Ältere Menschen schlucken oft gefährlichen Medikamentenmix

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Viele ältere Menschen nehmen täglich einen gefährlichen Medi-Mix zu sich. Beispiel: Die Kombi von Blutverdünner und Ginkgo kann riskant sein.

Das Ergebnis einer Untersuchung an der Universität von Chicago, das in der jüngsten Ausgabe des “Journal of the American Medical Association” veröffentlicht wurde, rüttelt auf. Die Risiken ergeben sich oftmals dadurch, dass verschreibungspflichtige Präparate und frei verkäufliche Mittel gleichzeitig eingenommen werden.

In Österreich versucht die Apothekerschaft hier mit einem elektronischen “Arzneimittel-Sicherheitsgurt” ein Sicherheitssystem zu etablieren, das beide Sektoren umfassen soll. Die breite Einführung ist aber bisher an Finanzierungsfragen und am Widerstand der Ärztekammer gescheitert.

Für die Studie unter der Leitung von Stacy Tessler Lindau wurde bei 3.500 US-Bürgern in der Altersgruppe von 57 bis 85 Jahren der Medikamentenkonsum erfasst. Bei jeder 25. Testperson wurde eine Kombination von Präparaten festgestellt, die zu schweren Komplikationen führen kann. Bei Männern zwischen 75 und 85 Jahren fiel jeder zehnte in die Risikogruppe. Allgemein sei bekannt, dass die Kombination verschreibungspflichtiger Medikamente gefährlich sein könne, sagte Tessler Lindau. “Was die Menschen sich aber nicht hinreichend klar machen ist, dass nicht verschreibungspflichtige Präparate mit verschreibungspflichtigen Wechselwirkungen hervorrufen können.”

Vor kurzem hatte eine andere Studie gezeigt, dass sich in den USA jedes Jahr rund 175.000 Patienten über 65 Jahren wegen gefährlicher Auswirkungen von Mehrfach-Medikationen in die Notaufnahme von Krankenhäusern begeben.

In der neuen Untersuchung ist offenbar auch von Kombinationen zwischen Blutverdünnern und Ginkgo-Präparaten die Rede. Letztere als Arzneimittel sind allerdings in Österreich verschreibungspflichtig. Hier müsste eine allfällige Kombination dem Arzt auffallen. Doch Patienten gehen oft zu mehreren Ärzten – und hier fehlt ebenfalls die Vernetzung. Hinzu kommen potenzielle Wechselwirkungen mit auch in Österreich rezeptfreien Medikamenten. In den USA ist die Rezeptpflicht bisher viel weniger rigoros als in der Alpenrepublik.

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