Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

MedKonkret: Auch Indianer kennen Schmerzen

©Screenshot Video
Unbehandelt kann Gesichtsschmerz lebensbedrohlich werden.

Zahnschmerzen sind das eine und lassen sich meist rasch beheben. Zähne können aber noch viel mehr anrichten, wie Primar Oliver Ploder in seinem MedKonkret-Vortrag an Beispielen verdeutlichte. Der Leiter der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im Landeskrankenhaus Feldkirch berichtete unter anderem von Notfällen mit drastischen Auswirkungen. Ein Patient erblindete aufgrund eines Eiterzahns, weil er aus Angst zu spät zum Arzt ging. Bei einer Patientin verursachten desolate Zähne einen bösartigen Knorpeltumor, eine Krebsart, die höchst selten vorkommt. Es war Rettung in letzter Minute. Auch Abszesse in der Mundhöhle können lebensgefährliche Situationen heraufbeschwören. „Eine verringerte Mundöffnung ist ein Symptom für einen Abszess“, klärte Ploder auf. Tritt dieses Symptom plötzlich auf, ist Eile geboten. „Wenn der Abszess aufbricht, kann der Patient ersticken“, lautete die einfache medizinische Begründung.

Gefragtes Zentrum

Ab Jänner 2019 fungiert Primar Oliver Ploder als Präsident der Österreichischen Fachgesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, kurz MKG genannt. In Deutschland ist dieser Begriff schon lange salonfähig, in Österreich noch kaum bekannt. Das will Ploder mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit ändern. Dem Exkurs in die nahe Zukunft folgte jener in den ärztlichen Alltag, und der ist für MKG-Chirurgen vielfältig. Fehlstellungen, Implantationen, Krebs, Abszesse, Ästhetische Chirurgie, Kiefergelenke: Das und noch mehr fällt in den Aufgabenbereich der MKG-Chirurgie. „Mittlerweile sind wir ein Zentrum geworden“, berichtete Ploder von Patienten, die aus allen Bundesländern und sogar aus der Schweiz und aus Deutschland ins Landeskrankenhaus Feldkirch kommen, um sich auf seiner Abteilung behandeln zu lassen.

Patienten-Beurteilung

Als Einleitung zum eigentlichen Thema umriss Oliver Ploder die Bedeutung von Schmerz, der in erster Linie eine Warnfunktion hat, vor allem, wenn er akut auftaucht. Unbehandelt kann er sogar lebensbedrohlich werden. Eigenschaften wie brennend, stechend, drückend oder quälend geben dem Arzt einen Hinweis auf die Ursache des Schmerzes. Was sein Ausmaß anlangt, ist die Medizin auf die Beurteilung durch den Patienten angewiesen. „Sonst ist es extrem schwierig, die Quantität des Schmerzes festzustellen“, sagte Ploder.

Bei Zahnschmerzen, Entzündungen des Zahnmarks und Zahnfleisches (Gingivitis) sowie Schäden am Zahnhalteapparat (Paradontitis) ist der niedergelassene Zahnarzt erste Adresse für eine Behandlung. Bei Kiefergelenks- oder anderen Gesichtsschmerzen kommen mitunter mehrere Disziplinen zum Einsatz. Dazu gehören die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, die Neurologie, die Augenheilkunde, die Hals-, Nasen-Ohren-Heilkunde sowie die Allgemeinmedizin. Schmerzen im Gesicht oder in der Stirnregion können nämlich auch von einer stark beanspruchten Halswirbelsäule und Nackenmuskulatur herrühren. „Exzessiver Handygebrauch“, nannte Oliver Ploder als Stichwort.

