Macht endlich Sommerferien!

In einer Krise wie dieser ist Schule zweitrangig.
In einer Krise wie dieser ist Schule zweitrangig. ©APA-FOTO: ROLAND SCHLAGER
Gastkommentar von Johannes Huber. Schüler und Eltern werden vom Bildungsminister auf die Folter gespannt. Gerade weil auch er nicht wissen kann, wie es nach Ostern weitergeht, sollte er Klarheit schaffen.

Alle sind überfordert, wenn es um das Coronavirus geht. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) strahlt zwar souveräne Ruhe aus, Mitte März ist aber auch er davon ausgegangen, dass wir nur „für einige Wochen“ zu Hause bleiben müssen, „damit wir nach Ostern wirtschaftlich, gesellschaftlich und sozial wieder auferstehen können“. Heute ist klar: Es wird länger dauern. Und letzten Endes kann es überhaupt nur Schritt für Schritt über viele Monate hinweg allmählich wieder zurück zu einer gewissen Normalität gehen. Ja, sehr wahrscheinlich werden wir dort erst irgendwann im Jahr 2021 angekommen sein, wenn ein Impfstoff gegen dieses Virus erfunden ist.

Das sind keine guten Aussichten. Ganz im Gegenteil. Zusätzlich zu existenziellen Sorgen („kein Job, zu wenig Geld“) schafft das auch Unsicherheit für viele Eltern. Gemeinsam mit ihren Kindern, die in die Schule gehen, haben sie ohnehin schon genug: Wann geht der Unterricht wieder los? Wann findet die Matura statt? Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) kann das nicht beantworten. Wichtig ist ihm nur, dass die Reifeprüfungen in der Woche ab 18. Mai durchgeführt werden. Doch wer weiß, was kommt? Auch Faßmann hat keine Ahnung. Er spielt mit dem Gedanken, für die Prüfungen Masken ausgeben zu lassen und so weiter und so fort. Am Ende könnte der Termin aber ohnehin platzen.

Das ist unerträglich. Warum kann dieser Mann nicht einfach nur Klarheit schaffen, wo es ihm möglich ist? Konkreter Vorschlag: Wir starten jetzt mit den Sommerferien, die zumindest bis Ende Juli dauern. Die Kinder und Jugendlichen, die durch die Pandemie ohnehin schon gestresst sind, sollen sich bis dahin keinen Kopf mehr über die Schule machen müssen. Die Schulen selbst sind jedoch offen: Wie auch an Kindergärten wird für diejenigen, die’s mögen oder brauchen, Betreuung in Kleingruppen angeboten. Lehrer teilen sich das auf. Und zwar so, dass alle zu den üblichen zwei Monaten Sommerferien kommen.

Unter normalen Umständen wäre das Wahnsinn. Wegen der fix gebuchten Griechenland-, Italien- und sonstigen Familienurlaube nämlich. Jetzt fällt dieses Problem jedoch weg. Leider: Auslandsaufenthalte wird’s so bald nicht geben können. Die Grenzen werden sicher nicht ganz geöffnet und abgesehen davon bleibt den hunderttausenden Arbeitslosen, die es in Österreich gibt, ohnehin nichts übrig, um groß zu verreisen.

Also: Macht endlich Sommerferien! Ende Juli oder Anfang August wird für fünf, sechs Wochen das Wichtigste von dem nachgeholt, was derzeit nicht durchgenommen werden kann. Und die Matura kann auch noch rechtzeitig vor dem Uni-Start im Oktober durchgeführt werden. Andererseits: Ist sie überhaupt noch nötig? Ist das, was wir in dieser Krise erleben, nicht ohnehin schon eine riesige Schule fürs Leben, um nicht gar von einer echten Reifeprüfung zu sprechen?

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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