Longlist zum Deutschen Buchpreis

In den Buchhandlungen werden derzeit täglich frische Stapel an Neuerschei­nungen aufgeschlichtet. Ein erster Indikator dafür, was die Favoriten der Saison werden könnten, wird am Mittwoch veröffentlicht: Mit der Bekanntgabe der Longlist zum Deutschen Buchpreis wird ein Rennen eröffnet, das in den vergangenen Jahren immer mehr zum viel beachteten wie viel kritisierten sportlichen Event geriet. Aus literatur-patriotischer Sicht interessant: die Österreicher-Quote.
"Madalyn" von Michael Köhlmeier

135 deutschsprachige Romane waren bis Ende März eingereicht worden. Beteiligt hatten sich 65 Verlage aus Deutschland, 14 aus Österreich und fünf aus der Schweiz, die sich mit jeweils maximal zwei Titeln direkt bewerben sowie weitere Vorschläge einbringen konnten. Die eingereichten Bücher müssen zwischen Oktober 2009 und September 2010 erscheinen und spätestens bei Bekanntgabe der Shortlist im Handel erhältlich sein. Zur Auswahl stand daher nicht nur die laufende Sommer- und Herbstkollektion, über die Hälfte der eingereichten Romane ist bereits im Frühling erschienen.

Rund 20 Titel wird die von einer siebenköpfigen Jury erstellte Longlist umfassen, die am 8. September auf eine sechs Bücher umfassende Shortlist komprimiert wird. Im vergangenen Jahr hatten es mit Thomas Glavinic, Wolf Haas, Clemens J. Setz und Thomas Stangl vier Österreicher auf die Longlist geschafft, je drei heimische Literaten waren es 2006 und 2008. 2007, als von der “Neuen Zürcher Zeitung” der “Jahrhundertherbst der österreichischen Prosa” ausgerufen worden war, fanden sich gleich sechs österreichische Autoren mit ihren Büchern auf der Longlist, ebenso wie im Auftakt-Jahrgang 2005.

Die Aussichten, dass auch der diesjährige Jahrgang der österreichischen Literaturproduktion vor der Jury – Julia Encke (“Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”), Jobst-Ulrich Brand (“Focus”), Thomas Geiger (Literarisches Colloquium Berlin), Ulrich Greiner (“Die Zeit”), Burkhard Müller (“Süddeutsche Zeitung”), Ulrike Sander (Osiandersche Buchhandlung, Tübingen) und Cornelia Zetzsche (Bayerischer Rundfunk) – bestehen kann, sind gut.

Es wäre keine Überraschung, fänden aus dem Herbstprogramm Erich Hackl ( “Familie Salzmann”), Doron Rabinovici (“Andernorts”), Michael Köhlmeier (“Madalyn”) oder Lydia Mischkulnig (“Schwestern der Angst”) Berücksichtigung, der großartige Reiseessay “Im Wald der Metropolen” von Karl-Markus Gauß dürfte dagegen wohl nicht als Roman durchgehen. Aus dem Frühjahr sind u.a. “Das Fenster” von Richard Obermayr, “Wenn du wiederkommst” von Anna Mitgutsch, “Das Matratzenhaus” von Paulus Hochgatterer oder “Alles über Sally” von Arno Geiger in bester Erinnerung.

Geiger war mit “Es geht uns gut” 2005 zum ersten Preisträger des Deutschen Buchpreises gekürt worden. In den Folgejahren gewannen Katharina Hacker für “Die Habenichtse” (2006), Julia Franck für “Die Mittagsfrau” (2007), Uwe Tellkamp für “Der Turm” (2008) und im Vorjahr Kathrin Schmidt für ihren Roman “Du stirbst nicht”. Der Deutsche Buchpreis 2010, der mit insgesamt 37.500 Euro dotiert ist (25.000 Euro gehen an den Sieger), wird am 4. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römer verliehen.

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