Linz erinnert an geteilte Stadt 1945 bis 1955

Die Stadt an der Donau war stark zerstört
Die Stadt an der Donau war stark zerstört
Linz erinnert ab Freitag mit einer Ausstellung in seinem Museum Nordico an die Zeit als geteilte Stadt von 1945 bis 1955. Das ist der Beitrag der Landeshauptstadt zum oberösterreichischen Großprojekt aus Anlass 70 Jahre Kriegsende und 60 Jahre Staatsvertrag. Direktorin Andrea Bina stellte zusammen mit den Kuratoren Klaudia Kreslehner und Georg Thiel die Ausstellung am Mittwoch den Medien vor.


Der Rundgang beginnt mit der Erinnerung daran, dass Linz in den späten Vormittagsstunden des 5. Mai 1945 von amerikanischen Truppen eingenommen wurde. Sie fanden eine nach 22 Fliegerangriffen und zuletzt Artilleriebeschuss stark zerstörte Stadt vor. Wohnraum und Infrastruktur war vielfach vernichtet. Zwischen den Ruinen drängten sich doppelt so viele Bewohner wie 1938: Ortsansässige, Flüchtlinge, Zwangsarbeiter und ehemalige KZ-Häftlinge. Im Sommer besetzten die Truppen der Roten Armee das Mühlviertel und sperrten die Donaubrücken. Linz wurde damit zur geteilten Stadt: Im Norden der Donau die Russen, im Süden die Amerikaner. Das hielt bis 1953 an. Es gab langwierige Kontrollen. Landeshauptmann Heinrich Gleißner schilderte damals: “Wir haben die längste Brücke der Welt. Sie beginnt in Washington und endet in Sibirien.”

Die Ausstellung führt die unzureichende Versorgungslage vor Augen, die durch CARE-Pakete gemildert werden sollte. Sie zeigt den Gebrauch von Zigaretten als Zahlungsmittel, erinnert an damals Neues wie Coca Cola und Kaugummi und die Eröffnung des ersten Selbstbedienungsladens Österreichs am 27. Mai 1950 in der Wienerstraße. Diese hieß noch Jahrzehnte nach dem Krieg “Wiener Reichsstraße”. Dazu bestand die starke Sehnsucht nach Ablenkung: Kino, Theater erlebten eine Blütezeit, die Neue Galerie wurde gegründet, das Sportstadion auf der Gugl gebaut. Zugleich begann der wirtschaftliche Aufschwung: 1947 wurde in der Voest der erste Hochofen nach dem Krieg angeblasen, zwei Jahre später revolutionierte das LD-Verfahren die weltweite Stahlproduktion.

In der Ausstellung “menschelt” es sehr: Zeitzeugen kommen in Videos zu Wort. Kleidung und Einrichtung aus der Zeit sind zu sehen und werden wohl älteren Besuchern ein Deja-vu-Erlebnis bescheren. Das oberösterreichische Großprojekt zum Gedenkjahr wird angeführt von der bereits eröffneten Hauptausstellung “Befreit und besetzt. Oberösterreich 1945-1955” im Linzer Schlossmuseum. Dazu kommen die Ausstellungen “Bildende Kunst in Oberösterreich 1945-1955” in der Landesgalerie – sie wird am Donnerstag eröffnet -, “B-Gendarmerie” als Schritt zur vollständigen Souveränität Österreichs im Schloss Ebelsberg in Linz und “Zivilverwaltung Mühlviertel” im Schlossmuseum Freistadt.

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