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Libyen-Krise treibt Ölpreise auf Zweieinhalb-Jahres-Rekord

Die Eskalation in Libyen hat den Ölpreis am Dienstag kräftig steigen lassen. Die Furcht der Anleger vor einem Übergreifen der Unruhen auf andere Ölländer in Nordafrika und am Persischen Golf sorgte für den höchsten Stand der Rohölpreise seit zweieinhalb Jahren.

Auch die Aktienmärkte reagierten nervös: Belastet wurden erneut Öl-Aktien sowie Airline-Werte. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) beruhigte: Die Reserven der Industriestaaten könnten allfällige Lieferprobleme ausgleichen.

Vor allem die US-Ölsorte WTI verteuerte sich drastisch: Mit 94,49 Dollar (69,13 Euro) kostete ein Fass zeitweise 9,6 Prozent mehr als noch am Montagabend und damit so viel wie seit Oktober 2008 nicht mehr. Die für Europa maßgebliche Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 108,18 Dollar (79,15 Euro) je Fass um 2,3 Prozent mehr als am Vorabend. Damit erreichte Brent den höchsten Stand seit September 2008. Seit Jahresbeginn kletterte der Brent-Preis um über 13 Prozent.

Investoren und Händler sorgten sich vor allem um mögliche Lieferengpässe. “Libyen allein produziert nicht soviel Öl, als dass es dadurch Engpässe geben könnte, selbst wenn das Land völlig kollabiert”, sagte Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. Das nordafrikanische Land fördere rund 1,6 Mio. Barrel Öl am Tag – davon gehen geschätzte knapp 1,4 Mio. Barrel pro Tag in den Export -, während die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) Reserven von 6 Mio. Barrel habe. “Es geht also mehr um die Angst, dass die Unruhen auf Länder wie Algerien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate überspringen.”

Libyen ist der drittgrößte Ölproduzent in Afrika. Wegen der Unruhen fiel die Förderung um geschätzte 100.000 Barrel am Tag, also sechs Prozent der Gesamtproduktion. Europäische Öl- und Gaskonzerne haben ihre ausländischen Mitarbeiter inzwischen weitgehend aus dem Land abgezogen. Der österreichische OMV-Konzern ist dort an zwölf Produktions- und Explorationslizenzen beteiligt, die Tagesproduktion beläuft sich auf 34.000 Fass pro Tag, mehr als ein Zehntel der Gesamtproduktion des Konzerns. Ein Fünftel des in der OMV-Raffinerie Schwechat bei Wien verarbeiteten Rohöls stammt aus Libyen.

Der Chefvolkswirt der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Fatih Birol, warnte vor weiter steigenden Ölpreisen, wenn sich die Unruhen in der arabischen Welt ausbreiteten. “Die Ölpreise sind eine ernste Gefahr für die weltweitere Konjunkturerholung”, sagte Birol, dessen Agentur ihre 28 Mitgliedsländer in Energiefragen berät. “Die globale Erholung bleibt sehr anfällig, besonders in den OECD-Ländern.” Die Industriestaaten seien nach Einschätzung der IEA aber bereit, bei Lieferengpässen wegen der Libyen-Krise ihre Ölreserven anzuzapfen. Der Delegierte eines OPEC-Staates aus der Golfregion sagte, die Organisation habe die klare Haltung, jegliche Produktionslücken zu schließen. Derzeit gebe es aber keine Lieferengpässe.

Neben Ölaktien lasteten die steigenden Ölpreise am Dienstag auch auf den börsenotierten Airlines. Bei den Ölwerten war Libyen weiterhin das kursbestimmende Thema. Laut Cheuvreux-Analysten ist der italienische Ölkonzern Eni besonders stark in dem nordafrikanischen Land aktiv. Wegen eines technischen Fehlers konnten die Eni-Aktien bis zuletzt an ihrer Heimatbörse Mailand nicht gehandelt werden, auf Xetra gaben die Vortags schon schwachen Aktien um 1,61 Prozent auf 17,15 Euro nach. Auch Repsol-YPF sehen die Experten von Cheuvreux als stark in Libyen engagiert an, die Papiere büßten in Madrid 2,36 Prozent auf 23,375 Euro ein. Die OMV-Aktien gaben mit einem Minus von 2,30 Prozent auf 31,82 Euro weniger stark nach als am Vortag.

Die Papiere großer Fluggesellschaften kamen am Dienstag wegen der Sorge vor den Auswirkungen der Libyen-Unruhen auf die Reiseaktivität und den Ölpreis unter Druck. Der Teilindex Stoxx 600 Travel & Leisure gab um 1,46 Prozent nach, und unter den Einzelwerten erlitten Air-France-KLM mit 3,17 Prozent auf 11,775 Euro größere Verluste. Die Titel der AUA-Mutter Lufthansa verloren bis zu Mittag 2,1 Prozent. IAG (International Consolidated Airlines Group) verloren in London 3,3 Prozent.

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