Medizin-Schwerpunkt im Uni-Budget für 2022-2024

Bildungsminister Martin Polaschek fungierte früher als Rektor der Uni Graz.
Bildungsminister Martin Polaschek fungierte früher als Rektor der Uni Graz. ©APA/HERBERT NEUBAUER (Symbolbild)
Rund 12,3 Milliarden Euro bekommen die Universitäten für die Leistungsvereinbarungsperiode 2022 bis 2024. Zuletzt waren es noch 1,3 Milliarden Euro weniger gewesen.

Besonders groß fällt das Budget-Plus diesmal bei den Medizin-Unis aus. Inhaltliche Schwerpunkte sind neben weiteren Verbesserungen bei Betreuungsverhältnissen und Prüfungsaktivität diesmal auch Forschung und Nachhaltigkeit, wie Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) vor Journalisten erklärt hat.

Plus für Universitäten

Die neuen Leistungsvereinbarungen bringen allen Universitäten ein Plus, je nach Standort gibt es zwischen neun Prozent (Uni Graz) bis zu knapp 17 Prozent (Medizin-Uni Graz) mehr als in den Jahren 2019 bis 2021. "Ich denke unterm Strich können eigentlich alle Universitäten zufrieden sein", so Polaschek, der vor dem Wechsel ins Ministeramt selbst Rektor der Uni Graz war. Immerhin habe es mit plus 15 Prozent bereits 2019 bis 2021 "eine ganz massive Steigerung der Finanzen" gegeben. Dass Universitätsmanager mit ihrem Budget nie zufrieden sein könnten, "gehört im Grunde genommen zur Folklore dazu".

Die Universitätenkonferenz (uniko) warnte unterdessen per Aussendung, das Budget-Plus drohe durch steigende Inflation und Personalkosten sowie massive Zusatzbelastungen im Corona-Management "aufgefressen" zu werden. "Das erklärte Ziel, die heimischen Universitäten bei der Finanzierung an internationale Standards heranzuführen, ist dadurch nahezu unmöglich", betonte uniko-Präsidentin Sabine Seidler und forderte eine Evaluierung und strategische Weiterentwicklung der Leistungsvereinbarungen. Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) begrüßte zwar per Aussendung das Budget-Plus, von einer Ausfinanzierung sei man allerdings noch weit entfernt. Kritik übten die Studentenvertreter auch am Ausbau von Drittmittelfinanzierung. Die Fachhochschulkonferenz (FHK) forderte unterdessen ebenfalls zusätzliches Geld, die jüngste Erhöhung vor einem Jahr sei nämlich bereits in gestiegenen Kosten aufgegangen.

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Nach Universitätstyp am größten fällt der Zuwachs mit 14 Prozent an den Medizin-Universitäten Wien, Graz und Innsbruck aus, immerhin ist Medizin diesmal inhaltlicher Schwerpunkt: Neben der weiteren Aufstockung der Studienplätze sind Investitionen in die medizinische Forschung und vor allem der Infektiologie geplant. "Corona hat uns gezeigt, dass wir in Österreich in diesem Bereich mehr Schwerpunkte setzten müssen", betonte Polaschek. Dafür wird an den Unis das wissenschaftliche Personal aufgestockt und zusätzlich die Expertise in diesem Bereich in einem neuen Ignaz-Semmelweis-Institut gebündelt. Daraus soll laut Polaschek ein Pendant zum deutschen Robert-Koch-Institut werden.

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Über 10 Milliarden Euro im Uni-Budget

Von den 12,3 Mrd. Euro im Uni-Budget werden diesmal 11,1 Mrd. über die Leistungsvereinbarungen vergeben, in denen die einzelnen Standorte mit dem Bildungsministerium ihr Budget und dafür zu erfüllende Leistungen ausverhandeln. Dabei kommt diesmal zum zweiten Mal eine Art Studienplatzfinanzierung zum Einsatz: 55 Prozent der Mittel werden nach bestimmten Indikatoren vergeben, der wichtigste ist die Prüfungsaktivität (im Umfang von mindestens 16 ECTS pro Studienjahr), dazu kommen noch die Studienabschlüsse oder die Einwerbung von Drittmitteln. Im Gegenzug gibt es pro prüfungsaktiv betriebenem Studium Geld, je nach Aufwand sind es zwischen 10.700 Euro (Buchwissenschaften) bis zu 53.500 (Kunst- und Musikstudien).

