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Maske, Schal, Tuch oder Motorradhelm: Maskenpflicht im Supermarkt in Kraft

Ab dem heutigen Montag gilt die Maskenpflicht in den Supermärkten.
Ab dem heutigen Montag gilt die Maskenpflicht in den Supermärkten. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Ab dem heutigen Montag müssen in den österreichischen Supermärkten Mund- und Nasenschutz getragen werden. Ein Lokalaugenschein zeigt, dass es schon sehr routiniert verlief.
Eindrücke aus den Supermärkten

Ohne aufgesetzten Mund-Nasen-Schutz darf in Österreich kein Lebensmittelgeschäft mit mehr als 400 m2 Fläche mehr betreten werden. Das hat das Gesundheitsministerium auf Nachfrage der APA - Austria Presse Agentur konkretisiert. Ausnahmen seien demnach auch nicht möglich, wenn für die Masken Geld verlangt werden bzw. vom Händler dem Kunden keine Masken angeboten werden (können).

Seit heute bietet der Einkauf im Supermarkt ein ungewohntes Bild: Jede und jeder muss einen Mund- und Nasenschutz tragen, sei es eine Maske, ein Tuch oder einen Schal. Selbst Motorradhelm-Träger wurden bereits gesichtet. Ein Lokalaugenschein der APA in unterschiedlichen Bundesländern ergab, dass sich die Menschen daran halten.

Eindruck in Wien: Einkaufen mit Maske als eingeübte Routine

In einer Billa-Filiale in Wien-Neubau konnte man am Montag fast den Eindruck gewinnen, das Einkaufen mit Maske sei bereits längst eingeübte Routine. Das Einhalten des Mindestabstands war insofern kein Problem, als zumindest am Vormittag recht wenig los war. Fast alle Kunden waren bereits beim Betreten des Supermarkts, wo gleich hinter dem Eingang eine Mitarbeiterin mit der desinfizierenden Reinigung der Einkaufskörbe beschäftigt war, mit Mund-Nasen-Schutz ausgestattet und fummelten während des Shoppings auch recht wenig daran herum.

Jene, die noch keine Maske hatten, konnten eine Dreierpackung zu je drei Euro erstehen. Wobei an den Kassen selbst noch Gratis-Exemplare per Zange überreicht wurden. Dort zeigte sich auch, wer schon Profi war und wer noch Anfänger. "Das Blaue außen oder innen?", fragte ein junger Mann eine Kassiererin, die prompt Auskunft gab: "Das Blaue außen."

NÖ: Rewe verkauft Schutzmasken

Eine zwiespältige Bilanz in Sachen Masken-Pflicht offenbarte sich bei einem Einkauf am Montagvormittag in einer Billa-Filiale im niederösterreichischen Zwettl. Die Schutzgegenstände wurden - wie Rewe bereits in der Früh mitgeteilt hatte - nicht kostenlos verteilt, sondern verkauft. Angeboten wurde ein Dreierpack zum Preis von drei Euro. Um dieses zu erhalten, musste allerdings - quasi schutzlos - ein größerer Teil des Supermarktes durchquert werden, da die Masken nicht im Eingangsbereich, sondern erst an der Kassa ausgehändigt wurden.

Positiv registriert wurde, dass trotz der Hürde fast jeder Kunde schon beim Betreten der Filiale einen Mund-Nasen-Schutz trug. Im Trend lagen dabei selbst genähte Masken sowie Stofftücher.

Beim Hofer-Markt in Hof bei Salzburg wurden die Schutzmasken vor dem Eingang kostenlos verteilt. Die Ausgabe schien gut organisiert, es wurde auf Hygiene geachtet. Eine Mitarbeiterin, mit Schutzmaske und Schutzhandschuhen ausgestattet, holte eine Maske mit einer Zange aus einem bereitgestellten Einkaufswagen und händigte sie den Kunden aus. Als zweite Maßnahme wies sie den Einkäufer an, die Haltestange und den Haltegriff "seines" Einkaufswagens mit einer Küchenrolle und einem Desinfektionsspray zu desinfizieren. Die Utensilien waren in einem eigenen Gitterbehälter vor dem Eingang bereitgestellt.

