Lokalsperren in Ischgl wurden missachtet

Ischgl ist wieder um einen Skandal reicher.
Ischgl ist wieder um einen Skandal reicher. ©APA/JAKOB GRUBER
Obwohl eine behördliche Schließung angeordnet war, sollen mehrere Après-Ski-Lokale in Ischgl offen geblieben sein.

Mehrere Après-Ski-Lokale in Ischgl blieben offen, obwohl eine behördliche Schließung angeordnet war. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" laut einer Vorabmeldung in seiner aktuellen Ausgabe.

Die Polizei sei nicht gegen Verstöße vorgegangen

Entsprechende Informationen gingen laut "profil" aus Akten aus dem 1000-seitigen Zwischenbericht hervor, den das Landeskriminalamt Tirol im Auftrag der Staatsanwaltschaft Innsbruck erstellte. Die Polizei sei allerdings nicht gegen die Verstöße vorgegangen. Sie habe der zuständigen Bezirkshauptmann Landeck lediglich berichtet, dass eine "zwangsweise Durchsetzung der Verordnung aufgrund des wetterbedingt starken Personenverkehrs und dem Umstand, dass damit lediglich eine Verlagerung der Menschenansammlungen erzielt würde, nicht verhältnismäßig erschien". Die Polizisten regten bei der Bezirkshauptmannschaft an, dass den Betreibern am folgenden Tag "nochmals die Einhaltung der Verordnung nahelegt wird".

Die Bezirkshauptmannschaft Landeck hatte am 10. März verordnet, "bei allen in der Gemeinde lschgl bewilligten Après-Ski-Lokalen ist der Après-Ski-Betrieb unverzüglich einzustellen." Fotos und Videos würden allerdings belegen, dass noch in der Nacht sowie am 11. März der Gastronomiebetrieb teilweise fortgesetzt worden war.

SPÖ und FPÖ fordern vom Innenminister Antworten ein

Der "profil"-Bericht, wonach selbst die Polizei bei Apres-Ski-Partys in Ischgl trotz behördlicher Schließung der Lokale nicht eingeschritten sein soll, hat eine weitere parlamentarische Anfrage zur Folge. Diese kündigte der stellvertretende Klubobmann und Gesundheitssprecher der SPÖ Philip Kucher am Samstag an. Die FPÖ ortete eine "ungeheuerliche Vorgangsweise" in dem Tiroler Skiort.

Es ergäben sich zahlreiche Fragen an Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), so Kucher: "Wusste Nehammer vom aktiven Zusehen seiner Behörde? Gab es gar eine Anweisung zuzusehen? In welche Richtung wird ermittelt? Gibt es Interessenskonflikte zum Beispiel zwischen der Seilbahnindustrie und der Polizei?" Egal ob aus Überforderung oder weil wirtschaftliche Interessen über die Gesundheit und das Leben der Bevölkerung gestellt worden seien, was in Tirol geschehen ist, darf sich so nie mehr wiederholen." Nachdem man rund um die Vorgänge in Ischgl alles auf Gäste und Gastwirte geschoben hat, könne es nun nicht sein, dass man sich an den Polizisten abputze, so Kucher, der völlige Transparenz forderte.

Auch für FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz vergeht fast kein Tag, an dem nicht neue Erkenntnisse rund um das Versagen in der Corona-Causa 'Ischgl' auftauchen. Nehammer habe einen gewaltigen Aufklärungsbedarf.

"In Ischgl hat man es anscheinend billigend und sehr locker in Kauf genommen, dass ganz Europa mit Infizierten aus diesem Skiort überschwemmt wird. Aus wirtschaftlichen Gründen und Profitgier die Gesundheit vieler Menschen aufs Spiel zu setzen, ist unentschuldbar", so Schnedlitz. Und weiter: "Langsam wird klarer, warum Schwarz und Grün den von uns geforderten Corona-Untersuchungsausschuss verhindern wollen. Kurz, Kogler und Co. sei aber ins Stammbuch geschrieben: Dieser Untersuchungsausschuss wird kommen - das ist so sicher wie das Amen im Gebet."

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(APA/Red)

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