Mit dieser Systemumstellung ist Polaschek zufrieden: So konnte etwa die Prüfungsaktivität wie geplant um 3,2 Prozent auf 185.164 betriebene Studien gesteigert werden. "Wir sehen: Die kapazitätsorientierte, studienbezogene Universitätsfinanzierung zeigt Wirkung. Wir konnten damit trotz Corona die Prüfungsaktivität deutlich erhöhen." Das Ziel von Ministerium und Unis sei es nun, das hohe Niveau von 183.000 bis 185.000 prüfungsaktiv betriebenen Studien weiter zu halten. Schon das ist laut Polaschek eine Herausforderung: In der abgelaufenen Leistungsvereinbarungsperiode haben nicht alle Universitäten dieses Ziel erreicht, darunter auch die Uni Graz. Anreize (Tutorien etc.) hätte nur zum Teil gegriffen, berichtet Polaschek aus eigener Erfahrung. Dennoch müssten die Unis sich weiter Gedanken machen, wie sie Studierende zum Ablegen von Prüfungen motivieren können. Ein "Zwangsregime" schließt er dennoch aus.

Polaschek möchte nachbessern

Weiter nachbessern will Polaschek auch bei den Betreuungsverhältnissen. In der vergangenen Leistungsvereinbarungsperiode gab es 360 zusätzliche Professuren. Das habe vor allem dort, wo es davor besonders schlechte Betreuungsverhältnisse gab, Verbesserungen gebracht. So kommen auf einen Lehrenden heute rechnerisch nur noch 39 statt davor 42 Studierende. Allerdings sehen die Zahlen vor allem in den Buchwissenschaften noch ganz anders aus, so kommen etwa in der Kommunikationswissenschaft 123,5 Studentinnen und Studenten auf einen Lehrenden.

2022 bis 2024 sollen nun 60 weitere Professuren bzw. äquivalente Stellen dazukommen, 30 davon im Rahmen des Medizin-Schwerpunkts "Medimpuls 2030" und 30 weitere zur Verbesserung der Betreuungsverhältnisse in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Technik, Naturwissenschaften). In den Leistungsvereinbarungen wurde diesmal außerdem ein Verschlechterungsverbot festgeschrieben, Unis mit bereits gutem Betreuungsniveau müssen dieses also halten.

Unis müssen Überprüfung vornehmen

Zur Verbesserung der Studienbedingungen müssen die Unis außerdem ihre "ECTS-Gerechtigkeit" überprüfen, also inwiefern die bei einer Lehrveranstaltung angegebenen ECTS-Punkte mit der tatsächlichen Arbeitsbelastung übereinstimmen. In der Vergangenheit hat es hier wiederholt Kritik daran gegeben, dass die Bewertung je nach Standort sehr unterschiedlich ausfällt. Das Ministerium wisse aus Studierendenbefragungen, dass es hier in bestimmten Bereichen Handlungsbedarf gibt, erklärte Hochschulsektionsleiter Elmar Pichl. Er rechnet allerdings damit, dass es nur punktuell Änderungsbedarf geben wird.

Während die Verbesserung der Studienbedingungen das beherrschende Thema der Leistungsvereinbarungen 2019-2021 waren, hat diesmal laut Polaschek auch die Forschung inhaltlich "wieder eine stärkere Rolle" gespielt. Das zusätzliche wissenschaftliche Personal werde auch zur Stärkung von Forschungsbereichen beitragen. Zudem hätten sich viele Universitäten innovative Ziele zur Einwerbung von Drittmittel gesetzt.

Womit der Bildungsminister rechnet

Thematisch erwartet Polaschek Schwerpunkte auf Nachhaltigkeit: "Die Universitäten können hier sowohl durch Forschung als auch durch das Vorleben eines nachhaltigen Wirtschaftens einiges beitragen." Er geht auch davon aus, dass durch die Ausschreibung der Exzellenzinitiative und durch das EU-Forschungsrahmenprogramm "Horizon Europe" in dieser Periode das Thema wieder eine stärkere Rolle einnehmen wird. Auch bei der Förderung von Innovationen oder von Startups an den Universitäten erwartet Polaschek Schwerpunkte im Bereich Medizin und Nachhaltigkeit.

(APA/Red)

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