Medwedews "historischer Besuch" in Belgrad

Der serbische Außenminister Vuk Jeremic spricht seit Tagen von einem "historischen" Besuch. Der russische Präsident Medwedew wird zum 65. Jahrestag der Befreiung Belgrads im Zweiten Weltkrieg zu einem Besuch in Belgrad erwartet.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew wird zum 65. Jahrestag der Befreiung Belgrads im Zweiten Weltkrieg durch jugoslawische Partisanen und sowjetische Truppen am 20. Oktober zu einem Besuch in der serbischen Hauptstadt erwartet. Es ist nicht der erste Belgrad-Aufenthalt Medwedews. Im Februar 2008 hatte er als Vizepremier und einer der Gazprom-Chefs die serbische Hauptstadt ohne großes mediales Aufsehen besucht. Kurz zuvor war der Verkauf des serbischen Erdölunternehmens NIS an das russische Gasunternehmen vereinbart worden.

Eine Woche vor dem Besuch laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Details des Besuchs werden noch geheim gehalten. Der russische Botschafter in Belgrad, Alexander Konusin, verkündete bereits, dass Medwedew eine “erfreuliche Nachricht” bekanntgeben wolle. Es geht um einen Ein-Milliarden-Dollar-Kredit (677 Mio. Euro), der zum Teil für die Deckung des Budgetdefizits und zum Teil für Infrastrukturprojekte, auch für den in Belgrad seit langem geplanten U-Bahnbau, verwendet werden soll. Die russischen Nachbarstaaten Weißrussland und Ukraine erhielten dagegen erst vor wenigen Tagen eine Kreditabsage aus Moskau.

Im Laufe des achtstündigen Aufenthaltes Medwedews sollen auch sechs bilaterale Abkommen etwa über eine kulturelle und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit und den Luftverkehr unterzeichnet werden. Auf dem Programm stehen Gespräche mit Präsident Boris Tadic, Ministerpräsident Mirko Cvetkovic, eine Kranzniederlegung am Denkmal für die sowjetischen Befreier Belgrads, aber auch ein feierliches Kulturprogramm im “Sava”-Kongresszentrum.

Auch wenn sich manch serbischer Anhänger Russlands mehr über den Besuch des früheren Präsidenten, Premier Wladimir Putin freuen würde, werden viele von ihnen wohl nicht versäumen wollen, Medwedew wenigstens bei einer Stadtrundfahrt in seinem gepanzerten “Zil-41052” für einen Augenblick vor Augen zu bekommen. Aus Sicherheitsgründen war zunächst nicht bekannt, ob sich eine Möglichkeit dazu bieten wird.

Was bereits feststeht, sind eine Reihe von Begleit-Veranstaltungen. In einem südserbischen Dorf proben 100 Trompetenspieler seit Tagen ein passendes Programm, das sowohl das russische Volkslied Kalinka als auch den Kosakentanz Kasatschok einbezieht. Das von heimischen Geschäftsleuten mit 130.000 Euro finanzierte Programm soll vor dem serbischen Parlament vorgetragen werden. Die von Innenminister Ivica Dacic zuvor in Aussicht gestellte Militärparade wird hingegen nicht stattfinden.

Im Mittelpunkt der Begleitveranstaltungen steht die Kultur. Der Dichter Alexander Puschkin erhält ein Denkmal in Belgrad. Mit einer Neuausgabe der gesammelten Werke soll auch Leo Tolstoi einige Monate vor seinem 100. Todestag geehrt werden. Das Belgrader Musikfestival BEMUS wird dagegen ohne das geplante Abschlusskonzert mit Werken von Igor Strawinsky über die Bühne gehen. Am Tag vor Medwedews Besuch steht das “Sava”-Kongresszentrum den Veranstaltern nämlich nicht zur Verfügung.

Ein Anliegen Moskaus wird trotz der Bemühungen des russischen Botschafters nicht in Erfüllung gehen. Die Straßen im Stadtzentrum, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach sowjetischen Kriegshelden benannt wurden und 1997 wieder ihre Vorkriegsnamen erhielten, werden diese auch weiter tragen. Sowjetische Helden werden auf neue Straßenzüge warten müssen.

Die aktuelle serbisch-russische Partnerschaft, der in Belgrad gerne das Beiwort “strategisch” beigefügt wird, ist neueren Datums. Nach dem Sturz des Regimes von Slobodan Milosevic im Jahre 2000 waren die proeuropäischen Regierungen nur wenig an einer Festigung der Kontakte zu Moskau interessiert. Erst die Aufnahme der UNO-geführten Gespräche zum Status des Kosovo vor vier Jahren, bei denen Russland die Positionen Belgrads gegen die Unabhängigkeit seiner südlichen Provinz unterstützte, führte zur Erneuerung der Partnerschaft. “Wir haben unseren Standpunkt zum Kosovo nicht geändert und beabsichtigen dies auch nicht zu tun”, bekräftigte dieser Tage Alexander Alexejev aus dem russischen Außenministerium. Auch wenn am 1. Dezember vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag eine öffentliche Anhörung in der Kosovo-Frage beginnt, wird Moskau den Standpunkt Belgrads gegen die Unabhängigkeit des jüngsten Landes Europas verteidigen.

Medwedew ist der erste Präsident Russlands, der Serbien offiziell besucht. 1986 war der damalige sowjetische Kommunistenchef Michail Gorbatschow in Belgrad, 1976 der damals schon betagte Leonid Breschnew.

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