Maßnahmen wirken: Corona-Zahlen gehen weiter zurück

Gesundheitsminister Anschober bei der heutigen Pressekonferenz.
Gesundheitsminister Anschober bei der heutigen Pressekonferenz. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Die Maßnahmen des "leichten" und des "harten" Lockdowns zeichnen erste Erfolge, die Infektionszahlen in Österreich gehen leicht zurück. Auch die Zahlen in den Spitälern stabilisieren sich auf hohem Niveau.

Der leichte Rückgang bei den Corona-Neuinfektionen in Österreich setzt sich fort. Mit Stand 9.30 Uhr wurden binnen 24 Stunden 4.954 Personen neu positiv auf das Virus getestet. Nun müssten die Zahlen aber weiter "dramatisch sinken", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag bei einer Pressekonferenz. .

Auch in den Spitälern hat sich die Lage stabilisiert. 4.405 Personen waren noch hospitalisiert, 703 davon auf Intensivstationen. Trotz der sinkenden Zahlen sprach Anschober von einer "dramatischen Situation" in Österreich.

Auf Intensivstationen noch kein Trend nach unten

"Die Zahlen sind nach wie vor dramatisch hoch, das halten wir auch nicht lange aus", betonte der Gesundheitsminister. Es sei nun der elfte Tag des harten Lockdowns und jeder sollte sich noch einmal fragen: "Was brauchen wir an Kontakten, was ist vermeidbar?" Auf den Intensivstationen sollten nicht nur Triagen vermieden, sondern auch Entlastung geschaffen werden.

"Wir haben einen dramatischen Zuwachs erlebt auf den Intensivstationen", sagte Klaus Markstaller, Präsident der Intensivmedizin-Fachgesellschaft ÖGARI bei der Pressekonferenz. Mehr als 700 der rund 2.000 Intensivbetten in Österreich seien nach wie vor belegt. Zehn Prozent seien problemlos zu belegen, aber da beginne es bereits damit, dass Patienten verlegt und Operationen nicht zeitgerecht durchgeführt werden, erläuterte der Mediziner.

Die aktuelle Auslastung von einem Drittel sei sehr hoch, "aber es ist keine Katastrophe". Die Zahlen stabilisieren sich, bedankte sich Markstaller auch bei der Bevölkerung. Es sei zu keiner kritischen Phase bei einer 50-prozentigen Auslastung oder einer Triage gekommen. Er betonte aber die Wichtigkeit der weiteren Einhaltung der Corona-Maßnahmen.

"System bis an die Grenzen belastet"

"Das System ist bis an die Grenzen belastet", sagte der per Video zugeschaltete Direktor des Departments Innere Medizin an der MedUni Innsbruck, Günter Weiss. Die Zahl sei auf Normal- und Intensivstationen "nach wie vor sehr hoch" und es werde "dringend Entlastung gebraucht" vor der Influenza-Welle. Es sei nicht möglich gewesen, den Normalbetrieb in den Spitälern aufrecht zu erhalten, berichtete Bernd Lamprecht, Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz. Planbare Operationen - sogenannte elektive Eingriffe - mussten verschoben werden, das betraf etwa Leistenbrüche, Grauen Star und Hüft-OPs. "Dies muss alles nachgeholt werden", sagte Lamprecht.

Auf den Intensivstationen befinden sich derzeit hauptsächlich jüngere Patienten, die berufstätig sind, erläuterte Markstaller. Es handle sich meist um 50- bis 60-Jährige, berichtete er aus dem AKH Wien. Dort sei der älteste Intensivpatient derzeit 68 Jahre alt und die jüngste intensivpflichtige Patientin 19 Jahre. "Covid-19 ist bei manchen Menschen eine wirklich schwere Erkrankung". Zudem gibt es auch "Folgewirkungen, wie wir inzwischen wissen", warnte der Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie am AKH Wien.

Pläne für Skisaison nächste Woche

"Ich glaube, wir könnten in den nächsten Wochen relativ gut Weihnachten verbringen, wenn es eine gemeinsame Kraftanstrengung wird", sagte Markstaller. Kraftanstrengung "bedeutet nicht Verzicht auf Weihnachten", erläuterte der ÖGARI-Präsident, sondern unter den Gegebenheiten zu leben, bis wir eine Impfung haben. Das sei "leider unsozial", würde aber dabei helfen, "ein so normales Weihnachten wie möglich" zu verbringen. "Wir Intensivmediziner tun auch unser bestes dafür."

Es gebe weiterhin die Chance eine "Katastrophe zu vermeiden, Triage zu vermeiden", sagte Anschober. Es liege noch sehr viel vor uns, dass wir das schaffen. "Das dürfen wir durch zu starke, zu rasche Öffnungsschritte einfach nicht gefährden", betonte der Gesundheitsminister auch auf Nachfrage zu den Regierungsplänen für die Skisaison. Diese sollten am kommenden Mittwoch auf den Tisch gelegt werden. Bis dahin laufe noch sehr intensiv ein interner Arbeitsprozess.

(APA/red)

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