Marlene Streeruwitz eröffnete O-Töne 2014 im MQ Wien

Marlene Streeruwitz bei der Lesung im MQ
Marlene Streeruwitz bei der Lesung im MQ ©APA
Spätherbstliche Temperaturen unter wolkenverhangenem Himmel begleiteten am Donnerstagabend die Eröffnung der 11. Auflage des Freiluft-Literaturfestivals O-Töne im Wiener Museumsquartier mit einer Lesung von Marlene Streeruwitz.
O-Töne 2014: Programm
Wenn Wolf Haas liest
Streeruwitz eröffnete MQ Wien

Rund 1.000 Zuhörer trotzten den tiefen Temperaturen und lauschten Auszügen aus Streeruwitz’ bissiger Literaturbetriebs-Abrechnung “Nachkommen.”

Marlene Streeruwitz eröffnete O-Töne

Ins Schwitzen hingegen kam Moderatorin Katja Gasser, als Streeruwitz die Dramaturgie des Abends kurzfristig über den Haufen warf und das im Anschluss geplante Gespräch an den Anfang verlegte. Zahlreiche Publikumslacher erzielte sie gleich mit der Replik auf die erste Frage der ORF-Literaturexpertin (“Haben Sie sich mit der Figur der Nelia Fehn so etwas wie eigene Versäumnisse von der Seele geschrieben?”), als Streeruwitz mit einem entgeisterten, beinahe empörten, lang gezogenen und mehrfach wiederholten “Nein” antwortete.

Wenig Autobiographisches in den Texten

Überhaupt seien ihr Leben und ihre Wünsche “nur mehr weit entfernt in meinen Texten vorhanden”. Viel lieber als über sich sprach Streeruwitz dann über die junge Protagonistin des Romans, Nelia Fehn, die sich mit ihrem Debüt “Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland.” auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises befindet und in Frankfurt die ganze Widerwärtigkeit des Literaturbetriebs durchlebt.

Streeruwitz, die im Herbst eben jenen Roman, mit dem Fehn auf der berühmten Liste steht, auch im realen Leben veröffentlichen wird, kritisierte im Kontext des Mega-Events “Frankfurter Buchmesse” etwa das “Aufgefressenwerden vom Markt”, den Neoliberalismus in der Kunst- und Kulturarbeit, der sich schon seit einiger Zeit durchsetze. Auch das vergangenen Sonntag zu Ende gegangene Wettlesen in Klagenfurt bekam sein Fett ab: “Den Voting-Star vom Bachmannpreis gab es zum Beispiel schon lange vor Heidi Klum und ihren Models”, so Streeruwitz.

“Es ist einfach widerlich”

“Auf dieser Seite des Literaturbetriebs kommen Sie sicher um. Es ist einfach widerlich. Widerlich”, betonte die Autorin auch in Richtung der Literaturkritikerin und Bachmann-Jurorin Daniela Strigl, die im Hof des Museumsquartiers in der ersten Reihe saß. “Es tut mir leid, wenn das nun eine Überwältigung war”, beschloss Streeruwitz das Einführungsgespräch nach wenigen Minuten in Richtung Katja Gasser. “Aber es ist doch eigentlich ganz gut gegangen und hat nicht wehgetan.”

Ganz und gar nicht schmerzhaft war zuvor auch der musikalische Eröffnungs-Act gewesen: Die in Wien lebende Medienkünstlerin und Sängerin Mimu Merz spielte mit Matthias Leboucher am Piano und Lukas Lauermann am Cello ein düster-melancholisches Konzert, das mit seinen kritischen Untertönen der Songtexte atmosphärische auf die Streeruwitz-Lesung vorbereitete.

Das Programm der O-Töne im MQ

Bei hoffentlich angenehmeren Temperaturen stehen kommende Woche (17.7.) Lydia Mischkulnig (“Vom Gebrauch der Wünsche”) und Antonio Fian (“Das Polykrates-Syndrom”) sowie in der Woche darauf Angelika Reitzer (“Wir Erben”) auf dem Programm. Weitere Donnerstags-Lesungen gibt es bis zum 28. August noch von Alfred Goubran (31.7.), Teresa Präauer, Franz Schuh (beide am 7.8.), Michael Köhlmeier (14.8.), Daniel Glattauer (21.8.) sowie zum Festivalfinale von Wolf Haas, der erstmals aus seinem neuen Roman der Brenner-Reihe, “Brennerova”, lesen wird.

Mehr Infos zu den O-Tönen im MQ finden Sie hier.

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