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MAK zeigt "Mode-Utopien" aus 500 Jahren

Ausstellung für Mode-Feinschmecker
Ausstellung für Mode-Feinschmecker
Mode als "Kernbereich der angewandten Kunst" möchte MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein in Zukunft verstärkt ins Programm des Museums für Angewandte Kunst integrieren. Mit der Schau "Mode-Utopien. Haute Couture in der Grafik" macht man nun einen ersten Schritt und präsentiert anhand von 224 Werken 500 Jahre europäischer Modegeschichte.


Im Vorfeld der Ausstellung, die am heutigen Dienstagabend eröffnet und bis zum 4. September im MAK-Kunstblättersaal zu sehen ist, hat Kuratorin Kathrin Pokorny-Nagel in den vergangenen sechs Jahren über 4.000 Mode-Illustrationen aus dem Archiv sowie 5.000 weitere Blätter, die Mode darstellen, durchforstet. Die Ausstellung bietet nun einen Einblick in den Stellenwert, den Mode schon im 16. Jahrhundert in der Kunst eingenommen hat. Herausgekommen ist dabei laut der Kuratorin zwar “kein Gesamtüberblick”, aber ein “Überblick über einzelne Phänomene der europäischen Modezeichnung”.

Ein wesentlicher Pfeiler ist dabei – wie bereits im Titel anklingt – die Utopie: “Bei Vielem handelt es sich um untragbare, unleistbare und oft auch bis heute noch unproduzierbare Mode”, so Pokorny-Nagel am Dienstagvormittag bei der Presseführung. “Schon damals war Haute Couture oft mehr Kunstwerk als Alltagsbekleidung.”

Besonders fasziniert zeigt sich die Kuratorin von dem Umstand, wie sehr die damaligen Künstler “die neue Stofflichkeit der Renaissance in Schwarz-weiß auf die Kupferplatte übertragen haben”. Um die zahlreichen Details zu entdecken, wurden in der Schau extra Lupen aufgelegt, mit denen man die oft kleinformatigen Abbildungen von modischen Gewagtheiten genauer betrachten kann.

Die gezeigten Arbeiten reichen von einem Holzschnitt mit der “Ordentlichen Beschreibung des Christlichen, Hochlöblichen und Fürstlichen Beylags (Gelage) oder der Hochzeit” von Heinrich Wirri aus dem Jahr 1571 über niederländische Blätter aus der Folge “Variarum Genitum Ornatus (Gewänder verschiedener Völker)” aus dem Jahr 1600 über “Wiener Mode” von Maurice Realier-Dumas (1893) bis hin zu Entwürfen aus der Wiener Werkstätte.

Auch Kuriositäten haben ihren Weg in die Ausstellung gefunden, wie etwa die Kupferstichserie “Mascarade a la Grecque” (1771) des Franzosen Ennemond Petitot, der in seinen Arbeiten als Satire auf den neuen Stil der Barockzeit und des Klassizismus anlegte und Elemente aus der Architektur mit jenen der Mode verschmolz. Als Vorbild für die Modeentwürfe des Historismus wiederum diente damals die Darstellung der Bekleidung in der “Khevenhüller-Chronik” von 1625, deren kolorierte Blätter in der Schau zu bewundern sind.

Die Anfänge des Modejournalismus thematisiert man anhand des von 1786 bis 1827 erschienenen “Journal des Luxus und der Moden”, das mit seinen kolorierten Kupferstichen die aktuellen Trends an der Schwelle vom Klassizismus zum Biedermeier ins Licht rückte. Während zuvor meist bereits existierende Mode abgebildet wurde, kommen nun vermehrt Entwürfe zum Zug, die ebenfalls als Vorlage für die weitere Produktion dienten.

In den 1930er-Jahren habe das MAK aufgehört, Modezeichnungen zu sammeln, wohl aufgrund der aufkommenden Modefotografie, meint Pokorny-Nagel in Hinblick auf den Schlusspunkt der Ausstellung, der das restliche 20. Jahrhundert ausklammert. Wer sich in die Materie vertiefen möchte, der hat die Möglichkeit, die mehrere tausend Werke umfassenden Blätter aus dem Archiv im Internet auf der Website des MAK zu durchforsten (). Im Juni widmet man sich im Rahmen eines zweitägigen Symposiums (24. und 25.6.) dem “System Mode / Revisited – (Psycho-)Analytische Zugänge”.

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