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Lehrer erwarten "gewaltige Probleme" bei Betreuung

Österreichs Schulen sind nicht auf "Schichtbetrieb" vorbereitet.
Österreichs Schulen sind nicht auf "Schichtbetrieb" vorbereitet. ©APA/HANS PUNZ
Die Lehrervertreter befürchten "gewaltige Probleme" beim Hochfahren der Schulen. Es gebe zu wenig Platz, ungeeignete Maßnahmen und ein nicht zu Ende gedachtes Konzept.
Forderung nach Nachbesserung bei Schulen
So wird der Unterricht ablaufen?

Ab 18. Mai soll an den Schulen schrittweise wieder der Betrieb aufgenommen werden. Um die Klassen zu verkleinern, wird im "Schichtbetrieb" unterrichtet. Bei Bedarf müssen aber zusätzlich auch jene Schüler betreut werden, die laut "Schichtbetrieb" nicht an der Schule sein sollten. Thomas Bulant von den Sozialdemokratischen LehrerInnen Österreich (SLÖ) erwartet sich dadurch "gewaltige Probleme".

Platz in Schulen wird knapp

An den Schulen gebe es oft nicht die dafür benötigten Räume, warnt Bulant. An seiner Schule, einer NMS in Wien-Favoriten, müsste man für die Betreuung auf Speisesaal, Werk- und Computerräume oder Turnsäle ausweichen. Während man aber in den Klassen durch die Tischordnung noch das Abstandhalten gewährleisten könne, sei das in anderen Räumen bei Kindern mit ihrem ausgeprägtem Bewegungsdrang schwer vorstellbar. "Das wird zu gewaltigen Turbulenzen führen, wo viele von uns (Lehrern, Anm.) die Angst haben, wie wir als 'Hygienewächter' hier aktiv werden können?"

An den Volksschulen stehe man bei der Betreuung zudem vor Personalproblemen. Immerhin gebe es dort großteils neben den Klassenlehrern nur noch Lehrer für Religion und Werken. Wenn nun zusätzlich zu den Gruppen, die laut "Schichtbetrieb" Unterricht haben, viele Schüler zur Betreuung ins Haus kommen, gebe es nicht ausreichend Betreuungspersonal für alle Gruppen.

Sicherheitsabstand kaum einzuhalten

Bulant fragt sich auch, wie Lehrer ihre Schüler bei der Hausübung unterstützen und gleichzeitig den Sicherheitsabstand wahren sollen. "Im Prinzip erlebt mit diesen Unterrichtswochen der verpönte Frontalunterricht seine Renaissance, denn damit können wir alle miteinander Abstand halten." Die Lehrer müssten nun hoffen, dass nicht zu viele Eltern die Betreuungsmöglichkeit in Anspruch nehmen.

Probleme sieht Bulant auch bei der Ausstattung der Schulen. An manchen Standorten sei ein Querlüften wegen der Bauweise der Fenster gar nicht möglich, an anderen gebe es nur Kaltwasser. Die Alternative Desinfektionsmittel sei schlicht nicht vorhanden. In Wien mussten die Schulen sich laut Bulant bisher selbst darum kümmern, es aufzutreiben. Bis zum Schulbeginn am 18. Mai hat die Stadt laut Bulant zugesichert, ausreichend Desinfektionsmittel für die Pflichtschulen zu besorgen.

Schulen nicht vorbereitet

"Es wird suggeriert, dass die Schulen bestens vorbereitet sind. In Wirklichkeit wird alles, was nicht zentral gelöst werden kann, in die Schulautonomie gegeben." Das findet Bulant insofern perfide, als die Schulleitungen schließlich dafür verantwortlich gemacht würden, wenn die Pläne des Ministeriums nicht umsetzbar seien.

Sorgen macht Bulant auch, dass die Schulen für die Zeit direkt vor und nach der Schule verantwortlich gemacht werden könnten. Die Sozialkontakte in dieser Zeit seien das, was die Schüler am meisten vermisst hätten. Diese seien aber nicht gut in der Lage, Abstand einzuschätzen und einzuhalten. "Das werden wir nicht unter Kontrolle haben."

Nur Schüler von Abschlussklassen gefordert

Der SLÖ-Chef schlägt deshalb vor, nur die Schüler der Abschlussklassen von Volks- und Neuen Mittelschulen wieder an die Schulen zu holen. "Die kann ich dann sogar in Fünfergruppen unterrichten und ihnen so einen anständigen Abschluss ermöglichen", immerhin würden diese im Herbst in andere Schulformen übertreten.

Außerdem plädiert Bulant dafür, die Sommerferien um eine oder zwei Wochen vor- und in den Juni hineinzuverlegen und dafür nach den neunwöchigen Ferien bereits Ende August das neue Schuljahr zu beginnen - und zwar in allen Bundesländern gleichzeitig, eine Staffelung wegen des Urlaubsverkehrs sei angesichts der Coronakrise heuer ohnehin nicht notwendig. Eine Verschiebung des Schuljahres ist für Bulant unter den aktuellen Klimabedingungen ohnehin ein Gebot der Stunde. "Wenn es im Juni wieder so heiß ist wie in den vergangenen Jahren, ist der Unterricht im Juni in Wahrheit nur getarnte Beaufsichtigung."

(APA/red)

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