Les Apparences - Ein Wiener Seitensprung: Kritik und Trailer zum Film

Das Ehepaar Ève (Karin Viard) und Henri (Benjamin Biolay) führt scheinbar ein perfektes Leben in der französischen Gemeinschaft Wiens. Er ist als Direktor des Konzerthauses erfolgreich, sie arbeitet am Institut français. Doch dieses vermeintliche Powercouple gerät ins Wanken, als Ève entdeckt, dass Henri ein Verhältnis mit der Lehrerin seines Sohnes hat. Anstatt Henri zu stellen, verbringt Ève eine Nacht mit dem jungen Wiener Jonas (Lucas Englander). Für Jonas ist die Begegnung jedoch wesentlich mehr als ein bloßer Seitensprung - und so wandelt sich die anfängliche Gesellschaftskomödie zum eskalierenden Thriller.

Ein französischer Film, der zur Gänze in Wien spielt? Das klingt interessant und charmant. "Les Apparences" von Marc Fitoussi ist leider das glatte Gegenteil davon: Wienklischees, zusammengeschusterte Schauplätze, ein banales Drehbuch über Ehebruch und eskalierende Rache sowie exaltiertes, unglaubwürdiges Schauspiel ergeben in Summe einen Film, den niemand wirklich braucht. Und der ab Freitag mit dem Untertitel "ein Wiener Seitensprung" in den heimischen Kinos läuft.

Les Apparences - Ein Wiener Seitensprung: Kurzinhalt zum Film

In Wien wird fast nur Französisch gesprochen: Die Handlung spielt im durchwegs französischen Freundeskreis des aus Frankreich stammenden Dirigenten und Konzerthaus-Chefs Henri (Benjamin Biolay) und seiner Frau, der Bibliotheksleiterin Eva (Karin Viard). Sie haben - inklusive eines Söhnchens - alles, was es braucht, zum glücklich sein, und infolgedessen ist die einzige Frage einer Journalistin an Eva die, wie man soviel Glück überhaupt aushalten kann.

Das Ganze ist natürlich nur Fassade. Der Mann hat eine Affäre mit der Lehrerin seines Sohnes. Seine Frau kommt dahinter und rächt sich auf zweierlei Weise: Sie geht mit einem - selbstverständlich perfekt französisch sprechenden - jungen Wiener (Lucas Englander), der sie anspricht, als sie ihren Kummer in einer Bar ertränkt, in ein Stundenhotel. Und sie schickt eine Liebesmail der Freundin, deren E-Mail-Konto sie knackt, an den Mailverteiler der Eltern ihrer Klasse. Dass das Ganze eskaliert, ist vorgezeichnet. Die Ehetragödie wird zum Thriller, nicht zuletzt, weil auch der immer lästiger werdende junge Mann einiges auf dem Kerbholz hat.

Les Apparences - Ein Wiener Seitensprung: Die Kritik

Aus dieser bereits tausendfach variierten Grundkonstellation könnte vielleicht in der Theorie eine gesellschaftskritische Krimikomödie werden - in der Umsetzung durch Marc Fitoussi, der u.a. mit Isabelle Huppert, Monica Bellucci und Charlotte Gainsbourg gedreht hat, geht ihr jeder Esprit ab. Fitoussi hat selbst Karin Alvtegens Roman "Betrayal", der 2003 unter dem Titel "Der Seitensprung" auf Deutsch erschienen ist, zum Drehbuch umgearbeitet. Allerdings spielt die Vorlage in Stockholm und gar nicht in einer französischen Expatriate-Community.

Die Umarbeitung gibt dem Film eine eigenartig gezwungene Künstlichkeit, die für ein Wiener Publikum doppelt ärgerlich ist: Der Film wurde zwar sichtbar in Wien gedreht, das unsensible Zusammenwürfeln von Originalschauplätzen zu Fakelocations ist beim Zuschauen unerträglich. Das "Konzerthaus" ist von außen für jeden Touristen eindeutig als Burgtheater erkennbar (die Innenaufnahmen wurden dann wieder nicht im Burgtheater gedreht), und das Lycée hat nichts mit der real existierenden Schule in Wien-Alsergrund zu tun. Immerhin darf die Konditorei Sluka sich selbst spielen.

"Les Apparences", also "die Erscheinungen", wurde unter dem Arbeitstitel "Vienna Waltzes" gedreht. Mit dem Wiener Walzer hat der Film freilich genauso wenig zu tun wie mit Claude Chabrol, dessen Gesellschaftssatiren offenbar als Orientierungspunkt dienten. Dieser "Wiener Seitensprung" ist daneben gegangen.

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(APA/Red)

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