Kiefergelenk als Achillesferse

Besonders häufig sind Kiefergelenksschmerzen, hervorgerufen etwa durch Knacken, Knirschen und Beschwerden beim Schlucken. Rund eine Million Österreicher leiden daran. Auch die Nebenhöhlen können Schmerzen machen. „Sehr oft ist die Ursache ein Zahn“, merkte Ploder an. Bei ihm landen die ganz schweren Fälle. Rund 130 Kieferbrüche operiert sein Team pro Jahr. Auch Mundhöhlenkrebs ist ein Thema. „Leider kommt mehr als die Hälfte der Patienten im Endstadion“, bedauerte Primar Ploder. Grund auch hier: die Angst. Rauchen und Alkohol sind die ungesunden Wegbereiter von Mundhöhlenkrebs.

Zum Schluss beantwortete der MKG-Leiter noch die Frage, wohin bei Schmerzen im Gesichtsbereich. Zahnschmerzen, Kopfschmerzen und Gesichtsschmerzen klärt in einem ersten Schritt der niedergelassene Arzt ab. Bei Bedarf überweist er den Patienten an eine Fachdisziplin. Abszesse, Frakturen und akute Kieferhöhleneiterungen sind hingegen Sache der MKG-Chirurgie. Außerdem räumte Oliver Ploder mit dem oft zitierten Satz „ein Indianer kennt keinen Schmerz“ auf. Diesen Spruch gibt es nur im deutschsprachigen Raum. Er stammt aus der Feder von Karl May und hat mit der Wirklichkeit absolut nichts zu tun. „Sagen Sie das zu niemanden“, mahnte Ploder. VN-MM
Info: Der Vortrag kann ab Montag auf gesundheit.vol.at nachgesehen und nachgehört werden

Fragen aus dem Publikum

Wie lässt sich das Knacken im Kiefer verhindern?
Ploder Es gibt fast keine Therapie dagegen, Sie müssen damit leben. Unter Umständen können Schienen, die vom Zahnarzt angefertigt werden, helfen.

Ich leide an Gesichtsschmerzen, werde damit aber nicht ernstgenommen. Es wurde mir nur empfohlen, zum Psychologen zu gehen. Warum?
Ploder Das Schwierige an chronischen Schmerzen ist, dass sich manchmal nichts eindeutig Organisches finden lässt. Für die involvierten Fachbereiche gilt es, organische Ursachen auszuschließen. Ist das erfolgt, kommt die psychische Ebene ins Spiel. Mitunter wird dann eine kombinierte Behandlung durchgeführt.

Stehen bei Kiefergelenks-Arthrose schon künstliche Ersatzteile zur Verfügung?
Ploder Arthrose am Kiefergelenk tritt häufig auf. Dabei handelt es sich um eine Abnützungserscheinung, bei der irgendwann Knochen auf Knochen reibt, was sehr schmerzhaft ist. Es gibt Kiefergelenks-Prothesen, die Erfolgsquote bei diesen Titanimplantaten ist allerdings schlecht. Weltweit werden pro Jahr nur 20.000 solcher künstlichen Gelenke implantiert.

Kommt das Knacken auch von der Kiefergelenks-Arthrose?
Ploder Nein, das sind zwei verschiedene Dinge.

Ich habe einen Stiftzahn und trotzdem Schmerzen beim Beißen. Wie kommt das, da es sich ja um einen toten Zahn handelt?
Ploder Leider ist auch ein Stiftzahn nicht vor Entzündungen gefeit. Es können sich Bakterien einnisten und die Wurzelspitzen beeinträchtigen.

Stimmt es, dass bei Kieferknochen keine Osteoporose auftritt?
Ploder Ja, zumindest nicht die herkömmliche Osteoporose. Das liegt daran, dass die Belastung auf diese Knochen anders verteilt ist. Allerdings kann es zu Knochenschwund kommen, wenn Zähne im Kiefer fehlen.

Woher rührt das Zähneknirschen?
Ploder Das ist eine Methode der Stressbewältigung.

Können Gesichtsschmerzen auch von den Bandscheiben herrühren?
Ploder Ja.

Fill 1Created with Sketch. zurück zur Startseite
  • VIENNA.AT
  • Gesundheit
  • MedKonkret: Auch Indianer kennen Schmerzen
  • Kommentare
    Kommentar melden
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen