Little Joe - Kritik und Trailer zum Film

Alice ist erfolgreiche Genwissenschafterin und züchtet eine Zierpflanze, die sie Little Joe nennt - analog zu ihrem Sohn Joe -, die nicht nur wunderschön ist, sondern auch über ihren Duft einen therapeutischen Effekt beim Menschen entfaltet und ihre Besitzer glücklich macht. Als sie die Blume daheim kultiviert, keimt in Alice jedoch alsbald der Verdacht, dass die von ihr geschaffene, purpurrote Pflanze nicht so harmlos ist, wie es zunächst scheint.

Es ist ein Kampf Rot gegen Blau. Er findet im Gewächshaus statt, wo Techniker in mintgrünen Mänteln über das Fortkommen der gentechnisch manipulierten Schützlinge wachen. Rot gewinnt. Während die Blume sich zur Siegerpose entfaltet, geht die blaue Population zugrunde. Es ist eine Schlüsselszene in Jessica Hausners "Little Joe", der ab Freitag im Kino zu sehen ist.

Little Joe - Kurzinhalt zum Film

Hausners fünfter Langfilm, der sich bei der Weltpremiere in Cannes den Darstellerpreis für Emily Beecham sicherte, hat einen ungewöhnlichen Protagonisten: eine im Genlabor entwickelte Blume, die glücklich machen soll. Designer Marko Waschke hat sie für den Film kreiert, und sie sieht tatsächlich bezaubernd aus. Schon bald kümmert sich seine Schöpferin, Gentechnikerin Alice (Beecham) mehr um "Little Joe" als um ihren echten Sohn Joe.

Die Pflanze hat keine Fähigkeit zur Reproduktion. Aber sie scheint, möglicherweise mittels ihrer Pollen, ihre Umwelt beeinflussen zu können. Hausner sät schon bald den Keim des Zweifels an der Wohltätigkeit des manipulativen Tuns, und er gedeiht - unterstützt von einem auf Teiji Ito zurückgreifendes Sounddesign - bestens. Die Regisseurin setzt die unterschiedlichsten Genremerkmale von Psychothriller und Science-Fiction stilsicher ein, überdreht sie aber gelegentlich ironisch. In diesen Momenten entlädt sich die aufgebaute Spannung mit Möglichkeiten für befreiendes Lachen: Es ist doch alles nur ein Märchen!

Little Joe - Die Kritik

Während die von ihr und Geraldine Bajard geschriebene Geschichte von der möglichen Manipulation zur sich selbst aufgebenden Empathie gegenüber einem künstlich erzeugten Lebewesen handelt, geht Jessica Hausner gleichzeitig auf Distanz, indem sie mit allen Mitteln die Künstlichkeit des Gezeigten betont. Martin Gschlachts Bildausschnitte sind ausgeklügelt und immer wieder unerwartet, seine Kamerafahrten bisweilen geradezu tänzerisch choreografiert. Das Farbkonzept in Ausstattung und Kostümen (Katharina Wöppermann und Tanja Hausner) ist raffiniert.

Auch das Schauspiel vermeidet strikt, allzu identifikatorisch und naturalistisch zu sein. Dass Hausner erstmals auf Englisch gedreht hat, ist Teil dieser Strategie. Emily Beecham als rothaarige, ganz der Arbeit hingegebene Alleinerzieherin Alice und Ben Whishaw als ihr engster Arbeitskollege, der gerne auch ihr Lebenspartner würde, entwickeln eine überaus interessante Beziehung und scheinen dennoch im Spiel immer einen halben Schritt neben sich zu stehen.

Kerry Fox besticht als Kollegin Bella, die an ihrem Hund Bello erstmals jene Veränderungen bemerkt, die als nächstes offenbar Alices Sohn Joe (Kit Connor) erfassen. Lindsay Duncan setzt als Psychotherapeutin einen pointierten Kontrapunkt in der subtil entwickelten Geschichte, in der die Waagschalen zwischen Irritation und Beruhigung mit jeder Szene anders austariert werden. Veränderung ist schließlich die Essenz des Lebens - und glücklich werden will doch ein jeder!

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(APA/Red)

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