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Lockdown im Sport: Fußball fast wie eine Religion

Fußball findet in Österreich weiterhin statt - allerdings ohne Fans.
Fußball findet in Österreich weiterhin statt - allerdings ohne Fans. ©APA/EXPA/JOHANN GRODER
Wie auch die Religionsausübung ist der Profifußball in Österreich nicht von den harten Corona-Maßnahmen betroffen. Der ÖFB ist erleichtert und hofft dabei auf eine baldige Impfung.
Die Maßnahmen im Sport

Der Lockdown-Kelch ist an Österreichs Profi-Fußball vorübergegangen. Während das Land weitgehend zusperrt, rollt in den höchsten beiden Ligen weiterhin der Ball. Auch der Austragung der letzten Nations-League-Partie des ÖFB-Teams am Mittwoch im leeren Wiener Happel-Stadion gegen Norwegen steht von österreichischer Seite nichts im Wege. Daher war bei ÖFB-Präsident Leo Windtner und Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer Durchatmen angesagt.

Windtner meinte gegenüber der APA zur Fortsetzung des Spielbetriebs: "Ich bin froh darüber, weil ein Lockdown für manche Vereine eine Nähe zur Insolvenz bedeutet hätte und für einen Nationalverband wie den ÖFB ein Länderspiel-Stopp das totale Desaster darstellen würde."

Der Oberösterreicher verwies darauf, dass es im Herbst in keinem Lehrgang einer Nationalmannschaft einen positiven Corona-Test gegeben hat. "Wir sind mit höchster Akribie und Konsequenz vorgegangen und nicht das geringste Risiko eingegangen."

"Fußball ist der letzte Lichtkegel in der dunklen Landschaft"

Auch im Bundesliga-Betrieb seien die Corona-Maßnahmen bisher erfolgreich gewesen. "Rein empirisch gesehen sind Infektionen im Spitzenfußball Ausnahmefälle", betonte Windtner. Für Kritik an der Weiterführung des Profi-Sports hat Windtner wenig Verständnis. "Der Sport und der Fußball sind eine der letzten Lichtkegel in der derzeit dunklen Landschaft. Wenn man den Spitzenfußball abdreht, bläst man auch für die Gesellschaft die letzten Lichter aus."

Ebenbauer betonte in diesem Zusammenhang, dass auch der Profi-Fußball weit weg von einem Normalbetrieb ist, schließlich fehlen die Zuschauer in den Stadien und damit wichtige Einnahmen. Der Liga-Chef zog einen Vergleich zum Gastronomie-Bereich, der im Moment auf Lieferservice beschränkt ist. "Der Profi-Fußball wird so aufrecht erhalten, dass es gerade noch geht, aber nicht mehr."

Dennoch zeigte sich Ebenbauer zufrieden. "Ich weiß nicht, ob ich anhand der Gesamtsituation erleichtert sein kann, aber rein beruflich gesehen ist es enorm wichtig." Die Fortsetzung der beiden höchsten Ligen sei "essenziell" für die Clubs und gleichzeitig eine Belohnung für die erfolgreiche Umsetzung des Präventionskonzepts. "Das uns entgegengebrachte Vertrauen haben wir nicht umsonst bekommen. Wir haben im letzten halben Jahr bewiesen, dass es gut funktioniert."

Für Freude sorgte bei Ebenbauer auch der in der Verordnung festgehaltene Punkt, wonach Kicker ab einem CT-Wert von 30 oder mehr wieder trainieren und spielen dürfen, wenn sie 48 Stunden symptomfrei sind. In dieser Angelegenheit gab es bei den zuständigen Bezirksbehörden zuletzt unterschiedliche Vorgehensweisen, nun sollte Klarheit bestehen. "Das ist eine enorm wichtige Vereinheitlichung", sagte Ebenbauer.

Spieler und Betreuer werden wöchentlich getestet

Ansonsten bleibt im Oberhaus alles wie gehabt. Die Vereine testen ihre Spieler und Betreuer einmal pro Woche, die im Europacup engagierten Clubs noch öfter. Im Falle eines positiven Abstrichs wartet auf den Betroffenen eine zehntägige Quarantäne. Nach deren Ablauf muss nur dann ein weiterer Test durchgeführt werden, wenn es von der Bezirkshauptmannschaft verlangt wird. Auf eine diesbezügliche Anordnung wird zumeist verzichtet, weil der genesene Spieler dann ohnehin wieder im Regelbetrieb getestet wird.

