Lokalgast erstochen: Zehn Jahre Haft

Dass er sich über einen angejahrten Mann lustig machte, der in einem Lokal in Wien-Penzing mit der Kellnerin tanzen wollte, kostete einen 33 Jahre alten Koch das Leben. Der 61-Jährige versetzte ihm in der Nacht auf den 27. Jänner 2009 wortlos und völlig überraschend fünf Stiche in die Brust und verließ dann seelenruhig das Lokal.

Am Mittwoch hatte sich der 14-fach Vorbestrafte wegen Mordes im Straflandesgericht zu verantworten. Die Kellnerin hatte weder eine Auseinandersetzung zwischen den Männern noch den Angriff mitbekommen. Erst nach einigen Minuten fiel ihr auf, dass der auf einem Barhocker lehnende 33-Jährige tot war.

Der 61-Jährige hatte zu vorgerückter Stunde die 42 Jahre alte Frau zum Tanzen aufgefordert, was diese ablehnte. Das amüsierte offensichtlich den jüngeren Mann, zumal der ältere an einem Hüftschaden leidet und auf einen Gehstock angewiesen ist. Er bat nun seinerseits die Kellnerin auf die Tanzfläche, kam ihr dabei besonders nahe, zog sich sogar das Hemd aus und markierte damit vor den Augen des 61-Jährigen sein Revier.

Als die Kellnerin in einen Nebenraum ging, um etwas zu erledigen, hörte sie noch, wie der Ältere “Das machst ma nimmer” sagte. Unmittelbar danach muss der 61-Jährige sein Klappmesser gezückt und zugestochen haben.

Der Angeklagte erschien nun in einem zartblauen Bademantel und einem Pyjama vor den Geschworenen und betonte, er sei sehr krank. Er habe gar nicht tanzen wollen, versicherte er: “I bin froh, dass i g’rad geh’n kann!” In Bezug auf die inkriminierte Bluttat behauptete er, der andere Mann habe ihn bedroht: “I hob ‘dacht, der hat was in der Hand, a Pistol’n oder so.”

Der 61-jährige Wiener ist am Mittwochnachmittag im Straflandesgericht völlig überraschend von der Mordanklage freigesprochen worden. Die Geschworenen erkannten auf absichtliche schwere Körperverletzung mit Todesfolge. Der Mann wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Lediglich vier der acht Geschworenen hatten die Frage nach Mord bejaht. Bei Stimmengleichheit wird das Quorum zugunsten des Angeklagten gewertet.

Dieser war mit der über ihn verhängten Strafe einverstanden. Er nahm das Urteil an. Der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab, die Entscheidung des Gerichts ist daher nicht rechtskräftig.
 

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