Leopold Museum erinnert an Tod Richard Gerstls

Das Leopold Museum lädt anlässlich des Todestages von Richard Gerstl, dem "jungen Wilden" der Wiener Kunst um 1900, zu Spezialführungen. Am 4.11. vor genau 100 Jahren nahm sich der nur 25-jährige Künstler das Leben.

Professor Dr. Rudolf Leopold erkannte das Genie Gerstl und konnte ab den 50er-Jahren wesentliche Hauptwerke erwerben und so die größte existierende Gerstl-Sammlung aufbauen.

Diese befindet sich heute im Leopold Museum in Wien, wo man am Dienstag mit Sonderführungen dem frühen Tod Gerstls gedenkt. Der Künstler nahm sich aufgrund einer tragischen Liebesaffäre mit Mathilde Schönberg, der Frau des Komponisten Arnold Schönberg, im Alter von nur 25 Jahren das Leben.

Im heurigen Sommer wurde im Rahmen der Neuaufstellung der Sammlung Leopold “Wien 1900” auch ein Gerstl-Saal mit vielen interessanten Informationen gestaltet, u.a. kann man über Hörsäulen die Bilder zur Musik (Vertonung der Gedichte Stefan Georges) von Arnold Schönberg betrachten.

Parallel dazu läuft seit dem 31. Oktober die Sonderausstellung zum 90. Todestag von Egon Schiele. Gerstl, Kokoschka und Schiele gelten heute als die “Jungen Wilden” der Zeit des Wien nach 1900. Alle drei verfolgten, jeder für sich, eigenständige Wege.

Die Geschichte Richard Gerstls:

Richard Gerstl wurde am 14.9.1883 in Wien geboren. Ab 1898 besuchte er die “Allgemeine Malschule” von Christian Griepenkerl an der Akdemie der bildenden Künste. Gerstl interessierte sich besonders für Fremdsprachen, Philosophie sowie Musik und Literatur. 1906 bekommt er an der Akademie ein eigenes Schulatelier zur Verfügung gestellt, es entstehen bald darauf die ersten Landschaftsdarstellungen nach Wiener Motiven.

1906 lernte er auch Arnold Schönberg und dessen Frau Mathilde kennen. Mit deren Bekannten und Schülern teilte er musikalische und künstlerische Anschauungen, Vorlieben und Bewunderungen. Gerstl nimmt sehr rege am Wiener Kunstleben teil und malt immer wieder (Selbst-)Portraits, u.a. auch die sehr bekannten Bildnisse der Familie Schönberg.

Die Sommerferien 1907 verbrachte er mit den Schönbergs in Gmunden am Traunsee. Aus dieser Zeit sind bedeutende Landschaftsdarstellungen erhalten. 1908 wiederholte sich der Aufenthalt im Salzkammergut, diesmal kommt es allerdings aufgrund der bekannt gewordenen Liebesbeziehung zu Mathilde Schönberg zum Bruch mit Arnold Schönberg. Mathilde Schönberg verließ Gerstl nach kurzer Zeit und kehrte zu ihrer Familie zurück. Gerstl, der daraufhin von seinen Bekannten und Freunden aus dem Schönberg-Kreis gemieden wird, beendete diese Isolierung, indem er sich in der Nacht vom 4. auf den 5. November 1908 im Atelier in der Liechtensteinstraße erhängte.

Die im Atelier vorhandenen Bilder – viele Werke hatte Gerstl noch zu Lebzeiten zerstört – wurden in Kisten verpackt und bei einer Spedition eingelagert. 23 Jahre waren sie dort verpackt, erst 1931 wurde in der Neuen Galerie in Wien die erste Gerstl-Ausstellung eröffnet.

Nähere Infos unter: www.leopoldmuseum.org

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