"March for Science" in Wien: "Gemeinsam für die Wissenschaft"

Viele dabei beim "Vienna March for Science".
Viele dabei beim "Vienna March for Science". ©APA
Tausende Personen - laut Polizei 1.600, laut Veranstaltern rund 3.000 - gingen Samstagnachmittag beim "March for Science" in Wien auf die Straße, um ein Zeichen für die Wissenschaft zu setzen.
Bilder vom Marsch in Wien

“Wenn die Freiheit der Wissenschaft gefährdet ist, ist die Freiheit der Demokratie gefährdet”, sagte der Politikwissenschafter Anton Pelinka bei der Abschlusskundgebung.Die Demo in Wien war eine von mehr als 500 in aller Welt, um auf die Bedeutung der Wissenschaft hinzuweisen. Ausgangspunkt der weltweiten “March for Science”-Bewegung war die Wahl des als wissenschaftskritisch geltenden Donald Trump zum US-Präsidenten. Zentrale Veranstaltung am Samstag ist der “March for Science” in der US-Hauptstadt Washington DC.

“March for Science” in Wien

Der Wiener “March for Science” ging quer durch die Innenstadt. Unter dem Motto “Gemeinsam für die Wissenschaft” wurde u.a. “Science, not Silence” skandiert, auf Transparenten war etwa “There are no alternative facts”, “Wissenschaft ist keine Meinung”, “Make Facts Great Again” oder “Science works, bitches” zu lesen.

Auch wenn die Veranstalter betonten, mit dem “March for Science” nicht gegen jemanden, sondern “für” die Wissenschaft zu demonstrieren, wiesen verschiedene Transparente auf den politischen Hintergrund hin: “Send Trump down to wormhole” oder “Solidarität mit der CEU”, der von der Schließung bedrohten Central European University in Budapest, stand auf Transparenten.

An dieser CEU lehrt Pelinka und er sieht deren Existenz “durch die nationalistische und populistische Politik der Regierung Orbans” bedroht. Der Grund dafür sei, dass die CEU “so unabhängig ist und zu viel die Freiheit von Wissenschaft und Lehre hochhält – und die ist ein zentraler Wert für die ganze Welt”, sagte der Politikwissenschafter bei der Abschlusskundgebung vor dem Naturhistorischen Museum. Pelinka fehlt hier eine “klare Positionierung der österreichischen Bundesregierung” und forderte Bundeskanzler, Außen- und Wissenschaftsminister auf, “öffentlich diese unglaubliche, die Grundrechte der EU verletzende Maßnahme zu kritisieren”.

“Wissenschaft tragend für Demokratie”

Die Vizepräsidentin der Universitätenkonferenz und Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien, Edeltraud Hanappi-Egger, bezeichnete Wissenschaft und Forschung als “tragende Säulen des demokratischen Systems”, das zeige sich speziell in Systemen mit autoritären Tendenzen, wo Wissenschafter ausgegrenzt oder verjagt würden. Helga Nowotny, Ex-Präsidentin des Europäischen Forschungsrats (ERC), erinnerte mit der Renaissance und der Aufklärung an zwei Bewegungen, die in der Vergangenheit von der Wissenschaft ausgegangen seien und Europa und die Welt verändert hätten.

“Das war nur möglich, weil die Stimme der Wissenschaft weit in die Gesellschaft hineingetragen wurde”, sagte Nowotny. Das müsse wieder passieren und sie sieht die “March for Science”-Bewegung als “Auftakt für eine Öffnung der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft”.

“Wichtig, Freiheit zu demonstrieren”

Unter den Demonstranten fanden sich auch prominente Vertreter des heimischen Wissenschaftssystems: “Es ist wichtig, für die Freiheit der Wissenschaft zu demonstrieren, wenn die Politik das freie Denken nicht schätzt”, sagte der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Christoph Badelt. Für den Präsidenten des Wissenschaftsfonds FWF, Klement Tockner, ist eine “freie Wissenschaft so wichtig wie Presse- und Meinungsfreiheit, das ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft”. Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) bezeichnete seine Demo-Teilnahme als “klares Bekenntnis zu noch mehr Evidenzbasiertheit in der öffentlichen Debatte”. Die Hochschulen und die Wissenschaft hätten dabei eine wichtige Position, “die sie noch mehr wahrnehmen sollten”.

Zur Teilnahme am Wiener “March for Science” haben u.a. die “Allianz österreichischer Wissenschaftsorganisationen” und das Wissenschaftsministerium aufgerufen, organisiert wurde er vom Verein “Wien Wissen”.

(APA)

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