Melancholischer Saisonauftakt der Wiener Symphoniker im Konzerthaus

Im Konzerthaus feierten Wiener Symphoniker am Sonntag den Saisonauftakt.
Im Konzerthaus feierten Wiener Symphoniker am Sonntag den Saisonauftakt. ©APA (Sujet)
Mit einer Sonntagsmatinee feierten die Wiener Symphoinker im Konzerthaus die Saisoneröffnung. Auf dem Programm standen dabei Wiesnmusi und Melancholie: Markierte Jörg Widmanns humoristischer "Bayerisch-babylonischer Marsch" den schwungvollen Auftakt, folgte sogleich die stimmungsmäßige 180-Grad-Wende mit Edward Elgars Cello-Konzert.

Wenn je ein musikalisches Werk von einem Interpreten determiniert wurde, dann ist es wohl Elgars Cello-Konzert, für das Jacqueline du Pre die legendäre Referenzaufnahme stellt, an der sich nachfolgende Künstler stets messen (lassen) müssen. Truls Mörk positionierte sich dabei als zeitgenössisches Gegenbild der 1987 mit 42 Jahren an MS verstorbenen Kollegin.

Mörk spielte Cello-Konzert

Seine Interpretation des in der Depression nach dem Ersten Weltkrieg 1919 entstandenen Werks ist deutlich langsamer als die von du Pre. Bei Mörk spricht nicht die tiefe Verzweiflung aus den Noten, sondern ebenso empathische Melancholie. Pathetik wird ersetzt durch klare Nüchternheit in der Interpretation, offen ausgelebter Weltschmerz durch stille Wehmut. Dabei vollführte der 52-jährige Norweger mit “Esquire”, seinem selbst in den hohen Lagen frappant sonor klingenden Montagnana-Cello aus 1723, eng umschlungen einen wiegenden Tanz auf der Stelle.

Melancholie und Wiesnmusi im Konzerthaus

Am Beginn des musikalischen Morgens im Wiener Konzerthaus stand aber Jörg Widmanns 2011 uraufgeführter “Bayerisch-babylonischer Marsch”, ein Derivat seiner im Vorjahr umjubelten Oper “Babylon”. Die Holzhackerbuam und die Wiesnmusi, die den Beginn des Stücks dominieren, gleiten schlussendlich in ein babylonisches Sprachen-, sprich Motivgewirr ab. Und zum Schluss setzte Symphoniker-Pultdebütant James Gaffigan noch einen frischen Akzent mit Robert Schumanns Symphonie Nr. 4. Der einstige Assistant Conductor von Franz Welser-Möst in Cleveland interpretierte das Werk nicht schwelgend-romantisch, sondern mit großer Leichtfüßigkeit und dem Fuß am Gaspedal. Alles in allem ein zu Recht umjubelter Start in die neue Saison. (APA)

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