Lungentransplantationen in Wien: Keine systematischen Fehler festgestellt

Im Oktober 2019 kam es zu schweren Vorwürfen gegenüber dem Wiener AKH.
Im Oktober 2019 kam es zu schweren Vorwürfen gegenüber dem Wiener AKH. ©APA/HANS KLAUS TECHT
Im Oktober 2019 kam es zu schweren Vorwürfen gegen das Wiener AKH. Eine Audit-Kommission konnte "keine Hinweise auf systematische Fehler" feststellen.
Vorwürfe gegen Wiener AKH

Vergangenen Oktober wurden in manchen Medien schwere Vorwürfe gegen das Lungentransplantationsprogramm am Wiener AKH (MedUni Wien) geäußert. Eine von MedUni Wien und AKH eingesetztes Audit-Kommission sieht laut den Initiatoren "keine Hinweise auf systematische Fehler".

AKH: Keine Manipulation oder Benachteiligung

Es sei zu keinen Manipulationen oder Benachteiligungen österreichischer Patienten gekommen, hieß es am Montag in einer Aussendung von AKH, MedUni Wien und Wiener KAV.

Das Team um Walter Klepetko an der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien hat in den vergangenen drei Jahrzehnten eines der größten Lungentransplantationsprogramme weltweit aufgebaut. Dies geschah auch in Kooperation mit zahlreichen europäischen Ländern, denen geholfen wurde, eigene derartige Programm einzurichten.

Trotz der Erfolge geriet das Programm Ende Oktober 2019 ins Schussfeld von Medienberichten, darunter auch solche aus Deutschland. MedUni Wien und AKH bestellten sofort ein unabhängiges dreiköpfiges Experten-Auditgremium, das die Vorgänge untersuchte. In den vergangenen Tagen traf auch das letzte der Gutachten ein.

"Keinerlei Hinweise auf systematische Fehler oder Manipulation"

Zu dem gesamten Bericht hieß es am Montag vonseiten des Wiener AKH und der MedUni Wien: "Die internationalen Experten kommen darin zur Schlussfolgerung, dass der Großteil der Organzuteilungen, inklusive der Fall einer griechischen Patientin, ohne formale Beanstandung waren und die Größenordnung der nicht vollständig ordnungsgemäßen Fälle, gemessen an den Ergebnissen von Audits in Deutschland, nicht auffällig hoch war. Es liegen hier keinerlei Hinweise auf systematische Fehler oder Manipulationen vor."

Die Ergebnisse deckten sich zum größten Teil mit einem bereits 2017 durchgeführten Audit sowie den Anmerkungen in jährlich erscheinenden Berichten des Österreichischen Transplantationsbeirates. "Einzig empfiehlt die Kommission Mängel bei Dokumentation und Erhebung von Patientenbefunden, sowie die unkontrollierte Übernahme von fremdsprachigen Befunden zu verbessern. Die Übersichtlichkeit der zahlreichen internationalen Abkommen ist sicherzustellen, sofern diese noch Gültigkeit haben", hieß es in der Aussendung weiter.

Auch die internen Revisionsberichte der Wiener Stellen hätten "keine gravierenden Unregelmäßigkeiten" ergeben. Genauso erledigt dürfte auch die Frage von Vergütungen nach Organtransplantationen für ausländische Patienten sein. "Zur Frage der Vergütung der Leistungen über die Sonderklasse an die behandelnden Ärzte und an den Träger der Krankenanstalt AKH Wien ('Infrastrukturbeitrag') liegt mittlerweile eine Stellungnahme der Österreichischen Ärztekammer vor, welche die Angemessenheit der Abrechnungen bestätigt", schrieben AKH Wienund MedUni Wien.

Wiener AKH: Jährlich rund hundert Lungentransplantationen

Das Wiener Lungentransplantationsteam hat seit 1989 den strukturierten Aufbau neuer Programme in Drittstaaten unterstützt. Jährlich werden rund hundert Transplantationen von Lungenflügeln durchgeführt. Das hilft speziell Patienten mit chronischen, fortschreitenden und unheilbaren Lungenerkrankungen, zum Beispiel bei fibrotischen Erkrankungen des Lungengewebes, Lungenhochdruck etc.

47-jährige Griechin erhielt Lunge in Wien

In Medien war der Fall einer 47 Jahre alten griechischen Patientin, die in Wien eine Spenderlunge erhalten hatte, aufgegriffen worden. Das Wiener Team hatte den Aufbau eines Lungentransplantationsprogramms in Athen mit Expertise und Ausbildungsaktivitäten unterstützt. Es gab plötzlich ein passendes Spenderorgan ebenfalls aus Griechenland. Die Chirurgen in Athen wollten ihr Programm nicht mit einem extrem schwierigen Fall beginnen und baten die WienerExperten noch einmal um Hilfe.

