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Mann in Wien-Döbling erschossen: Einweisung

Das Opfer saß auf einer Parkbank, als es erschossen wurde.
Das Opfer saß auf einer Parkbank, als es erschossen wurde. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Jener 47-Jährige, der im November letzten Jahres in Wien-Döbling einen 43-Jährigen erschossen hat, wird in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig
Mann in Döbling erschossen
Verdächtiger stellte sich
Verdächtiger in U-Haft
Mordalarm in Wien-Döbling

An seinem 43. Geburtstag ist Andreas U. im Innenhof einer Wohnhausanlage in Wien-Döbling erschossen worden, während er mit einer Bekannten auf einer Parkbank saß und Youtube-Videos schaute. Dann trat ein 47 Jahre alter Mann auf die beiden zu, zog eine Glock, zielte auf den Kopf des Hobby-Fotografen und drückte ab. Am Mittwoch ist der Schütze von Landesgericht in eine Anstalt eingewiesen worden.

Der 47-Jährige musste sich nicht wegen Mordes verantworten. Wie die psychiatrische Sachverständige Gabriele Wörgötter feststellte, hatte der Mann unter dem Einfluss einer schweren Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis gehandelt. Er war im Tatzeitraum nicht zurechnungsfähig und somit nicht schuldfähig. Da laut Wörgötter befürchtet werden muss, dass er ohne entsprechende Behandlung neuerlich Straftaten mit schweren Folgen begehen wird, hatte die Staatsanwaltschaft seine - zeitlich unbefristete - Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt.

Diesem Ansinnen gaben die Geschworenen einstimmig Folge. Verteidigerin Astrid Wagner war damit einverstanden. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig.

Schütze und Opfer kannten sich vom Sehen

Es sei "Unfassbares passiert", hatte die Staatsanwältin eingangs der Verhandlung hinsichtlich der Bluttat vom 4. November 2019 erklärt. Der Getötete sei "ein herzensguter, hilfsbereiter Mensch" gewesen, der Schütze - von Nachbarn als ruhig und freundlich beschrieben - habe ihn nur vom Sehen gekannt. Er habe wortlos mit der Pistole auf den vor ihm Sitzenden gezielt, "Halt still, es ist ja gleich vorbei gesagt" und ihm dann ins Gesicht geschossen. Das Projektil durchschlug die Schädeldecke des 43-Jährigen, der Vater eines 13 Jahre alten Sohnes hatte keine Überlebenschance.

"A g'sunder Mensch macht so was nicht", gab der Schütze vor einem Schwurgericht (Vorsitz: Claudia Zöllner) zu Protokoll. Und weiter: "Es ist nur passiert, weil ich paranoid schizophren bin." Seine psychische Erkrankung habe er "gar nicht gemerkt" - der 47-Jährige war bis zu seiner Festnahme nie in therapeutischer Behandlung gewesen und hatte auch keine Medikamente eingenommen. Auch seiner Ehefrau war angeblich nie etwas aufgefallen. Im Gegenteil, er sei "der beste Mensch, den man sich vorstellen kann", berichtete die 45-Jährige als Zeugin dem Gericht. Ihr Mann habe ihr "jeden Wunsch von den Lippen abgelesen". Wenn sie um 22.00 Uhr Gusto auf Fast-Food-Essen verspürte, habe er sich ins Auto gesetzt und sei für sie zu McDonald's gefahren: "Er hat mich wie eine Prinzessin behandelt, als wär' ich die Schönste, die Beste, die Fleißigste. Er ist für mich mein Ein und Alles."

Frau erkannte Veränderungen bei ihrem Freund

Allerdings räumte die Frau ein, dass sich der Mann insofern verändert habe, als er sich zurückzog und wenig mit ihr sprach, nachdem sie im September als Hochschwangere ein Kind verloren hatte. Sie habe jedoch "keine Sekunde daran gedacht, dass mein Mann, der so liebevoll ist, so etwas tun kann".

Nach seiner Festnahme hatte der 47-Jährige den ermittelten Polizeibeamten bzw. der psychiatrischen Sachverständigen erklärt, er sei Staatspolizist und es sei seine Aufgabe, "ganz grausliche Vergewaltiger" zu töten und "die Welt von schlechten Menschen zu befreien". Andreas U. sei einer von diesen gewesen. Er habe "alles richtig gemacht" und bereits "über 455 Menschen umgebracht".

47-Jähriger wird medikamentös behandelt

"Seit er mit Psychopharmaka behandelt wird, hat sich etwas getan", verriet Verteidigerin Astrid Wagner. Ihrem Mandanten gehe es nun besser. "Sind Sie jetzt noch Staatspolizist?", wollte die vorsitzende Richterin von ihm wissen. "Nein", erwiderte der 47-Jährige, "wahrscheinlich war ich nie einer." Und nach einer kurzen Pause bemerkte er noch: "So viel Pech muss man haben, dass man paranoid schizophren wird und dann macht man so eine Tat."

(APA/Red)

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