Kühlregal: Abstandhalten war nicht immer möglich

Die Hofer-Mitarbeiterin erklärte jedem Kunden, was er oder sie zu machen hat. Die Leute folgten den Anweisungen während des Lokalaugenscheins ohne Widerrede. Auf mehreren Hinweistafeln wurde zudem über die Covid-19-Hygienemaßnahmen informiert. Im Lebensmittelmarkt herrschte reger Betrieb. Vor dem mit Milchprodukten gefüllten Kühlregal war das Abstandhalten von einem Meter nicht immer möglich.

In einem Intersparmarkt in Graz wurden am Eingang Masken gratis verteilt. Ein Mitarbeiter, der Handschuhe und Mundschutz trug, nahm sie einzeln aus der Packung und händigte sie den Einkaufenden aus. Die Kundenfrequenz war hoch, aber die Abstände wurden eingehalten.

Gärtnerei hatte ebenfalls geöffnet

Auch eine große Gärtnerei hatte geöffnet, dort herrschte Montagvormittag geradezu ein Ansturm auf die Pflanzen. Verkauft wurden nicht nur Frühlingsblüher, sondern auch Gemüsepflanzen und auch schon Sommerblumen. Auch hier trugen die meisten Masken, Abstandhalten wurde ebenfalls groß geschrieben.

Strikte Masken-Pflicht in Supermärkten und Drogerien seit Montag

Margit Draxl, Pressesprecherin des Gesundheitsministeriums, wies darauf hin, dass in der vergangene Woche erlassenen Verordnung bei der Zurverfügungstellung durch die Supermärkte oder Drogerien "ab Verfügbarkeit" der entscheidende Punkt sei. Sofern keine "Schutzmasken" vorhanden seien, muss demnach für das Betreten des Geschäftsraums der Schutz durch selbst mitgebrachten Mund-Nasen-Schutz gegeben sein. Man könne sich ein Tuch umbinden und das nachher bei 60 Grad waschen und noch einmal verwenden, so Draxl.

Die von den Händlern ausgegebenen "mechanischen Schutzvorrichtungen" seien laut jüngster Verordnung zwar kostenlos abzugeben, allerdings sei ein neuer Erlass in Erarbeitung. Der werde regeln, dass die Geschäfte künftig eine Art Selbstkostenbeitrag weiterverrechnen können. "Es soll aber niemand einen Gewinn daraus machen. Das ist der Punkt", sagte Draxl. Rewe (Billa, Merkur, Penny, Bipa, Adeg) verlangen seit Montag 1 Euro pro Corona-Schutzmaske, was laut eigenen Angaben unter dem Selbstkostenpreis liege.

Maskenpflicht: Es darf kein Gewinn erzielt werden

"Wir werden sehr genau kontrollieren, dass maximal der Selbstkostenbeitrag verrechnet wird und hier kein Gewinn erzielt wird", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Montagvormittag dazu. Die Masken "können mitgenommen werden und sollen auch nicht sofort vernichtet werden", sagte der Bundeskanzler. Man müsse mit ihnen "verantwortungsvoll umgehen", sie seien "ein knappes Gut".

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) betonte ebenfalls, dass der mechanische Mundschutz "auch selbst gefertigt" sein kann. Halstücher, Schals oder Ähnliches wären genauso erlaubt, solange Mund und Nase bedeckt werden.

Kritik von der Ärztekammer

Die Österreichische Ärztekammer wiederum bezeichnete es als unverständlich, dass Standards Masken betreffend im Gesundheitsbereich noch fehlen. "Warum es in Supermärkten einen Mundschutz gibt, aber nicht in Spitälern, ist nicht nachvollziehbar", sagte Harald Mayer, der Vizepräsident und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK). Die Realität zeige, dass es den Ärzten an Schutzausrüstung fehle.

Er wies darauf hin, dass ein gewisser Grundstock die Situation enorm entspannen würde. "Es ist absolut notwendig, dass wir hier endlich flächendeckend Material für das Personal und die Patienten erhalten."

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