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Liebe war es nie - Kritik und Trailer zum Film

Ein SS-Offizier verliebt sich in Auschwitz in eine Jüdin. Diese schier unglaubliche, jedoch wahre Geschichte von Franz Wunsch und Helena Citron erzählt die israelische Filmemacherin Maya Sarfaty in ihrem Dokumentarwerk. In unkonventioneller Annäherung schildert sie darin die Geschichte einer tragischen und verbotenen Beziehung im Angesicht von Gaskammern und Verbrennungsöfen. Der Endpunkt wird 30 Jahre später das Wiedersehen der beiden in einem Wiener Gerichtssaal sein, in dem Franz Wunsch als Angeklagter sitzt. Und Helenas Aussage soll ihn entlasten.

Ein SS-Offizier verliebt sich in Auschwitz in eine Jüdin. Wer sich als Autor so eine Liebesgeschichte einfallen ließe, müsste sich wohl auf arge Kritik gefasst machen. Ein Dokumentarfilm erzählt nun die wahre Geschichte einer solchen tragischen und verbotenen Beziehung angesichts von Gaskammern und Verbrennungsöfen. "Liebe war es nie" von Maya Sarfaty berichtet von Helena Citron und Franz Wunsch. Wienpremiere ist am Dienstag, drei Tage später startet der Film österreichweit.

Liebe war es nie - Kurzinhalt zum Film

Schon als Kind habe sie von ihrer erste Schauspiellehrerin, die Citrons Nichte war, von dieser Geschichte erfahren, erzählt Regisseurin Sarfaty, 1982 geborene Absolventin der Filmakademie der Universität Tel Aviv. Lange habe sie nach der richtigen Erzählweise für diese unglaubliche Geschichte gesucht. In "Liebe war es nie" hat sie diese ohne Zweifel gefunden. Zum einen konnten nicht nur zahlreiche Zeuginnen, sondern auch zwei wesentliche Protagonistinnen interviewt werden: Helena Citron selbst, die als Zipora Tahori in Israel lebte, und ihre ältere Schwester Rosa (Shoshanna Orenstein), die von Wunsch auf Intervention von Helena im letzten Augenblick vor der Gaskammer gerettet wurde, während aber ihre Kinder ins Gas geschickt wurden - eine Ursünde, die auch die Beziehung der Schwestern lange sehr belastete. Von Franz Wunsch fand sich eine private Filmaufnahme, in der er seinen eigenen Kindern über seine damalige Liebe berichtete.

Zum anderen ist "Liebe war es nie" (der Titel bezieht sich auf ein Lied, das die hoch musikalische Helena angeblich im Lager gesungen und damit die Aufmerksamkeit des seinen Geburtstag feierenden SS-Offiziers geweckt hat) auch ästhetisch ungewöhnlich umgesetzt: Ausgehend von einer Manie des Lageraufsehers, aus einem im KZ aufgenommenen Foto seiner jungen Geliebten deren Kopf auszuschneiden, in andere Fotos einzusetzen und sich so eine mögliche glückliche Beziehung unter gänzlich anderen Umständen zu konstruieren, gestaltet Maya Sarfaty Szenarien und Dioramen der Erinnerung. Diese Kamerafahrten in zurechtgerückte Konstellationen illustrieren die Erinnerungen, ohne ihnen aufdringlich nahe zu kommen.

Liebe war es nie - Die Kritik

Was dem Film in jeder Phase gelingt, ist die Hinterfragung der vielschichtigen Motive und Gefühle aller Beteiligten, die auch in dieser vielleicht einzigartigen Konstellation exemplarisch gesehen werden können. Weibliche Mithäftlinge, heute noble alte Damen, schildern in aller Offenheit Neid, Hass, aber auch Hoffnung und Anteilnahme, die diese verbotene Liebe begleiteten, die auch vielen Kameradinnen das Leben rettete oder Erleichterungen verschaffte. Helena selbst reflektiert in der Erinnerung die vielen Widersprüche, aber auch Gefahren, die diese Annäherung im Lager, aber auch später mit sich brachte. Denn als NS-Kollaborateurin, als Naziliebchen gebrandmarkt zu werden, war das Letzte, was man einer KZ-Überlebenden wünschen konnte.

Dennoch, und das ist eine weitere erstaunliche Etappe, von der dieser Film erzählt, stellte sie sich dieser Vergangenheit, als Franz Wunsch 1972 als letzter KZ-Aufseher in Wien vor Gericht gestellt wurde. Wunschs Gattin gelang es, ihre Adresse in Israel auszuforschen, nahm brieflich mit der ihr unbekannten Frau Kontakt auf und bat sie, bei dem Prozess auszusagen. Auch dieses berührende Dokument ist Teil des Films. Sarfaty konnte den Staatsanwalt und einen der Schöffen von damals interviewen. Sie schildern die Wiederbegegnung der beiden, von der sich Wunsch offenbar viel versprach und die ihn tatsächlich vor dem Gefängnis bewahrte. Er wurde freigesprochen.

Alle direkten Beteiligten sind mittlerweile seit über zehn Jahren tot. Der Film, der als israelischer Beitrag für den Auslandsoscar eingereicht wurde und hat den Frank Lowy Award am DocAviv Festival 2020 gewonnen hat, bewahrt ihr Andenken in würdiger Weise. Und das nüchterne Schlusswort gehört Helena: "Liebe war es nie."

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(APA/Red)

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