bald rennt Harper um ihr Leben, da jede Manifestation des Filmtitels darauf aus ist, die Frau zu foltern. Was der Film gut macht, und was Alex Garland immer gut macht, ist, eine unheilvolle Stimmung von Angst und Unbehagen zu erzeugen. Aus beschaulichen Waldspaziergängen werden schreckliche Begegnungen mit dem unheimlichen Brummen der Natur und mit lauernden Stalkern.

Aber es ist schwierig zu sagen, was man von "Men" halten soll und genauso schwierig, zusammenzufassen, was Garland sich dabei gedacht hat, außer dem müden Klischee, dass "alle Männer Schweine sind". Er gab sich selbst auch immer zurückhaltend in Interviews, insbesondere über das heftige Crescendo am Ende, das dem Körperhorror von David Cronenberg in Nichts nachsteht, und über das man noch lange im Internet reden wird. Eine Vulva öffnet sich irgendwo im Körper des nackten Herumtreibers, manchmal im Bauch oder im Kopf oder wo auch immer, und dann taucht immer wieder eine fötale Kreatur auf, die sich als die nächste Inkarnation von Rory Kinnear herausstellt. Ja sogar das geschulteste Horrorfilm-Auge wird so etwas noch nicht gesehen haben.

Garland ist ein cleverer Künstler. Mit "Ex Machina" (2004) und "Annihilation" (2018) hat er sich seinem neuen Film bereits angenähert (auch seine Miniserie "Devs" ist großartig), indem er sich auf originelle Art und Weise Ideen über Macht, Geschlechter und Gewalt widmete. "Men" ist ein Film, der von der Notlage einer Frau handeln soll, oder von der Notlage aller Frauen, die unter dem Patriarchat leben. Aber abgesehen davon, dass er viel zu viele Fragen offen lässt, scheint er viel mehr an all diesen seltsamen Kerlen von Kinnear interessiert zu sein, als an der Frau, die von ihnen begrapscht, getadelt und gefoltert wird. Der Titel des Films erweist sich demnach als ziemlich akkurat.

(APA/Red)

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