Klepetko schilderte den Fall schließlich so: "Mein Team wurde von den griechischen Kollegen ersucht, diese Patientin ausnahmsweise noch in Wien zu transplantieren. Ich habe dem nur zugestimmt, wenn das aus Griechenland stammende Organ bei Eurotransplant (Verteilungszentrum für mehrere europäische Länder; Anm.) angemeldet würde. Das war transparent, nachvollziehbar und erfolgte nach allen gültigen Regeln. Aufgrund der Kriterien stand dieses aus Griechenland stammende Organ schließlich auch wirklich für den Eingriff an dieser Patientin zur Verfügung."

Die Kranke wurde nach Wien geflogen. Das Wiener Chirurgenteam unterstützte die griechischen Ärzte bei der Organentnahme und -Vorbereitung. Dann flog das Team wieder nach Wien. Die Patientin erhielt die Lunge transplantiert. Kritik war in Medien daran geäußert worden, dass es in diesem Fall sehr schnell zur Zuteilung des Organs wie Eurotransplant gekommen sei.

Klepetko: Extrem erleichtert

"Ich bin natürlich sehr froh darüber, dass nunmehr von unabhängiger Seite die Korrektheit des Handelns meines Teams bestätigt wurde." Dies sagte am Montag Walter Klepetko, Leiter des Lungentransplantationsprogrammes am Wiener AKH/MedUni Wien, über den Ausgang der Begutachtung der Aktivitäten rund um die Organverpflanzungen an der Klinik in der Bundeshauptstadt gegenüber der APA.

"Die Mitglieder des unabhängigen internationalen Audit-Teams waren und sind fundierte, erfahrene Top-Leute auf dem Gebiet der Lungentransplantation und auch auf dem Gebiet solcher Audits rund um Lungentransplantationsprogramme. Sie haben klar erklärt, dass in Wien alles korrekt abgelaufen ist und es zu keinerlei Manipulationen gekommen ist", fasste der Chirurg zusammen. Kleinere Mängel seien in der Dokumentation festgestellt worden, "nicht mehr als anderswo in Zentren dieser Größe auch". Die werde man beheben.

Die Konsequenz aus den Untersuchungsergebnissen laut Klepetko: "Das ist in erster Linie wichtig für alle österreichischen Transplantationspatienten und für die gesamte Bevölkerung, deren Vertrauen in das österreichische Transplantationssystem durch die böswilligen Unterstellungen gelitten hat. Es ist natürlich genauso wichtig für das AKH und die MedUni Wien, für mein gesamtes Team und auch für meine Person selbst." Österreichische Patientenvertreter hatten sich im vergangenen Oktober bis hin zu einer Kundgebung am Wiener Stephansplatz für Klepetko und sein Team engagiert.

Der Chirurg hatte bereits am Anfang der Angelegenheit von "massiver Verzerrung und Missinformation der Öffentlichkeit" im Zusammenhang mit den kolportierten Vorwürfen gesprochen. Ganz genauso hatten sich im vergangenen Oktober auch MedUni Wien und AKH geäußert: Sie distanzierten sich von Anschuldigungen "auf Basis unvollständiger Informationen und unlegitimiert weitergegebener, interner Unterlagen und Daten".

Klepetko betont hervorragende Ergebnisse

Klepetko unterstrich am Montag die hervorragenden Ergebnisse im Rahmen des Lungentransplantationsprogramms in Wien: "Wir haben eine Mortalität auf der Warteliste von drei Prozent. In Deutschland beträgt die Wartelisten-Mortalität für Lungentransplantationen zehn bis zwölf Prozent." Hier sei man auch im Eurotransplant-Verbund europäischer Staaten zum Austausch von Spenderorganen, Dokumentation und Kooperation führend.

Mit Begutachtung und Stellungnahme der Österreichischen Ärztekammer sollte nunmehr auch der Vorwurf der persönlichen Bereicherung ausgeräumt sein. "Die Österreichische Ärztekammer hat festgestellt, dass die Verrechnung der Leistungen für das Team (sie erfolgte nicht für Klepetko; Anm.) legal und angemessen war."

Derzeit unterstützt das in der internationalen Spitze agierende Lungentransplantationsteam von Wiener AKH und MedUni Wien vor allem noch Kroatien. "Vereinzelt führen wir auch noch Operationen für Slowenien und Ungarn bei ganz schwierigen Fällen durch", sagte der Chirurg.

Klepetko: Person wollte Lungentransplantationsprogramm in Misskredit bringen

Sowohl für die von den im vergangenen Oktober von den Vorwürfen direkt Betroffenen als auch für die Verantwortungsträger von AKH und MedUni Wien dürfte sich weiterhin die Frage nach den Hintergründen der Aufsehen erregenden Angelegenheit stellen. Immerhin ging es um schwere Vorwürfe.

Klepetko dazu gegenüber der APA: "Eine Person hat versucht, durch das Zuspielen von verfälschten und illegal entwendeten Daten und durch eine diffamierende und verleumderische Darstellung der Zusammenhänge" gegenüber Medien "ein möglichst breites Presseecho zu erzeugen - mit der Absicht, das gesamte Lungentransplantationsprogramm in Misskredit zu bringen, was zunächst leider auch gelungen ist." Auch während des Audit-Verfahren und während zusätzlicher Untersuchungen zu den erhobenen Vorwürfen sei es zu Interventionen gekommen.

(APA/Red)

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