Im Oberhaus setzt man weiterhin auf Pool-PCR-Testungen, in der 2. Liga steht demnächst eine Änderung bevor. Auf der Clubkonferenz in der Vorwoche wurde beschlossen, dass auch Antigentests zugelassen sind. Ein positiver Antigentest würde dann noch einen PCR-Test nach sich ziehen.

Antigentests bringen eine Kostenersparnis und schnellere Ergebnisse. Zuletzt kam es laut Ebenbauer aufgrund des hohen Test-Aufkommens im Land und der dadurch entstandenen Mehrarbeit in den Laboren des öfteren dazu, dass PCR-Test-Ergebnisse verspätet eintrafen. Ob beziehungsweise wie viele Zweitligisten künftig auf Antigentests setzen, ist aber noch offen.

ÖFB hofft auf baldige Zulassung eines Corona-Impfstoffes

Die positiven Nachrichten von der Corona-Impfstofffront sind auch beim Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) mit Freude registriert worden. Die Pandemie setzt den größten Sport-Fachverband des Landes finanziell unter Druck und bedeutet auch eine große administrative Herausforderung bei den Lehrgängen der Nationalmannschaften. Daher wird eine wirksame Waffe gegen das Virus herbeigesehnt.

ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold weiß jedoch, dass der Weg zurück zu Normalität selbst bei einer baldigen Zulassung des Vakzine-Kandidaten BNT162b2 ein weiter ist. "Das Thema Corona wird uns definitiv noch Monate begleiten, dessen sind wir uns bewusst", sagte der Niederösterreicher der APA.

So wie die Nationalteam-Lehrgänge im Herbst dürfte auch jener im März kommenden Jahres noch massiv von Präventions- und Hygiene-Konzepten beeinträchtigt sein. Bis zur EURO im Juni 2021 könnte sich das Blatt aber gewendet haben. Neuhold: "Es besteht die Hoffnung, ab Sommer Schritt für Schritt zu den alten Gewohnheiten zurückkehren zu können. Aber wir dürfen nicht zu sehr in Euphorie verfallen, sondern müssen weiterhin konzentriert unsere Hausaufgaben in Zusammenhang mit der Gesundheitskrise erledigen."

Der europaweit in Aussicht gestellte Weg aus der Coronakrise sieht vor, dass im ersten Quartal 2021 zunächst Angehörige von Risikogruppen und Angestellte in Gesundheits- und Pflegeberufen geimpft werden sollen. Danach könnten die Seren der restlichen Bevölkerung und damit auch heimischen Teamspielern zur Verfügung gestellt werden.

Corona-Imfung für Profi-Fußballer?

Spätestens ab diesem Zeitpunkt werden sich heikle Fragen auftun, etwa, ob der ÖFB seinen Kickern eine Corona-Impfung verordnen kann oder ob man bei der EM von nicht immunisierten Kickern Abstand nehmen sollte - immerhin wäre damit das Risiko praktisch ausgeschlossen, während der Endrunde auf einen Kicker wegen einer SARS-CoV-2-Infektion verzichten zu müssen.

Derzeit ist es laut Neuhold noch zu früh, um in dieser Angelegenheit konkrete Leitlinien festzulegen. "Dieses Thema müssen wir erst mit den medizinisch Verantwortlichen intern besprechen, ob wir Empfehlungen äußern oder nicht. Ich kann dem nicht vorgreifen. Am Ende des Tages ist es ein Abschätzen von Risiken", meinte der ÖFB-Geschäftsführer, stellte aber klar: "Wir werden niemand zu einer Impfung verpflichten können."

Der Verband werde sich aber auf jeden Fall um Impfstoffe für seine Spieler - sofern dies nicht von Club-Seite erledigt wird - und Angestellten bemühen, sobald die bevorzugten Bevölkerungsgruppen versorgt sind. "Wir haben das natürlich auf der Agenda. Doch es macht keinen Unterschied, ob die Impfung für uns eine Woche früher oder später verfügbar ist, weil wir gelernt haben, mit der Pandemie umzugehen und in deren Rahmen trotzdem tätig zu sein", betonte Neuhold. "Wir haben nicht die Notwendigkeit, aufzuzeigen und zu sagen, wir wollen die Ersten sein. Wir haben absolutes Verständnis dafür, dass es Personengruppen gibt, die prioritär behandelt werden."

Dennoch kann das Pandemie-Ende für den ÖFB nicht früh genug kommen. Die Kosten für die Corona-Sicherheitsmaßnahmen belaufen sich pro Lehrgang auf erhebliche Summen, zudem fallen aufgrund des Publikumsverbots in Heimspielen Einnahmen aus Ticketing und Hospitality weg. In existenziellen Nöten sei der Verband deshalb jedoch nicht, erklärte Neuhold.

(APA/Red)

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